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Wascht eure Hände!

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Borena
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Nicht nur in Zeiten von Corona: Hygiene ist ein wichtiger Faktor für Gesundheit im ländlichen Äthiopien. An den Schulen von Menschen für Menschen lernen die Kinder sich richtig zu waschen.

Ein dünner Wasserstrahl schießt aus dem kleinen Loch an der Seitenwand des Plastikkanisters, als Meaza Debalke den Pfropfen – einen Nagel – zieht. Schnell hält die elfjährige Tiruwerk Yegu ihre Hände unter den Strahl und greift zur Seife. “Verteile sie gründlich auf deinen Handflächen, dann zwischen den Fingern und auf dem Handrücken”, erklärt Meaza. Sie ist Biologielehrerin an der Debat Higher Primary School. Zu ihrem Hygienetraining sind knapp ein Dutzend Schüler aus unterschiedlichen Klassenstufen zusammengekommen. “Erst sind die Hände dran, dann das Gesicht. Sonst befördert ihr die Bakterien und Viren direkt zum Mund, zu Nase und in die Augen.”

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Von Tiruwerks Kinn tropft noch Wasser, als sie zur Seite tritt, um Platz für das nächste Kind zu machen. Früher ging die Fünftklässlerin oft ungewaschen zum Unterricht. “Ich wusste nicht, dass ich davon krank werden kann.” Doch seit ihrem ersten Training vor einigen Jahren hat Tiruwerk viel gelernt. “Ich wasche mir jetzt immer Gesicht und Hände, be­vor ich in die Schule gehe.”

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Wasser und Hygiene

Beinahe der Hälfte der Menschen im ländlichen Äthiopien mangelt es an sauberem Wasser zum Trinken und für die Körperhygiene. Was sie mühsam aus Teichen, Bächen und Flüssen schöpfen, ist mit Bakterien und Parasiten ver­schmutzt – lebensbedrohliche Krankheiten sind die Folge. Gemeinsam mit der Bevölkerung bauen wir deshalb an zentralen Orten Handpumpbrunnen, Quellfassungen oder ganze Wasserversorgungs­systeme. Zudem organisieren wir Aufklärungskampagnen und errichten bei einem Schulneubau Toilettenhäuschen und Handwaschmöglichkeiten gleich mit. So lernen schon die Kleinsten, wie wichtig es ist, sich selbst sauber zu halten.

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Durchdachtes Hygienekonzept in der Schule

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Meaza ist stolz, wenn sie so etwas hört. Die 28-Jährige ist eine von zwei Lehrerinnen, die sich um die Aufklärung zum Thema Hygiene kümmern. Seit drei Jahren unterrichtet sie an der Schule, die Menschen für Menschen für über neunhundert Erst- bis Achtklässler am Stadtrand von Mekane Selam im Projektgebiet Borena errichtet hat. Neben den Schulgebäuden mit großen, hellen Klassenräumen ließ die Äthiopienhilfe zwei Toilettenhäuschen er­bauen. Kein Vergleich zur Latrine zuvor. “Die war total ekelig”, erinnert sich Tiruwerk und rümpft ihre mit Sommersprossen gesprenkelte Nase. Auch an fließendem Wasser mangelte es. “Oft mussten wir Kanister von zuhause mitbringen.” Heute bezieht die Schule sauberes Wasser aus einem Brunnen, den die Äthiopienhilfe in der Nähe gebaut hat.

Jeden Freitag kehren Tiruwerk und ihre Mitschü­ler für zwei Stunden die Klassenräume und sammeln Müll auf dem Schulhof. Menschen für Menschen stellt ihnen Besen und Mülleimer zu Verfügung. “Früher hat ein solcher Putztag kaum Sinn gemacht, weil wegen der Böden und Wände aus Lehm sofort alles wieder staubig war”, sagt der 54-jährige Schulleiter Abebe Ayalew. “Heute müssen wir die Schüler gar nicht mehr erinnern, die fangen von alleine damit an.”

