Den Durst löschen, die Ernährung sichern
Abgeschlossenes Projektgebiet Borena (2011 - 2023)
Doch früher gab es auch andere Tage: Wenischet lag in der Hütte, abgemagert und matt. Das schmutzige Wasser, das sie trank, hatte sie krank gemacht. Zwar gab es eine Quelle, die sauberes Wasser spendete, aber sie lag über eine Stunde Fußweg entfernt vom Dorf. Es war eine große Strapaze für die Frauen, die traditionell für das Wasserholen zuständig sind, die 20-Liter-Kanister so weit zu schleppen.
Deshalb und aus Unwissen schöpften sie das tägliche Nass meist aus zwei Quellen im Dorf, die als Rinnsale an einem sanft abfallenden Hang aus der Erde traten. Doch weil so viele Menschen und Tiere kamen, um ihren Durst zu stillen, war die Umgebung morastig, das in Pfützen aufgestaute Wasser verdreckt. Vor allem die Kinder, die den Bakterien die geringsten Widerstandskräfte entgegenbringen konnten, bekamen Durchfall. Wenn die Kinder mangelernährt sind oder bereits durch weitere Krankheiten geschwächt, werden diese leicht lebensbedrohlich: In Äthiopien sind Durchfallerkrankungen die häufigste Todesursache für Kinder unter fünf Jahren*. (*Quelle: www.who.int/whosis/whostat/EN_WHS10_Full.pdf)
„Seit wir sauberes Wasser haben, kann ich besser arbeiten, weil mich keine Magenbeschwerden mehr schwächen. Und vor allem ist meine Tochter viel seltener krank.“ – Itataku Wale
Itataku musste die Sorge um das Leben ihres Töchterchens allein ertragen. Abeno Dessalo, ihr Ehemann, war in die Fremde gegangen, weil ihr kleines Feld, auf dem er Weizen anbaute, nicht zum Überleben reichte. Oben in Gondar, im Norden unweit der sudanesischen Grenze, hatte er sich zum Unkrautjäten in den Sesam-Feldern eines Agrar-Unternehmers verdingt. Die Verpflegung war schlecht, jeden Tag gab es nur Getreide-Brei und Brot. Er bekam einen Tagelohn von lediglich zweieinhalb Euro – und Malaria obendrein. „Einige Kollegen starben an der Krankheit, geschwächt, wie sie waren. Aber ich überlebte und kehrte nach Hause zurück“, erzählt der 35-Jährige: Sein Versuch als Wanderarbeiter Geld für seine kleine Familie zu verdienen, war ein Fehlschlag.
Wasser für 750 Menschen
Erst die Entwicklungsfachleute von Menschen für Menschen eröffneten der Familie und allen weiteren Bewohnern von Fati im Projektgebiet Borena die Perspektive auf ein besseres Leben in ihrer Heimat. Sie bauten Quellfassungen für die beiden Quellen im Dorf. Das so gesicherte Trinkwasser wird nun über eine Leitung zu einem Reservoir gefördert, an dessen vier Zapfhähnen sich rund 750 Menschen versorgen.
Ein von der Stiftung geschultes Komitee aus Bäuerinnen und Bauern sorgt dafür, dass die Menschen regelmäßig geringe Wassergebühren entrichten. Mit diesen Rücklagen kann die Anlage auf Jahrzehnte instandgehalten werden, auch nachdem sich die Äthiopienhilfe aus der Region zurückgezogen hat.
Bevölkerung packte mit an
Vielfacher Nutzen
Familie bleibt vereint
Auf dem Viertelhektar Land, wo früher nur Weizen stand, pflanzt die Familie jetzt neben Mais auch Tomaten, Kohl und Chili, die Ehemann Abeno auf dem Markt verkaufen will. Mit besonderer Sorgfalt hegt und pflegt er vor allem die sechs Apfelbäumchen, die er von der Äthiopienhilfe erhalten hat und die bald die ersten Früchte hervorbringen. „Ich bin gespannt. Ich habe noch nie einen Apfel gegessen“, erzählt Abeno.
Äpfel sind in der Gegend wenig bekannt, gelten als besonderer Luxus und erzielen entsprechend gute Preise auf dem Markt. Allein durch den Verkauf von Teilen seiner Gemüseernte rechnet Abeno mit einem Verdienst von über 200 Euro. „Dafür hätte ich auf den Sesamfeldern von Gondar über drei Monate arbeiten müssen“, rechnet der Bauer vor. „Aber jetzt kann ich zum Glück bei meiner Familie bleiben und meine Tochter aufwachsen sehen.“ Itataku lächelt, nimmt einen Plastikkrug mit Wasser und wäscht Wenischet zärtlich das Gesicht.