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Selbstgewebte Zukunft

Schwerpunkt: Einkommen
Projektgebiet: Wore Illu
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In der Gemeinde Hochecho im zentraläthiopischen Hochland mangelt es an vielem: Immer mehr Menschen müssen sich das knappe fruchtbare Land teilen. Es fehlt an Nahrung, an Jobmöglichkeiten, an Geld zum Leben. Junge Frauen und Männer zieht es daher häufig nach Addis Abeba oder sie flüchten vor ihrer Ausweglosigkeit ins Ausland. Menschen für Menschen setzt hingegen auf neue Perspektiven in ihrer Heimat – ein Besuch bei den Teppichwebern in der Projektregion Wore Illu.

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Als ihr Sohn drei Jahre alt wurde, traf Aysha Mohammed die bisher schwerste Entscheidung ihres Lebens. Sie verließ ihr Kind, ihre Eltern, die vier Geschwister und ihre Heimat. Das Ziel: Saudi Arabien. Als Haushälterin wollte sie endlich Geld verdienen, zugunsten einer besseren Zukunft für sich und ihren kleinen Sohn. Zu Hause in der Gemeinde Hochecho, rund 300 Kilometer nordöstlich von Addis Abeba, ist das bis heute nur schwer möglich.

In der abgeschiedenen, ländlichen Region reicht das wenige fruchtbare Land kaum aus, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Viele Familien leiden Hunger. Arbeit gibt es in der Regel nur auf dem Feld und im Haus der eigenen Familie – darüber hinaus haben junge Menschen wenig Möglichkeiten, selbst Geld zu verdienen.

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Wegen der Auswegslosigkeit scheiterte die Ehe von Aysha Mohammed. Um ihrem Kind trotzdem etwas zu bieten, traf sie eine schwere Entscheidung: Sie lies ihr Kind zurück, um in Saudi Arabien als Haushälterin zu arbeiten.

Auch die heute 22-jährige Aysha half ihrer Mutter nach ihrem Schulabschluss im Haushalt. Wenig später lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen, wurde mit 17 schwanger. Doch bereits kurz nach der Geburt des Sohnes trennte sich das Paar. Zu auswegslos kam ihnen die Situation vor. “Wir waren komplett pleite und konnten uns kein gemeinsames Leben aufbauen”, sagt Aysha.

Doch ihr Traum, in Saudi-Arabien der eigenen Misere endlich zu entkommen, ging nicht in Erfüllung. Woche um Woche litt Aysha in der Fremde mehr, die Sehnsucht nach ihrem Sohn fraß sie auf. “Ich wurde depressiv”, erinnert sie sich.

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Spricht sie von der Zeit, wird ihre Stimme brüchig und immer leiser. Nach einem Jahr gab sie auf und kehrte nach Äthiopien zurück – mit leeren Händen:  Die Familie, für die sie in Saudi-Arabien arbeite, behielt ihren gesamten Lohn ein. Lediglich das Rückflugticket bezahlten sie ihr.

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Perspektiven in der Heimat schaffen

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Laut äthiopischem Ministerium für Arbeit und Soziales sind zwischen 2008 und 2013 etwa 460.000 Äthiopier in den Nahen Osten ausgewandert. Rund 85 Prozent waren Frauen aus ländlichen Regionen, die kaum die Schule besucht hatten und sich in der Ferne als Hausangestellte verdingten. Schätzungen zufolge liegt die Dunkelziffer allerdings deutlich höher, da die Statistik nur diejenigen aufführt, die legal ausgereist sind.

Im Herbst 2013 verbot die äthiopische Regierung die Auswanderung gering Qualifizierter in den Nahen Osten. Zuvor häuften sich Meldungen über Misshandlungen der Frauen. Saudi Arabien, eines der beliebtesten Zielländer, hatte außerdem mehrere Tausend illegale äthiopische Arbeiter ausgewiesen. Trotzdem verlassen bis heute noch viele Äthiopier ihr Heimatland. Sie sehen keinen anderen Ausweg aus ihrer Armut.

Hier setzt Menschen für Menschen an. In enger Abstimmung mit den lokalen Behörden haben die Entwicklungsarbeiter der Äthiopienhilfe Menschen wie Aysha ausgemacht – desillusionierte Rückkehrer aus dem Ausland, aber auch junge Leute, die sich, aus welchen Gründen auch immer, bislang noch nicht aufgemacht haben und oft im Nichtstun verharren.

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Sozialarbeiterin Zumra Eberia (Mitte) erklärt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Jobtrainings, wie aus dem selbstversponnenen Garn kunstvolle Teppiche werden.

“Vor dem Training und der Arbeit profitieren nicht nur die Teilnehmer selbst”, erklärt Zumra Eberia. “Viele, die sonst die Region verlassen hätten, sehen endlich einen kleinen Fortschritt.” Die 29-jährige Sozialarbeiterin von Menschen für Menschen kennt die Gemeinde und ihre Probleme genau.

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Seit 2017 geht sie täglich von Hütte zu Hütte, zeigt den Bauernfamilien, wie sie auf Hygiene in der Küche, im Haushalt und auf dem Hof achten, klärt sie über Verhütung und die Vorteiler von weniger Kindern auf. Auch Aysha und die anderen Mitglieder der Teppichgruppe hat sie von Beginn an begleitet und schaut regelmäßig in der Werkstatt der Kooperative vorbei.

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Unabhängig werden

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Schwungvoll bedient Aysha Mohammed die Spindel. Sie verdient Geld mit der Herstellung von Teppichen und Schalen und kann so sich und ihren Sohn versorgen.