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Lehrerin Meaza wirbt täglich fr Sauberkeit und Hygiene, damit die Schüler ihr Wissen auch in ihre Famlien hineintragen.
Lehrerin Meaza wirbt täglich fr Sauberkeit und Hygiene, damit die Schüler ihr Wissen auch in ihre Famlien hineintragen.
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Zum Hygienekonzept seiner Schule gehört auch, dass bei der morgendlichen Ansprache kontrolliert wird, ob die Schüler gewaschen und mit sauberer Kleidung zum Unterricht gekommen sind. Klasse für Klasse aufgereiht stehen die Mädchen und Jungen auf dem Schulhof. “Die meisten von euch haben saubere Gesichter. Das freut mich sehr!”, ruft Meaza. Damit alle sie sehen können, ist sie im weißen Lehrerkittel auf einen Stein gestiegen. “Denkt bitte weiterhin daran. So bleiben wir alle gesund!”

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Wie Hygienetipps sich im Alltag verfestigen

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Dass die Lehrerin die Hygienetipps ständig wie­derholt, ist wesentlich, denn nur so werden sie für die Schüler zur Selbstverständlichkeit. “Vielen fällt es schwer, die Rituale, die wir hier beim Händewaschen in der Schule haben, auch daheim umzusetzen”, er­klärt Maeza. Nach Schulschluss müssen sie ihren Familien auf dem Feld oder beim Hüten des Viehs helfen. Oft fehlt es außerdem an der elterlichen Er­mutigung zum Händewaschen oder schlicht an sauberem Wasser oder Seife. Manchmal lädt Meaza deswegen auch eine Familie zum Gespräch ein oder besucht sie zuhause. Hier kann sie sich ein Bild von deren Lebenssituation verschaffen und sie versucht die Eltern davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, sich um die eigene und die Körperhygiene ihrer Kinder zu kümmern. “Am besten ist es, wenn die Schüler das, was sie in unserem Training lernen, an ihre Familie weitergeben.”

So wie Tiruwerk. “Meine Eltern und Geschwister freuen sich, wenn ich ihnen zeige, worauf man achten muss”, sagt sie und lächelt zufrieden. Sie möchte später Ärztin werden und Menschen auf dem Land helfen, gesund zu bleiben. Wie wichtig dafür saube­res Wasser, Händewaschen und die eigene Hygiene ist, weiß sie nun schon.

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Unser täglich Wasser

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Wogdi
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Lange bestimmte Mangel an sauberem Trinkwasser den Alltag der Bewohner Makeftas. Das verschmutzte Nass aus dem Fluss machte sie krank. Stundenlanges Warten am Brunnen raubte ihnen viel Zeit. Menschen für Menschen hat nun im Projektgebiet Wogdi ein Versorgungssystem errichtet, das der täglichen Wassernot ein Ende setzt.

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Fünf Jahre ist es her, dass Shigult Gisaw zum ersten Mal im Leben eine Hyäne sah. Wie immer war sie mit ihrer Mutter Yerom am späten Abend von ihrem Zuhause in Makefta vierzig Minuten zum Fluss Berew Sar gelaufen. Sie hatten ihren Esel mitgenommen, der helfen sollte, die Wasserkanister für die zehnköpfige Familie zu schleppen.

Während sich die Mutter am Flussufer in die Schlange stellte, blieb Shigult etwas abseits mit dem Esel stehen. Plötzlich schrie das Tier auf. Etwas zerrte an ihm. “Eine Hyäne, da ist eine Hyäne”, kreischten die Frauen neben Shigult. Erschrocken ließ sie den Strick fallen, mit dem sie den Esel festhielt, und rannte los. Weg von der Hyäne, hinein in die tiefdunkle Nacht.

“Es war ein großes Chaos. Alle liefen wild durcheinander”, erinnert sich die Mutter. Keiner ahnte, dass Shigult zu Verwandten gestürmt war, die nah am Fluss lebten. Yerom wurde schwindelig, alles drehte sich. Ohnmächtig sank sie zu Boden. Im Morgengrauen trugen sie die Frauen nach Hause.

