Die tägliche Sorge ums Wasser
Gifare hatte bis zuletzt an ein Wunder geglaubt, gehofft, dass ihre Tochter den Kampf gegen die Krankheit gewinnen könne. Als die Fieberkrämpfe, das Erbrechen und der Durchfall immer schlimmer wurden, brachte sie Gitu zur Gesundheitsstation. “Sie haben alles getan”, sagt Gifare. Vergeblich. Am zehnten Tag ihrer Krankheit starb Gitu. Sie wurde sechs Jahre alt.
Schwere Epidemie im Jahr 2016
Die wenigen Mitarbeiter der Station waren mit der Masse der Patienten überfordert, also ließen die Behörden große Zelte errichten, in denen die Kranken behandelt werden konnten. Am Ende zählten die Behörden fast 1.000 Infizierte. Wie viele Menschenleben die Epidemie kostete, lässt sich schwer sagen: Nicht immer ist die Ursache so eindeutig wie bei der kleinen Gitu.
Langes Warten für ein paar Liter Wasser
Tödliche Keime im Wasser
Die Sorge um Trinkwasser gehört zum Alltag in Seyo. Wo man hinsieht: gelbe Kanister. Sie stehen vor den Hütten in der Sonne und warten auf ihren nächsten Einsatz. Gebeugt unter der Last der gefüllten Plastikgefäße marschieren Frauen und Kinder durch die staubigen Straßen. Einige Bewohner der Kleinstadt haben in dieser Mühsal eine Marktlücke entdeckt. Mosisa Kalbessa zum Beispiel. Bis zu 20-mal am Tag treibt er seinen Esel zur Wasserstelle, füllt zwei 20-Liter-Kanister und bringt das Wasser gegen einen kleinen Botenlohn zu seinen Auftraggebern. Der Esel heißt „Robi“, zu Deutsch: „Regen“.
Bürgermeister Sintayehu hat die offiziellen Stellen schon oft um Unterstützung beim Bau einer lokalen Wasserversorgung gebeten. „Man sagte mir immer, wir müssten noch warten. In anderen Städten sei die Not noch größer.“ Dabei hat sich die Lage in Seyo in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert: 2005 zählte die Stadt etwa 3.000 Einwohner. 2011, als Bürgermeister Sintayehu sein Amt antrat, waren es bereits 10.000. Seither sind nochmal 5.000 Menschen hinzugekommen.
Jeder dritte Äthiopier ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser
Bevölkerungswachstum und Landflucht stellen Äthiopien vor immer neue Herausforderungen. Viele Dörfer wachsen wie Seyo im Rekordtempo zu kleinen Städten heran. Um ihre Bewohner mit Wasser zu versorgen, ließen der Staat und Hilfsorganisationen wie Menschen für Menschen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Brunnen und Quellfassungen bauen. Doch noch immer lebt ein Drittel der Bevölkerung ohne sicheren Zugang zu Trinkwasser. Vor allem auf dem Land fehlt es an Wasserstellen.
In Seyo setzt Menschen für Menschen derzeit mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein lokales Versorgungssystem um. Wie dies nach der Fertigstellung aussehen wird, kann man schon heute in Lemi-Robite besichtigen. Die Ortschaft liegt rund 600 Kilometer nördlich von Addis Abeba in der Projektregion Wogdi im äthiopischen Hochland.
Bis vor Kurzem litt die Ortschaft, die in den vergangenen Jahren auf 6.000 Bewohner angeschwollen ist, ebenfalls unter Wassermangel. Die wenigen Wasserstellen wurden aus einem 30 Meter tiefen Brunnen versorgt, der ständig versiegte. In ihrer Not schöpften die Menschen Wasser im Fluss oder in Tümpeln. Immer wieder brachen Krankheiten aus.
Bevölkerungswachstum und Landflucht stellen Äthiopien vor immer neue Herausforderungen. Viele Dörfer wachsen wie Seyo im Rekordtempo zu kleinen Städten heran. Um ihre Bewohner mit Wasser zu versorgen, ließen der Staat und Hilfsorganisationen wie Menschen für Menschen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Brunnen und Quellfassungen bauen. Doch noch immer lebt ein Drittel der Bevölkerung ohne sicheren Zugang zu Trinkwasser. Vor allem auf dem Land fehlt es an Wasserstellen.
Wasser-Komitee kümmert sich um Instandhaltung
Sauberes Wasser für Seyo
In Seyo haben die Arbeiten vor Kurzem begonnen. Wenn sie beendet sind, werden Chaltu, Melaku und die anderen Kinder nicht mehr stundenlang um ein paar Liter Wasser anstehen müssen. Niemand wird mehr viele Kilometer zur nächsten Wasserstelle gehen, niemand mehr seinen Wasserkanister im Fluss füllen müssen.