In der großen Lehmhütte sitzt Aysha auf einem dünnen Baumstamm. Von draußen scheint die Sonne herein, während sie konzentriert auf die Handspindel vor sich schaut. Sie baumelt an zwei dicken Wollfäden, die Aysha mit ihrer linken Hand hoch in die Luft hält. Sie gibt der Spindel einen Schubs. Nach und nach verzwirnt sie so die beiden Garne miteinander. “Ich war so froh, meinen Sohn endlich wieder im Arm zu halten. Dass ich dann gleichzeitig noch die Chance bekommen habe, hier zu arbeiten, macht mich sehr glücklich!”, sagt Aysha. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.

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Kedir Ali ist körperlich behindert und hat ebenfalls in der Werkstatt Arbeit gefunden.

Um sie herum herrscht rege Betriebsamkeit. Während Aysha und einige andere Frauen die Wollgarne spinnen, sitzt der 20-jährige Kedir Ali vor dem großen Webrahmen, der mehr als die Hälfte der Werkstatt einnimmt. Wenn man zuschaut, wie er gekonnt Garn für Garn verwebt, deutet nichts darauf hin, dass ihm vielen in seinem Leben sonst schwerer fällt.

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Mit vier Jahren schwollen seine Beine plötzlich an, schmerzten – er hatte sich mit einem Bakterium infiziert. Bis heute ist sein linkes Bein deformiert. Eine genaue Diagnosebekamen Kedirs Eltern damals von den Ärzten im Dorf nicht. Kedir selbst vermutet, es war Polio.

Er war ein guter Schüler, doch in Hochecho reichte die Schule damals nur bis zur 8. Klasse. Undenkbar für ihn, den langen Fußmarsch zur nächstgelegenen weiterführenden Schule zu bewältigen. Fünf Jahre lang blieb Kedir daraufhin zu Hause, half seinen Eltern, so gut es ging, auf dem Feld und beim Versorgen der Tiere. Arbeit anzunehmen, bei der er schwer heben oder weit hätte laufen müssen, war für ihn unmöglich.

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Teppiche weben statt Wälder abholzen

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“Wir machen jetzt gleich eine Pause”, dringt eine laute Stimme durch die halbdunkle Werkstatt. Sie gehört Yeshi Muheye. Die 44-Jährige ist die Sprecherin der Gruppe und ebenfalls alleinerziehende Mutter. Früher stand sie häufig noch vor dem Morgengrauen auf und sammelte auf einen nahgelegenen Berg Feuerholz, das sie später auf dem Markt verkaufte. Von dem geringen Erlös konnte sie kaum sich und ihre drei Kinder ernähren, machte sich aber strafbar und riskierte verhaftet zu werden. Denn wegen der drohenden Erosion an den Hängen ist es verboten, auf dem Berg Holz zu schlagen.

Das Jobtraining von Menschen für Menschen bot Yeshi eine Alternative. Während des einmonatigen Webkurses erhielt sie  wie alle anderen Teilnehmer umgerechnet 90 Euro, weil sie in dieser Zeit nichts verdienen konnte. Das Geld reichte, um sogar noch ein Schaf und einige Hühner anzuschaffen. Mit dem Verkauf der Eier kann Yeshi für ihre Kinder und sich sorgen und ihre 15-jährige Tochter Kemila kann endlich wieder regelmäßig zur Schule gehen.

Noch leben wie Yeshi alle Mitglieder der Teppichgruppe von solchen Nebenerwebstätigkeiten, die sie mithilfe von Menschen für Menschen aufbauen konnten. Für ihre Teppiche erhalten sie je nach Größe umgerechnet zwischen vier und 15 Euro. Den Großteil der Gewinne investieren sie in neue Wolle, Plastik oder andere Materialien auf dem Markt und vor allem sparen sie: 26.000 Birr, etwa 800 Euro, liegen bereits auf einem Bankkonto. “Wenn wir genug Geld haben, wollen wir einen Lieferwagen kaufen”, erzählt Yeshi. “Damit können wir unsere Produkte zu den größeren Märkten bringen, wo wir auch mehr verdienen.”

Ein großer Plan, doch die Teppichweber trauen sich zu, diesen umzusetzen. Das Jobtraining hat sie selbstbewusster gemacht.  “Früher haben viele nicht einmal gewagt, ihre Meinung zu sagen. Heute fühlen sie sich sicher und stark.”, sagt die Sozialarbeiterin Zumra. Besonders stolz ist sie auf Yeshi, die nicht nur als Sprecherin der Gruppe Verantwortung übernimmt. “Früher haben mich häufig Zukunftssorgen geplagt”, sagt Yeshi. “Heute habe ich keine Angst mehr. Ich möchte, dass auch andere, denen es heute ähnlich geht wie mir früher, die gleiche Chance bekommen.”

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Die nächste Generation

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Dafür gibt es demnächst Gelegenheit, denn bald soll ein weiteres Jobtraining in Hochecho geben. Die Kooperative um Yeshi möchte wachsen, ihr Angebot um neue Produkte und Designs erweitern und größere Mengen produzieren. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken und weitere interessierte Frauen und Männer schon schrittweise ins Boot zu holen, engagiert die Teppichgruppe sie zunächst als Verkäufer.

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Nejat Endris verkauft die Teppiche und Schalen auf dem Markt und freut sich darauf, bald selbst in die Werkstatt einzusteigen.