“Ich dachte, meine Tochter sei tot”, sagt Yerom und blickt zu Boden. Bis heute geht der 46-Jährigen das schreckliche Erlebnis und das Gefühl der Hilflosigkeit sehr nah. Sie vergräbt ihre Hände tief in ihrem Schoss, spricht leiser. Ihr sonst so herzliches Lachen verstummt.

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Häufigste Todesursache bei Kindern

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Yerom wusste, dass sich Hyänen vor allem in der Dunkelheit aus ihren Verstecken trauen. Angriffe der Raubtiere auf Esel und anderes Vieh waren nichts Ungewöhnliches. Doch tagsüber Wasser zu holen, hätte bedeutet, stundenlang in der Schlange zu stehen, denn der Fluss war eine der wenigen Wasserquellen für umliegende Siedlungen und die Bewohner Makeftas, eine Kleinstadt knapp 600 Kilometer nordöstlich von Addis Abeba.

Schlimmer jedoch: Das Wasser, für das sie Nacht für Nacht den gefährlichen Weg auf sich nahmen, machte sie krank. Shigult und ihre sieben Geschwister bekamen Ausschlag, klagten ständig über Bauchschmerzen. Sie übergaben sich und hatten Durchfall. “Für ihr Alter waren sie viel zu klein”, berichtet Yerom. Häufige Druchfallerkrankungen führen bei Kindern zu Wachstumsstörungen. Die geringen Einnahmen, die ihre Landwirtschaft einbrachte, gab die Familie für Arztbesuche aus. “Nach der Behandlung, konnten die Kinder zumindest für einige Tage ohne Beschwerden zur Schule gehen”, erinnert sich Yeroms Ehemann Gizaw.

Wie ihm und seiner Familie geht es vielen Menschen in Äthiopien. Laut dem Kinderhilfswerk UNICEF fehlt etwa 35 Prozent der äthiopischen Haushalte der Zugang zu sauberem Trinkwasser, besonders auf dem Land. Durchfallerkrankungen sind noch immer die häufigste Todesursache für Kinder unter fünf Jahren. Jährlich sterben mehr als 70.000 Mädchen und Jungen daran.

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Wasser für eine Kleinstadt

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Glückliche Familie: Yerom (Mitte), ihr Mann Gizaw und Tochter Shigult freuen sich, dass die Sorge um das tägliche Wasser endlich vorüber ist.

Um dem Mangel an sauberem Trinkwasser ein Ende zu setzen, ließ Menschen für Menschen zunächst Brunnen errichten. “Endlich hatten wir Wasser, das uns nicht mehr krank machte”, sagt Yerom. “Doch wir mussten immer noch ewig dafür anstehen.2 Einigen Frauen und Mädchen gingen daher weiterhin zu dem verdreckten Fluss.

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Nun hat sich die Situation noch einmal zum Positiven verändert: Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)  legte die Äthiopienhilfe 2016 bis 2018 in Makefta ein lokales Wassersystem an, das die rund 4.000 Bewohner der Stadt sowie die knapp 800 Schüler, die täglich nach Makefta kommen, versorgt.

Es ist bereits das siebte Versorgungssystem, das Menschen für Menschen in Äthiopien errichtete. Etwa drei Kilometer von der Stadtgrenze Makeftas entfernt wird Grundwasser aus mehr als 180 Metern Tiefe gefördert und in ein Reservoir auf einem Hügel über der Stadt gepumpt. Von dort aus wird es zu den 16 öffentlichen Wasserstellen sowie zwei weiteren an den Schulen der Stadt geleitet.

