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Sefeds: Äthiopische Handwerkskunst zur Hochzeit – und mehr

12
Jun 2020

Land & Leute

Das Herstellen von Sefeds hat in Äthiopien eine lange Tradition, es gibt sie in den verschiedensten Varianten und Formen. Die Flechterzeugnisse finden Verwendung bei der Getreideernte, in der Küche oder einfach als Dekoration. Zudem sind sie ein beliebtes Hochzeitsgeschenk.

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Habtam Tilahun lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nicht von den Schülern, die in kleinen Grüppchen an ihrem Haus vorbeiströmen, nicht von dem Lastwagen, der über die tiefen Schlaglöcher der Straße rattert und nicht von ihrem kleinen Sohn, der lachend eine gescheckte Katze über den Hof jagt. Die 23-Jährige blickt nur auf die Nadel in ihrer Hand. Sie fädelt einen blauen, dünnen Plastikstreifen in die Öse, umhüllt mit ihm wenig später Stich für Stich getrocknete Grashalme, näht sie Reihe für Reihe aneinander. So entsteht ein Sefed, eine Art großes Tablett. “Die Arbeit entspannt mich”, sagt Habtam. Wenn sie alle anderen Dinge im Haushalt erledigt hat, setzt sie sich auf einen Stein vor ihrem Haus und widmet sich dem Hobby.

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“Die Arbeit entspannt mich”, sagt Habtam – und lässt sich dabei nicht aus der Ruhe bringen (Fotos: Rainer Kwiotek)

Traditionell werden die Sefeds aus Süßgräsern hergestellt, auch heute sieht man diese Variante der großen Korbteller überall im ländlichen Äthiopien. Doch das Plastik, mit dem die Menschen sie zusätzlich verzieren, macht die Teller bunt und länger haltbar. Für die Grasbündel und den Plastiksack, den Habtam zu Streifen schneidet, hat sie auf dem Markt etwa 80 Cent bezahlt. Einen fertigen Sefed könnte sie dort für knapp sechs Euro anbieten. Doch die kleine Familie nutzt die meisten bisher für den eigenen Haushalt.

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Mütter geben Tradition an Töchter weiter

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Sefeds werden im äthiopischen Alltag als Worfel verwendet, mit dem die Menschen Getreide in die Luft schwingen, um die Körner von der Spreu zu trennen. Frauen heben mit ihnen die Injera-Fladen von den heißen Lehmkochplatten oder hängen sie als Dekoration an die Wände ihrer Hütten.

Das Herstellen der Sefeds hat eine lange Tradition: Mütter geben die Kunst an ihre Töchter weiter. Neben den Korbtellern fertigen die Frauen auch Schüsseln oder einen Mesob an. In dem hüfthohen, sanduhrförmigen Korb werden Haushaltsgegenstände verstaut oder er kann als Esstisch genutzt werden. Mesobs sind ein beliebtes Hochzeitsgeschenk. Die Familie der Braut übergibt sie der des Bräutigams.

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Herstellung dauert mehrere Monate

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Obwohl keine ihrer drei Töchter plant, in den nächsten Monaten zu heiraten, hat die 40-jährige Abiyot begonnen, an einem Mesob zu arbeiten. “Man weiß nie, wann es soweit ist und dann bin ich vorbereitet”, sagt sie und lacht. Noch ist sie am Anfang. Erst wenige Reihen aus grünem, gelbem und blauem Plastik wechseln sich ab. Bis sie fertig ist, wird es mehrere Monate dauern. Und dass, obwohl sie an manchen Tagen bis zu drei Stunden an ihrem neuen Kunstwerk feilt. Vor kurzem wäre das undenkbar gewesen.

Abiyot lebt in Makefta, einer Kleinstadt im Hochland, in der Menschen für Menschen 2019 ein Wasserversorgungssystem errichtet hat.

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Verbrachten sie und ihre Töchter zuvor viel Zeit für das Wasserholen, sind es heute nur wenige hundert Meter zur nächsten Wasserstelle. Auch ihr Mann Getachew übernimmt daher oft den Wasserdienst. “Endlich habe ich etwas Zeit für mich”, sagt Abiyot und greift zum nächsten bunten Faden.

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