Dazu gehörte die 20-jährige Nejat Endris, die in Addis Abeba als Kindermädchen ihr Glück versuchte und doch nur Ausbeutung erfuhr. Jetzt bietet sie zweimal in der Woche die Teppiche und Schalen auf dem Markt an. An jedem verkauften Exemplar verdient Nejat zwar nur wenige Cent, aber so zeigt sie ihr Interesse an der Arbeit und den Willen, hart zu arbeiten.

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“Wann immer ich Zeit habe, gucke ich auch beim Weben und Spinnen zu oder probiere es selbst schon einmal aus”, erzählt sie. Die Teppichproduzentinnen sind Nejats große Vorbilder: “Viele der Frauen saßen vorher nur zu Hause, hatten keine Aufgaben und waren von ihrem Mann abhängig. Heute verdienen sie ihr eigenes Einkommen. Das möchte ich auch erreichen.”

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Töpferkurse für Frauen in Mahidere Selam

Schwerpunkt: Einkommen
Projektgebiet: Wogdi
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Nach traditionellem Verständnis haben Frauen in Äthiopien viele Pflichten und wenige Rechte. Sie sollen Kinder gebären und sich um ihre Erziehung kümmern. Ihre Aufgabe ist es, den Haushalt zu führen, Essen zuzubereiten und bei Bedarf auf dem Feld mitzuhelfen. Zudem müssen sie lange Fußmärsche für Wasser und Brennholz auf sich nehmen.

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Ein eigenes Einkommen haben diese Hausfrauen nicht – und so geraten sie schnell in existenzielle Notlagen, wenn sie, etwa durch eine Scheidung oder den Tod des Ehemannes, gezwungen sind, sich und ihre Kinder allein zu ernähren.

So ging es Fatuma Wale aus dem Dorf Mahidere Selam in der Projektregion Wogdi. Die 35-Jährige hat sich von ihrem Mann getrennt, seither lebt sie mit ihrer 16-jährigen Tochter Marem allein. “Nach der Scheidung haben wir unser Land aufgeteilt”, sagt Fatuma. Sie erhielt einen Viertel Hektar Acker, der nur etwa 50 Kilo Teff (Zwerghirse) im Jahr abwirft. “Wir hatten nie genug zu essen und mussten ständig Verwandte und Nachbarn um Hilfe bitten.”

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Fatuma Wale absolvierte einen Töpferkurs.

Also fing Fatuma an, Töpferwaren zu fertigen. “Das hat aber lange gedauert, weil ich keine Töpferscheibe hatte. Zudem waren die Stücke zerbrechlich, weil sie nicht gebrannt wurden.” Für eine Schüssel zahlten Kunden ihr auf dem Markt nur 10 Birr, rund 40 Eurocent. Ein weiteres Problem war, dass Fatuma den neuen Nebenjob mit dem Verlust ihres Ansehens bezahlte.

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In einigen ländlichen Regionen Äthiopiens ist nämlich ein alter Aberglaube noch immer verbreitet: Handwerkern wie Schmieden und Webern, aber auch Töpfern wird der “böse Blick” nachgesagt. Sie gelten als verflucht und werden ausgegrenzt. “Auf der Straße wenden sich manche Leute ab”, sagt Fatuma. “Aber was sollte ich denn tun? Zuletzt hatte ich auch noch eine Ernte verloren. Das Töpfern war, auch wenn es nicht viel einbrachte, meine letzte Rettung.”

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Ziele

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Menschen für Menschen hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen der Frauen zu verbessern und ihre soziale Stellung zu stärken. Starthilfen für den Aufbau einer wirtschaftlich tragfähigen Existenz sind besonders gut geeignet, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen.

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  Mulu Assefa ist eine von zehn Frauen, die sich mit dem Kleinkredit von Menschen für Menschen erfolgreich selbständig gemacht haben. Zu ihren Produkten gehören unter anderem Kaffeeöfen, Vasen und Schüsseln.
Mulu Assefa ist eine von zehn Frauen, die sich mit dem Kleinkredit von Menschen für Menschen erfolgreich selbständig gemacht haben. Zu ihren Produkten gehören unter anderem Kaffeeöfen, Vasen und Schüsseln.
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Maßnahmen

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Fatuma Wale ist eine von zehn Frauen aus Mahidere Selam und Umgebung, die an einem Töpferkurs teilnehmen, den Menschen für Menschen speziell für Frauen anbietet, die ein eigenes Einkommen benötigen, um sich und ihre Kinder zu ernähren. Zwei Monate lang lernen die Frauen, wie man hochwertige Töpferwaren produziert.

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Töpferkurs in einem von Menschen für Menschen gemieteten Haus.

Gemeinsam suchen sie die besten Tonsteine der Gegend, schleppen sie in ihre Werkstatt und mahlen sie dort zu feinem Pulver, das sie zu einer weichen Masse anrühren. Anschließend formen sie mithilfe von Töpferscheiben Vasen, Schüsseln oder Kannen, brennen ihre Werke und verzieren sie mit Pinsel und Farbe.

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Ergebnisse

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Jeden Samstag stehen die Frauen jetzt auf dem Markt von Mahidere Selam und bieten ihre Waren an. “Man sieht unseren Töpfereien an, dass sie von hoher Qualität sind”, sagt Fatuma Wale. 30 Birr, rund 1,20 Euro, zahlen Kunden ihnen für eine Kanne.

“Und noch etwas hat sich verändert: Seit die Frauen aus dem Töpferkurs gemeinsam auf den Markt gehen, um dort ihre Produkte anzubieten, haben die Anfeindungen abgenommen.”

