Äthiopische Frisuren: Flechtkunst mit festen Regeln
Land & Leute
Für diesen Schönheitssalon braucht es nur ein gemütliches Plätzchen im Schatten und grobe Mauersteine aus Zement. Sechs Frauen, die bei Menschen für Menschen im Projektgebiet Borena an einem Töpfertraining teilnehmen, haben sich nach Kursende unter ein paar jungen Bäumen niedergelassen. Drei sitzen im Gras, drei hinter ihnen auf den Mauersteinen. Bis zum Abendessen sind es noch ein paar Stunden. Zeit für einen Plausch – und für neue Zöpfe! Die alten sind schon ein wenig lose.
Mit geübten Griffen und großen Kämmen in grellen Farben arbeiten sich die drei “Friseurinnen” durch die Flechtfrisuren ihrer “Kundinnen”. Und wo eben noch kleine Zöpfe eng an der Kopfhaut lagen, entfaltet sich jetzt eine eindrucksvolle Haarpracht, bei den jüngeren tiefschwarz, bei den älteren ergraut. Als alle Zöpfe entwirrt sind und das Haar sorgfältig durchgekämmt ist, beginnt die eigentliche Arbeit: Die Zöpfe werden neu geflochten.
Äthiopische Frisuren folgen festen Regeln
“Unsere Großmütter trugen sie so – und deren Großmütter auch.” Wie man die festen Zöpfe fertigt, lerne jede Frau von ihrer Mutter, doch in den Dörfern gibt es stets einzelne Frauen, die anderen für ein wenig Geld die Haare machen. Für einfache Frisuren mit relativ dicken Zöpfen nehmen sie 5 Birr, also circa 17 Eurocent, für die komplizierten das Doppelte. Wenn die Zöpfe fertig sind, werden sie mit Öl bestrichen, damit sie glänzen und besser halten.
“Die Nachmittage, an denen wir unsere Zöpfe neu flechten lassen, haben aber noch einen Vorteil”, sagen die Frauen: “Sie sind neben der vielen Arbeit eine Möglichkeit, sich ein wenig zu entspannen – und für Gespräche unter uns Frauen.” Ein Schönheitssalon eben – mit Wellnessfaktor für die Seele.