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Treffpunkt: Die Bewohner Makeftas strömen morgens an eine der neuen Wasserstellen. Sie liegt am Rande des Marktplatzes.
Treffpunkt: Die Bewohner Makeftas strömen morgens an eine der neuen Wasserstellen. Sie liegt am Rande des Marktplatzes.
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An einer Wasserstelle, am Rand eines großen sandigen Platzes, inmitten von Makefta, steht Getachew Ahmed. Von seinem Haus, in dem er mit seiner Frau und seinen Kindern lebt, braucht er nur fünf Minuten zu Fuß. Es ist zehn Uhr morgens. Die Sonne hat die kalte Luft, die sich im Hochland nachts über das Land legt, längst vertrieben, als der 48-Jährige den Hahn aufdreht. Wasser schießt in die aufgeschnittene Plastikflasche, die er als Trichter in die Öffnung seines gelben 20-Liter-Kanisters gesteckt hat. ­­

Seit der Eröffnung des Wassersystems schöpft er oft mehrmals am Tag Wasser. “Früher mussten wir mit zwei Kanistern pro Tag auskommen”, erinnert er sich. Standen der achtköpfigen Familie damit täglich nur 40 Liter Wasser fürs Trinken, Kochen, Waschen und Putzen zur Verfügung, sind es heute dreimal so viel. Im Vergleich: Jeder Deutsche verbraucht am Tag durchschnittlich 121 Liter, also in etwa so viel wie Getachews ganze Familie. Mit der neuen Trinkwasserversorgung konnten nachweislich die durch verunreinigtes Wasser verursachten Krankheiten von ursprünglich zwölf Prozent auf unter zwei Prozent reduziert werden.

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Trinkwasser nachhaltig sichern

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Seitdem Getachew Ahmed (r.) und seine Frau jederzeit Wasser holen können, ist es für die Familie viel einfacher, Kleidung und den Haushalt sauber zu halten.

Auch andere Männer – junge und alte, Singles und Familienväter – stehen überall in der Stadt an den Wasserhähnen. Ein ungewöhnliches Bild in Äthiopien, wo Wasserholen traditionell Aufgabe der Frauen und Mädchen ist. “Jetzt geht es viel schneller. Da helfe ich meiner Frau gerne”, sagt Getachew mit einem Lächeln.

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Dadurch entlastet er auch seine drei Töchter, die zuvor täglich Stunden auf dem Weg zum Fluss oder am Brunnen verbracht hatten und dadurch oft zu spät zum Unterricht kamen oder ihn ganz verpassten.

“Wenn ich am Wasserhahn stehe, fasziniert mich noch immer, wie die Anlage technisch funktioniert”, erklärt Getachew. Gemeinsam mit seinen Söhnen und vielen anderen Anwohnern hat er die Gräben für die Leitungen ausgehoben. Dass sich die Menschen an den Bauarbeiten beteiligen, ist für Menschen für Menschen Voraussetzung, wenn die Stiftung in einer Kleinstadt wie Makefta ein Wasserversorgungssystem baut. Ebenso die Ernennung eines Wasserkomitees. So stellt die Äthiopienhilfe sicher, dass sich die Bevölkerung auch nach Ende ihrer Aktivitäten in der Region um die Anlage kümmert und die Trinkwasserversorgung der Kleinstadt langfristig gesichert bleibt.

In einem viertägigen Training haben die zwölf Mitglieder des Komitees deshalb gelernt, wie die Anlage funktioniert. Sie bekamen ein Werkzeug-Set und können kleinere Reparaturen selbstständig erledigen. Pro Wasserkanister und Nutzung der neuen öffentlichen Duschen zahlen die Bewohner Makeftas wenige Cents.

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Als Kassiererin an einer der Wasserstellen kontrolliert Likiye Mihretu (l.), ob alle den kleinen Obolus für das Wasser bezahlt haben.

Damit deckt das Wasserkomitee die Kosten für Instandsetzungen und entlohnt Kassiererinnen, die sie für die Wasserstellen eingestellt haben. Sie schließen die eingezäunten Wasserstellen morgens und nachmittags auf, achten darauf, dass alle Nutzer ihren Obolus zahlen und melden, wenn es Probleme gibt.

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Nutzen für Haushalt und Familie

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Seit es in Makafta Wasser für alle gibt, ist es auch am Brunnen vor den Toren der Kleinstadt viel leerer. Zahabu Mehamed freut sich darüber.