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Ausbilderin Endadele Azene in ihrem Metier.

Vielleicht ist es die Qualität der Waren, die ihnen Respekt einbringt, vielleicht auch ihr selbstbewusstes Auftreten: Fatuma Wale ist sich jedenfalls sicher: “Unsere gute Arbeit und unser Erfolg beweist, dass wir keine schlechten Menschen sind.”

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Eingesetzte Finanzmittel

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Die Ausgaben für einen achtwöchigen Töpferkurs liegen in Wogdi bei rund 217 Euro pro Teilnehmerin. Darin enthalten sind Tagesspesen, Kosten für die Lehrkraft, Trainingsmaterial und ein Zuschuss von 50 Prozent zu einer eigenen Töpferscheibe. 2015 nahmen in Wogdi zehn Frauen an Töpferkursen teil, die Kosten beliefen sich insgesamt auf 2.172 Euro.

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“Als junge Frau habe ich einen Töpferkurs von Menschen für Menschen besucht. Heute bin ich Töpferin und bilde andere Frauen für dieses Handwerk aus. Ich weiß, dass man mit diesem Beruf das Gerede vom “bösen Blick“ schwer los wird. Aber mit der verbesserten Qualität unserer Waren steigt auch unser Ansehen.“ sagt die 40-jährige Endadelegn Azene, Töpfertrainerin aus Merhabete.
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Milch macht stark

Schwerpunkt: Einkommen
Projektgebiet: Borecha
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Viele Initiativen der Äthiopienhilfe zielen darauf ab, die Frauen ökonomisch zu stärken: Im Dorf Beleti regte Menschen für Menschen vor vier Jahren eine Milchgenossenschaft an. Mittlerweile betreiben die Mitglieder ihre Kooperative ganz ohne Unterstützung von außen.

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In Beleti im Projektgebiet Borecha versammeln sich in einer Rundhütte jeden Tag Frauen, die beim Reden selbstbewusst die Fäuste in die Hüften stemmen und mit offenem Blick diskutieren. Ob sich in ihrem Leben etwas verändert hat, seit sie sich zu einer Milchgenossenschaft zusammengeschlossen haben? “Und ob!”, sagt Alea Aburamau und lacht: “Allein, wenn ich früher eine Handvoll Kaffeebohnen kaufen wollte, musste ich immer meinen Mann um Geld fragen – das ist zum Glück vorbei. Jetzt entscheiden wir gemeinsam, für was wir Geld ausgeben, und manchmal entscheide ich auch einfach alleine.” 300 Birr verdient jede der drei Dutzend Frauen durchschnittlich durch den Milchverkauf an die Kooperative im Monat – umgerechnet 13 Euro. Eine beträchtliche Summe, wenn man weiß, dass ein lokaler Arbeiter für diese Summe acht lange Tage arbeiten muss.

In ausgehöhlten Flaschenkürbissen liefern die Frauen die Milch in den Tukul der Kooperative, eine der traditionellen Rundhütten mit Grasdach. Während Privatleuten ein Wellblechdach als Statussymbol gilt, verzichtet die Kooperative lieber darauf: “Unter dem Grasdach ist es kühler, die Milch hält länger”, erklärt Mitglied Fatuma Halischo, die entspannt im Türrahmen lehnt: In Beleti gibt es keinen Strom, also auch keine Kühlschränke.

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Echte Selbstentwicklung

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Durch die Genossenschaft haben die Frauen immer einen Abnehmer und stabile Preise. Sämtliche Milch wird lokal verkauft, die Nachfrage ist in der Trockenzeit am größten, wenn die Kühe kaum Milch geben. Während in der industrialisierten Landwirtschaft Europas die mit Kraftfutter versorgten Hochleistungskühe bis zu 50 Liter Milch am Tag geben, sinkt die Leistung der Kühe in Äthiopien teils auf einen Liter pro Tag.

Traditionell treiben die Bauern ihre Tiere zur Weide auf karges Brachland, wo sie sich ihr Futter mühsam selber suchen müssen, und dabei viele Kalorien verbrennen. Deshalb versucht Menschen für Menschen in seinen Projektgebieten, die Viehhaltung mit zumindest zeitweiliger Stallhaltung, der Einführung neuer Futterpflanzen und der Einkreuzung europäischer Hochleistungsrassen effizienter zu machen. Die Genossenschaft in Beleti wurde vor vier Jahren auf Initiative von Menschen für Menschen gegründet. Die Äthiopienhilfe unterrichtete die Frauen in Buchhaltung und stattete sie mit Geräten aus, etwa Metallkannen zur Aufbewahrung der Milch – mehr brauchte es nicht, um eine nachhaltige Hilfe zur Selbstentwicklung in Gang zu setzen.

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Handel bringt Wandel

Schwerpunkt: Einkommen
Projektgebiet: Borecha
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Im Projektgebiet Borecha hat Menschen für Menschen ein umfangreiches Kleinkredit-Programm gestartet. 1.500 Frauen sollen in den Grundlagen des kaufmännischen Handelns unterrichtet werden und Kleinkredite von zunächst 4.000 Birr (etwa 175 Euro) erhalten. Dieses Geld sollen sie gewinnbringend in ein Geschäft investieren. “Die Menschen in Borecha leben weit verstreut in Weilern und einzelnen Gehöften”, erklärt Wondemu Weldemeskel, Mikrofinanz-Experte der Äthiopienhilfe. “Die Einkommensmöglichkeiten der Frauen beschränken sich auf Landwirtschaft und Kleinhandel.” Viele Kreditnehmerinnen kaufen Schafe oder Ziegen, mästen die Tiere und veräußern sie wieder. Mit dem erzielten Verdienst kaufen sie dann junge Rinder, deren Mast noch gewinnbringender ist. Andere Frauen steigen auf den lokalen Märkten in den Kleinhandel mit Getreide und Kaffeebohnen ein.

