Die mutigen Frauen von Wore Illu
Abgeschlossenes Projektgebiet Wore Illu (2014 - 2023)
Sparen für eine Mühle
Den Großteil aber zahlen sie auf ein Konto ein. „Wir sparen für eine Getreidemühle“, sagt Assalef. 6.000 Birr, rund 260 Euro, haben sie schon zusammen. Die Mühle kostet 35.000 Birr, um gerechnet 1.500 Euro. „In fünf, spätestens in sechs Jahren haben wir es geschafft“, rechnet sie vor. Wenn der Plan aufgeht, werden aus den Töpferinnen dann Müllerinnen.
„Das würde das Leben in unserem Dorf entscheidend verbessern“, sagt Assalef. Das Dorf Degnu liegt in der zentral-äthiopischen Provinz Wore Illu, die seit 2011 Projektgebiet von Menschen für Menschen ist. Nach einer dreijährigen Projektphase, die sich auf den Ausbau von Schulen, Gesundheitszentren und Wasserstellen konzentrierte, hat die Stiftung ihre Arbeit 2014 erweitert. Seither fördert sie nachhaltige Landwirtschaftsprojekte und baut zusätzlich Schulangebote und die medizinische Versorgung in der Region aus. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Stärkung der Frauen in der Gesellschaft. In Wore Illu hat Menschen für Menschen ein Projekt aufgesetzt, das Frauen in handwerklichen Berufen wie Töpfern, Schneidern oder Ofenbau schult. Im Anschluss erhalten sie Unterstützung beim Aufbau von Kleingewerben und Kooperativen.
Letzte Option: Auswandern
Vor allem zeitaufwändige Tätigkeiten wie Wasser holen oder Feuerholz sammeln übernehmen vor allem die Frauen. Die Folge dieser Arbeitsteilung ist eine tief verwurzelte Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern. Zugleich bleiben die Familien arm, weil das Land vieler Kleinbauern gerade genug zum Überleben abwirft. Bricht eine Ernte weg, gibt es oft nur eine Lösung für die Familie:
Die Frau muss Geld im Ausland verdienen. Vor allem in den Staaten der arabischen Halbinsel werden billige Arbeitskräfte gesucht. Hier finden viele Äthiopierinnen Jobs als Kindermädchen oder Haushälterinnen und unterstützen ihre Familien zu Hause finanziell. Der Preis für ihren Einsatz ist hoch: Mütter, die ins Exil gehen, sehen ihre Familien oft über Jahre nicht. Hinzu kommt, dass sie in der Fremde oft schwer diskriminiert oder sogar ausgebeutet werden. Und dennoch stoßen Frauen, die in Äthiopien einen Beruf ergreifen wollen, erstmal auf Skepsis.
Von der Hausfrau zur Gründerin
Eine weitere Erfolgsgeschichte spielt direkt nebenan, in der Ofenwerkstatt von Misaye Arasaw, 36. „Bis vor einem Jahr war ich Hausfrau, Mutter und habe auf dem Feld mitgearbeitet. Aber wir haben fünf Kinder und das Geld hat nie gereicht“, sagt Misaye.
Der Ehemann ist überzeugt
Arbeit für das Wohl der Kinder
Eine eigene kleine Manufaktur: Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. „Ich sah keinen Ausweg aus unserer Not und wollte nach Saudi-Arabien gehen“, erzählt Missaye. „Es war mir egal, wie man mich dort behandeln würde. Ich wollte Geld verdienen, um meine Kinder zur Schule schicken zu können.“ Dass der Schlepper mit ihrem Geld verschwand, nennt sie heute einen Glücksfall. „Heute kann ich hier in Degnu Geld verdienen.“ Die älteste Tochter von Misaye besucht bereits eine weiterführende Schule. „Das sollen die anderen auch schaffen“, sagt sie. „Sie sollen es einmal besser haben.“