Von dem Versorgungssystem profitieren nicht nur Familien in Makefta, sondern auch Bewohner umliegender Dörfer, denn der Andrang an den Wasserstellen außerhalb der Stadt hat sich deutlich entspannt. Die 19-jährige Zahabu Mehamed steht an einem der Brunnen, den Menschen für Menschen errichtet hat. Ihre knochigen Hände ziehen den Pumpschwengel immer wieder hinunter, so lange bis sich ihr Kanister mit Wasser gefüllt hat.

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Es ist Mittag, Zahabu ist allein. Vor Inbetriebnahme der Wasserversorgung war das undenkbar. “Selbst wenn ich im Morgengrauen kam, musste ich Stunden anstehen”, erzählt  sie. Ihre Tochter Hikma, damals noch ein Säugling, musste sie oft bei ihren Schwiegereltern lassen. “Ich freue mich, dass ich mich heute besser um sie kümmern kann.”

Auch Yerom, Shigult und Gisaw sind froh, dass sie sich heute nicht mehr um sauberes Wasser sorgen müssen. Von ihrer Hütte zur Wasserstelle sind es nur wenige hundert Meter. “Wir können uns und unseren Haushalt jetzt viel sauberer halten”, berichtet Gisaw. “Früher haben wir nur zu besonderen Anlässen geduscht. Heute geht das, wann immer wir wollen.”

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Wasserversorgung für die Kleinstadt Ginager

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Asagirt
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Menschen für Menschen führte ein größeres Einzelprojekt in Asagirt durch: den Aufbau einer kompletten Wasserversorgung für die Kleinstadt Ginager. Unterstützt wurde das Vorhaben durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Ginager ist der Hauptort des Projektgebiets Asagirt. Obwohl es in der Region Flüsse, Quellen und Grundwasserressourcen gibt, haben die wenigsten ihrer Bewohner Zugang zu sauberem Trinkwasser. So auch die 2.700 Einwohner von Ginager. Wer es sich leisten konnte, erwarb dort Wasser bei Verkäufern in der Stadt. Die weitaus meisten Bewohner bezogen ihr Wasser jedoch aus Quellen in der Umgebung, die nur in mehrstündigen Fußmärschen zu erreichen und oft verunreinigt waren.

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Ginager Higher Primary School und Higher Secondary School – von Menschen für Menschen erbaut.

Verschärft wurde die Notlage durch Hunderte von Kindern aus der Umgebung, die in Ginager die Schule besuchen. Damit sind in dem Städtchen täglich rund 4.000 Menschen mit Wasser zu versorgen.

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Lokale Bevölkerung arbeitet unentgeltlich mit

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Eine 1.600 Meter lange Steigleitung führt hinauf zum Wasserreservoir.

Außerhalb der Stadt wurden drei Quellen eingefasst und – über eine Länge von insgesamt 1.890 Metern – Fallrohre installiert, durch die das Quellwasser in ein Auffangbecken gelangt. Von dort wird es über eine 1.600 Meter lange Steigleitung zu einem Wasserreservoir befördert.

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Bei einem Fassungsvermögen von 75 Kubikmetern sichert das Reservoir die Versorgung der Stadt für mindestens acht Stunden täglich. Es speist acht öffentliche Entnahmestellen und versorgt zusätzlich auch das Gesundheitszentrum des Ortes sowie zwei Schulen. Für das Verteilungsnetzwerk wurden insgesamt über sechs Kilometer Rohre verlegt.

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Beim Bau des Wasserreservoirs helfen alle mit.

Alle manuell ausgeführten Aushubarbeiten und auch das Wiederauffüllen der Gräben nach dem Verlegen der Leitungen übernahm die lokale Bevölkerung unentgeltlich selbst.