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Kleinkredite sind für Menschen für Menschen ein wichtiges Instrument, die soziale und ökonomische Position der Frauen zu verbessern: “Damit können sie ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen”, erklärt Wondemu Weldemeskel. “Die wirtschaftliche Unabhängigkeit stärkt das Selbstvertrauen der Bäuerinnen und ihre Stellung in der Familie und der dörflichen Gesellschaft.” Im ganzen Land haben bislang mehr als 18.000 Frauen dank eines Kleinkredits der Äthiopienhilfe die Chance erhalten, zum kargen Einkommen ihrer Familien beizutragen.

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“Ich werde Kaffee und Getreide aus meinem Dorf in die Stadt Yanfa bringen und dort mit gutem Gewinn verkaufen.”
Olia Siratsch, 32, Mutter von vier Kindern aus dem Dorf Dello

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“Ich werde ein Kalb kaufen. Nach einem halben Jahr kann ich es für das Doppelte des Einkaufspreises veräußern.”
Kamaru Ebe, 30, Mutter von vier Kindern aus dem Dorf Gute

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Ein schlaues Geschäftsmodell

Schwerpunkt: Einkommen
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Talent und Fleiß reichen in Äthiopien häufig nicht aus, um es zu etwas zu bringen. Es fehlt den Menschen schlicht an einer finanziellen Starthilfe. Auch für Bizuwork Gulilat brachten erst die von Menschen für Menschen initiierten Kleinkredite das Entkommen aus der Armut.
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Wie sich Bizuwork Gulilat auch nach der Decke streckte, sie kam aus dem Elend nicht heraus. Um die Familie zu versorgen, sammelte sie Holz, schleppte Wasser ins Haus, besorgte Gerste und Hopfen auf dem Markt und stand tagelang am offenen Feuer ihrer rußgeschwärzten Hütte, um Tella zu brauen, das lokale Bier. Die Gäste kamen gern in ihre kleine Schenke. Trotzdem ging es der Familie mit den vier Kindern schlecht. “Wir lebten von der Hand in den Mund”, erzählt die Wirtin. Ihr Mann hat nur ein kleines Stück Land, um darauf Hirse anzubauen. “Wir waren so arm, dass ich den Gewinn aus dem Ausschank nie sparen konnte, sondern immer gleich für Lebensmittel ausgeben musste.” Den Hopfen und die Gerste für neues Bier konnte Bizuwork Gulilat dann immer wieder nur auf Kredit kaufen. Doch die privaten Geldverleiher verlangen einen horrenden Zins von zehn bis fünfzehn Prozent –nicht pro Jahr, sondern pro Woche!

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Ein beachtlicher Aufstieg

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“So ging das bis vor sieben Jahren”, erzählt die 49-Jährige in ihrer Schenke in der Kleinstadt Alem Katema. “Zum Glück ist das vorbei.” Heute flimmert im Gastraum ein Fernsehgerät, vor dem Haus hat Bizuwork den seltenen Komfort eines eigenen Wasseranschlusses, und im Haus gibt es sogar ein Telefon.

Der beachtliche Aufstieg ist ihrem Fleiß geschuldet und einer finanziellen Starthilfe. Überall in den Projektgebieten organisiert die Äthiopienhilfe Frauengruppen und stattet sie mit einem Grundkapital aus. Dieses wird als Kleinkredit an die Gruppenmitglieder ausgegeben. In einer dieser Gruppen erhielt Bizuwork einen Kredit über umgerechnet 60 Euro. Damit kaufte sie neben neuen Rohstoffen für Bier und Arake, dem lokalen Branntwein, auch zwei Schafe: ein schlaues Geschäftsmodell. Endlich war sie den Wucherern entkommen und die Maische aus der Getränkeproduktion war nun kein Abfall mehr, sondern wertvolles Tierfutter.

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Die Milch macht´s

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Bizuwork Gulilat hat heute Schafe und eine Milchkuh und braut Bier und Schnaps, den sie in ihrer kleinen Schenke den Gästen kredenzt.

Nach zwei Jahren hatte sie den Kredit zurückbezahlt und damit Anrecht auf einen neuen, höheren Kredit: Mit den nun erhaltenen 220 Euro kaufte sie eine Kuh. Als diese ein Kalb bekam, wurde Milch ihre Haupteinnahmequelle neben dem Verkauf von Bier, Branntwein und Schafen – mittlerweile hat sie eine Herde von zehn Tieren. Milch erzielt relativ hohe Preise von 65 Eurocent pro Liter und ist damit drei Mal so teuer wie das Eigengebräu.

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Mit diesen Erlösen zahlte die Geschäftsfrau den Kredit zurück und leistete sich Verbesserungen am Haus. “Ja, ich bin stolz. Aber viel, viel wichtiger als TV und Telefon ist, dass ich durch meinen Geschäftserfolg meinen Kindern nun den Schul- und sogar den Universitätsbesuch ermöglichen kann”, freut sich Bizuwork. “Sie bekommen einen guten Start ins Leben”

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Naymas Plan

Schwerpunkt: Einkommen
Projektgebiet: Babile
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Fatuma Ali ist stolz auf ihre Tochter Nayma. Sie ist die erste ausgebildete Englischlehrerin im Dorf Kito im Projektgebiet Babile. Seit September unterrichtet sie an der Schule der gleichnamigen Kleinstadt die Grundschüler in Englisch und Sachkunde. Fatuma und ihr Mann Hassan haben vier Kinder und leben von der Landwirtschaft.

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Mithilfe der landwirtschaftlichen Berater von Menschen für Menschen erzielt die Familie heute gute Erträge aus ihrem Getreide- und Gemüseanbau. Durch einen Kleinkredit der Äthiopienhilfe erwirtschaftet Fatuma durch Viehzucht und Erdnusshandel ein zusätzliches Einkommen. So konnte sie all ihren Kindern eine gute Schulbildung ermöglichen. Vor kurzem hielt ein reicher Bauer um die Hand der hübschen Nayma an und bot als Gegenleistung an, das Feld der Familie mit seinem Traktor zu pflügen.

Die Eltern überließen Nayma die Entscheidung. Doch die kann sich eine frühe Heirat gar nicht vorstellen: “Ich habe einen Plan.” sagt sie selbstbewusst und erzählt, dass sie bald ihren Traumberuf erlernen wolle und deshalb einen Teil ihres derzeitigen Gehalts für eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester spare. Heiraten möchte sie erst später und von ihrem Zukünftigen hat sie eine genaue Vorstellung: “Er muss meinen Wunsch auf Bildung respektieren.”

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Nayma ist die erste ausgebildete Englischlehrerin in Kito
Nayma ist die erste ausgebildete Englischlehrerin in Kito
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Schutz für die Schwachen

Schwerpunkt: Einkommen
Projekt: Abdii Borii Kinderheim
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Mit wachen Augen blickt die kleine Hanna Wakgira in die Welt. In eine Welt, die sie fast nie kennengelernt hätte. Hannas Vater verließ die Mutter noch vor ihrer Geburt. Ihre Mutter ist bettelarm und psychisch labil. Nachbarn sagen, sie werde von Wutanfällen heimgesucht und könne sich dann kaum kontrollieren. Bereits vor der Geburt habe sie angekündigt, das Kind töten zu wollen.

Die Polizisten, die die Nachbarn kurz nach der Geburt riefen, fanden die Mutter und ihr Neugeborenes blutverschmiert und verwahrlost vor. Sie nahmen Hanna mit und brachten sie ins Mettu-Karl-Hospital in der westäthiopischen Stadt Mettu, in der auch das “Abdii Borii Childrens’ Home”, das 1996 gegründete Kinderheim der Stiftung, steht. Einen Tag später wurde Hanna dort aufgenommen.

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Das war im Dezember 2016. Heute ist die kleine Hanna eines der jüngsten Kinder in Abdii Borii. Hier wird sie Liebe und Geborgenheit finden, um zu einer selbstbewussten jungen Frau heranzuwachsen.

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Die Erzieherinnen im Abdii Borii kümmern sich liebevoll um ihre Schützlinge.

Wenn sie mit 17 oder 18 Jahren die Schule beendet, wird die Stiftung ihr die Ausbildung oder das Studium finanzieren können – damit Hanna Wakgira ihren Platz in der Welt findet, in die sie mit diesem neugierigen Blick gestartet ist.

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Bessere Lebensbedingungen

Schwerpunkt: Einkommen
Projektgebiet: Borena
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Menschen für Menschen setzt sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der weiblichen Bevölkerung in Äthiopien ein. Allein im Jahr 2016 besuchten 6.750 Frauen hauswirtschaftliche und handwerkliche Trainings. 1.792 Frauen nahmen Mikrokredite in Anspruch.

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“Wer sich, wie wir, in Äthiopien für Frauen einsetzt, bricht mit uralten Traditionen. Damit machen wir uns nicht nur Freunde. Viele Männer möchten zum Beispiel nicht, dass ihre Frauen auch etwas verdienen, dass sie selbstständig – und selbstbewusst werden. Einmal erhielt eine Frau einen Mikrokredit, von dem sie sich ein Schaf kaufen konnte – mit dem Verkauf von Milch und Wolle wollte sie ein wenig Geld verdienen. Als ihr Mann davon erfuhr, forderte er sie auf, das Tier wieder zu verkaufen.

Doch die Frau wehrte sich. Sie zog mit dem Tier zu Verwandten. Anschließend haben wir in Gesprächen zwischen den Ehepartnern vermittelt. Am Ende willigte der Mann zähneknirschend ein. Doch es sind nicht nur Männer, auch manche Frauen stemmen sich gegen Veränderungen. Wenn wir zum Beispiel Zement-Öfen verteilen, die weniger Holz verbrauchen und kaum Rauch produzieren, nutzen einige Frauen diese gar nicht, sondern halten lieber am Althergebrachten fest. Oft schaffen wir es aber, sie zu überzeugen.

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Wenn ich Rückschläge erlebe, denke ich immer an meine Mutter. Sie hat meine drei Geschwister und mich ganz allein großgezogen, nachdem unser Vater sie verlassen hatte. Um uns zu ernähren, hat sie ein kleines Stück Land bewirtschaftet und “Tella”, hausgemachtes Bier verkauft. Davon konnte sie uns gerade so ernähren. Ich glaube, von ihr habe ich gelernt, nicht aufzugeben, auch wenn die Aufgabe noch so riesig erscheint.”

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ASEGEDECH SIMEGN (48) ist seit 17 Jahren als Sozialarbeiterin bei Menschen für Menschen im Projektgebiet Borena tätig.

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Auf eigenen Beinen stehen

Schwerpunkt: Einkommen
Projekt: Abdii Borii Kinderheim
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Im Abdii-Borii-Kinderheim von Menschen für Menschen wachsen Waisen in behüteten Verhältnissen auf. Die Äthiopienhilfe unterstützt sie auch bei ihrer Berufsausbildung, damit sie ein eigenständiges Leben führen können.

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Tritt man durch das Tor des Heims, ist man an einem Ort des Friedens. Eine Allee von Magnolien führt zu den Häusern, man sieht Blumen und Gemüsebeete. Und überall spielen, schwatzen und lachen Grüppchen von Kindern. Im Abdii-Borii-Kinderheim in der Kleinstadt Mettu leben 77 Jungen und 77 Mädchen aller Altersstufen. Manche haben schlimme Erinnerungen an durch extreme Armut zerrüttete Familien, an das Leiden und den Tod von Vätern und Müttern, die oft nach langer Krankheit starben. Die meisten Waisen können sich aber nicht an ihre Eltern erinnern, sie kamen bereits als Babys oder Kleinkinder in das Heim von Menschen für Menschen. Sie wohnen in familienähnlichen Gruppen zusammen, die von Hausmüttern geleitet werden. Fragt man die Kinder und Jugendlichen, was sie am meisten schätzen an ihrem Zuhause, erhält man immer wieder die gleichen Antworten: Gemeinschaft, Geborgenheit – und die Möglichkeit zu lernen. Und wie alle Teenager träumen sie von der Zukunft.

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Die Konkurrenz ist groß

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Doch welche Zukunft ist realistisch? Mit 18 sollen sie das Heim verlassen und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, damit neue Waisen aufgenommen werden können. Die Wirtschaft Äthiopiens verfügt nur über wenige Unternehmen. Es herrscht große Konkurrenz um die Ausbildungs- und Arbeitsplätze für die starken jungen Jahrgänge. “Abdii Borii” heißt zu Deutsch “Hoffnung auf morgen”.

Lässt sich dieses Versprechen in einem der ärmsten Länder der Welt erfüllen? Jomo, ein Vorort von Addis Abeba, zwölf Autostunden vom Heim entfernt: Wie überall rund um die Hauptstadt sind hier drei- und vier stöckige Apartmenthäuser aus dem Boden geschossen. Über die Schotterstraßen zwischen den Neubauten trotten Kühe auf der Suche nach Küchenabfällen. Im ersten Stock eines der neuen Häuser hat ein Restaurant eröffnet, das “Isaak”. Am Herd wirbelt Ayantu Jemal. Vor über einem Jahr hat die 18-Jährige das Abdii Borii-Heim verlassen.

Die Äthiopienhilfe hatte ihr eine Ausbildungsmöglichkeit in der Hauptstadt verschafft: Ein Jahr lang machte sie am “Catholic Archdiocese Women’s Promotion Centre” eine Ausbildung zur Köchin. Nach erfolgreichem Abschluss trat sie vor zwei Monaten ihre erste Stelle im “Isaak” an. Jeden Tag kocht sie für rund 30 Gäste. Besonders bei ihrem Doro Wot, scharf gekochtem Hühnchen, schnalzen die Esser mit der Zunge. “Ich mag die Arbeit sehr”, sagt die junge Frau. “Ich bekomme Trinkgeld und viel Lob von den Gästen: Deshalb macht mir die Arbeit Spaß.”

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Wechselbad der Gefühle

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Etaferahu Abera möchte Tradition und Moderne miteinander kombinieren, um Neues zu schaffen… Dafür absolviert die 20-Jährige eine Ausbildung zur Schneiderin und Textildesignerin

Wichtig für den Erfolg ist wohl, dass die Kinder bereits im Abdii Borii-Heim lernen, Verantwortung zu übernehmen. Mithilfe ist selbst verständlich. Auch Grundschulkinder machen die Betten selbst und putzen ihre Zimmer. Die Älteren arbeiten im Gemüsegarten. Für die Kleineren sorgen sie wie große Geschwister. Aus dem Abdii Borii-Heim wegzugehen, ist wohl für alle Kinder ein Wechselbad der Gefühle.

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“Einerseits hatte ich Angst. Andererseits war ich aufgeregt und voller Erwartung auf die Welt”, sagt Etaferahu Abera. Sie ist eine der derzeit 23 ehemaligen Abdii Borii-Kindern, die gerade eine Ausbildung an staatlichen oder privaten Berufsschulen durchlaufen. 14 weitere stu dieren an verschiedenen Universitäten des Landes. Etaferahu macht an der gleichen Einrichtung, an der Ayantu Köchin lernte, eine Ausbildung zur Schneiderin und Textildesignerin. Menschen für Menschen trägt die Kosten der Ausbildung und bezahlt der 20-Jährigen eine monatliche Unterstützung für Essen und Miete.

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Etaferahu hat eigens für ihren Abschlussball ein Kleid designt.

Zur Abschlussfeier von Ayantus Jahrgang hat Etaferahu Kleider entworfen und geschneidert. Sie interpretierte die seit alters her verwendete Festtracht aus ungefärbter Baumwolle neu: Mit Hilfe von eingearbeiteten Drähten wurden daraus elegante Kleider. “Meine Inspiration bekomme ich, wenn ich ausländische Sender im Satelliten-TV sehe”, erzählt Etaferahu.

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“Immer versuche ich, traditionelles Design und westliche Styles zu kombinieren, so dass etwas Neues entsteht.” Irgendwann möchte sie mit dieser Kombination “auch international erfolgreich sein”. Eta ferahus Kreationen auf den Laufstegen in Europa? “Vielleicht klappt es, vielleicht nicht”, sagt Etaferahu. Auf jeden Fall wolle sie eine eigene Werkstatt in Addis Abeba aufmachen: “Dann kann ich auf eigenen Beinen stehen und auch anderen jungen Schneiderinnen und Designerinnen mit einem Arbeitsplatz helfen.”

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Maßgeschneiderte Entwicklung

Schwerpunkt: Einkommen
Projektgebiet: Borena
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Frauen ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung gehören in Äthiopien häufig zu den Ärmsten der Armen. Menschen für Menschen hilft ihnen, eine Existenz aufzubauen. Im Dorf Billy konnten sich drei Mütter als Schneiderinnen selbständig machen.

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Schneiderin Mestaet Tegegne, 32 Jahre alt.

Mestaet Tegegne ist erst Mitte dreißig, doch ihre Töchter werden bereits erwachsen: Teseta ist 18, Muluset 16. Sohn Asaino ist acht Jahre alt, er wurde kurz nach dem Tod ihres Mannes geboren. “Mein Mann starb an Tuberkulose”, sagt die Witwe aus dem Dorf Billy im Projektgebiet Borena.

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Tuberkulose tritt häufig als Begleiterkrankung einer HIV-Infektion auf. Auch Mestaet ist HIV-positiv und deshalb häufig geschwächt. “Früher war es fürchterlich”, erzählt sie. Entweder sie lag krank in der Hütte oder sie versuchte verzweifelt, einen Job als Tagelöhnerin auf dem Bau zu bekommen. Dort schleppte sie Wasser für die Mörtel- und Betonherstellung für einen Hungerlohn: “Manchmal hatte ich das Gefühl wahnsinnig zu werden vor Sorge, den Kindern etwas zum Essen zu beschaffen.”

Die Ausbildung von Menschen für Menschen wurde für die Witwe zum Rettungsanker. Zusammen mit Almaz Getachew, 20, und Leke Demeke, 19, lernte sie drei Monate lang das Schneidern. Der Lehrer wurde von der Äthiopienhilfe bezahlt. Darüber hinaus erhielten die Frauen eine finanzielle Unterstützung, mit der sie in der Ausbildungszeit ihre Kinder versorgen und gleichzeitig eine Nähmaschine kaufen konnten – mit Fußantrieb, denn in ihrem Dorf gibt es keinen Strom.

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Mestaet Tegegne mit ihren Kolleginnen.

Seither stehen sie jeden Samstag mit einem Stand auf dem Markt und verkaufen ihre geschneiderten Röcke, Hosen und Jacken. Weil sie wenig Geld haben, können sie nur wenig Stoff kaufen und auf Vorrat produzieren. Meist bringen die Kunden den Stoff mit, die Schneiderinnen nehmen die Maße und am nächsten Markttag holt der Kunde seine Kleidung ab.

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Drei Aufträge pro Tag

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Am Anfang sei es nicht leicht gewesen, Kunden zu bekommen, erzählen sie. Aber zum Glück stand das neue Schuljahr bevor, und viele Kinder in der Gegend brauchten neue Uniformen. “So begann der Umsatz langsam zu wachsen.” Im Schnitt hätten sie etwa drei Aufträge pro Tag und erzielten im Monat ein Einkommen von 1.500 Birr, umgerechnet rund 60 Euro. “Ein toller Verdienst!”, sagt Mestaet. “Jetzt haben wir genug zu essen, ich kann meine Schulden zurückzahlen, und sogar eine kleine Summe sparen.”

Doch es mangelt ihnen nicht nur an Kraft. Mais füllt den Magen, aber er liefert nicht alle Vitamine und Spurenelemente. “Als ich schwanger war, bin ich zur Gesundheitsstation, weil ich so schwach war”, erzählt Workenesch. “Sie sagten, ich litte unter Blutarmut.” Eine Folge von Eisenmangel – für Frauen in Äthiopien, die viele Kinder bekommen und keine abwechslungsreiche Kost zu sich nehmen, ist das eine alltägliche Diagnose. Zwar nimmt Workenesch nun Eisentabletten. “Aber immer noch fühle ich mich häufig schwindelig”, erzählt die Bäuerin, “alles dreht sich um mich herum.”

Nun habe sie auch wieder Kraft für ihr ehrenamtliches Engagement:

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In einer Anti AIDS Kampagne klären die Projektmitarbeiter auf.

Im Anti-AIDS-Programm von Menschen für Menschen wirkt sie als Aktivistin, erzählt in Frauengruppen von ihrer Infektion, klärt darüber auf, wie sie vermeidbar ist und wie man die Medikamente bekommt, die das Virus in Schach halten. “Ich bin ein Opfer des Unwissens geworden”, sagt Mestaet. “Jetzt kämpfe ich dafür, dass anderen das gleiche Schicksal erspart bleibt.”

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Die Stiftung Menschen für Menschen - Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe ist eine öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie wird beim Finanzamt München unter der Steuernummer 143/235/72144 geführt und wurde zuletzt mit Bescheid vom 11. Juni 2018 wegen Förderung steuerbegünstigter Zwecke von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit und somit als gemeinnützige Organisation anerkannt.