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Zusätzlich wurde ein Gebäude für das Wasserkomitee errichtet. Letzteres wartet und verwaltet die Anlage und legt die Wassergebühren fest. Solange die Stromversorgung über den Generator läuft, kosten 20 Liter 0,5 Birr (etwa 2 Eurocent). Kommt der Strom künftig aus dem öffentlichen Netz, dürfte sich dieser Normalpreis auf die Hälfte verringern. Für arme Einwohner gilt generell ein reduzierter Tarif.

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Wasser ist Leben

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Borecha
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Im Dorf Melka Dima im Projektgebiet Borecha eröffnete Menschen für Menschen Anfang 2015 den zweitausendsten Brunnen seit der Gründung der Stiftung. 35 Haushalte können sich dort seitdem mit frischem Trinkwasser versorgen. 

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Betula Hussein und ihren vier Kindern erging es wie vielen Familien in Äthiopien: Es mangelte ihnen an sauberem Trinkwasser. Die einzige Wasserstelle lag weit entfernt. Über zwei Stunden war die 30-Jährige unterwegs, bis sie den 25-Liter-Kanister durch hügeliges Gelände nach Hause transportiert hatte. Dreimal täglich legten Betula oder ihre 12-jährige Tochter Muslima die Strecke zurück. Doch damit konnten sie den Bedarf eines Tages für Trinken, Kochen und Waschen kaum decken. Gerade für Muslima war der Fußmarsch sehr beschwerlich. Der Kanister auf ihrem Rücken wog fast so viel wie sie selbst.

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Lebensbedrohliche Krankheiten

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Frauen und Mädchen schleppen die schweren 25-Liter-Kanister oft viele Kilometer von der Wasserstelle nach Hause.

Betula kochte das Wasser nicht ab, sie ließ es lediglich durch Tücher laufen, um den gröbsten Schmutz zu filtern. Das Wasser, das sie und ihre Tochter aus der Wasserstelle schöpften, war schlammig und voller Bakterien. Vieh und andere Tiere tranken dort und hinterließen ihre Fäkalien. “Wir hatten ständig Durchfall und Parasiten plagten uns”, erzählt Betula.

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Vor allem für Kinder können Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich sein. Auch der Weg zur nächsten Gesundheitsstation war beschwerlich. Mehrmals im Monat musste Betula mit einem ihrer Kinder zum Arzt. Die täglichen Märsche zur Wasserstelle nahmen viel Zeit in Anspruch: Vor allem Muslima blieb wenig Zeit für den Schulbesuch, zum Spielen oder Lernen.

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Häufig trinken Mensch und Tier aus demselben schlammigen Wasserloch. Krankheiten sind dadurch vorprogrammiert.
Häufig trinken Mensch und Tier aus demselben schlammigen Wasserloch. Krankheiten sind dadurch vorprogrammiert.
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„Heute können sogar unsere Kinder gefahrlos Wasser am Brunnen schöpfen. Früher hatten wir immer die Sorge, ihnen könnte auf dem weiten Weg etwas zustoßen.“
Betula Hussein, 30, Mutter von vier Kindern
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Hoffnung für ein ganzes Dorf

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Betula Hussein hofft, dass ihre Kinder zukünftig nicht mehr so oft krank werden.

“Als die Äthiopienhilfe in einem anderen Dorf einen Brunnen baute, sahen wir, welche Möglichkeiten sich für die Menschen dort eröffneten”, erzählt Betula. “So hofften auch wir, zukünftig Wasser aus einer sicheren und gut zugänglichen Quelle schöpfen zu können und vor allem, dass unsere Kinder nicht mehr krank werden würden.”

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Menschen für Menschen baute auch im Dorf Melka Dima einen Brunnen – den 2.000sten seit es die Äthiopienhilfe gibt. Betulaund ihre Familie können sich nun aus der nahegelegenen Wasserstelle versorgen. Nur noch knapp 15 Minuten brauchen sie und Muslima dorthin. “Jetzt haben wir nicht nur ausreichend sauberes Wasser zum Trinken, sondern können auch uns selbst und unsere Kleider waschen. Unsere tägliche Hygiene wird sich dadurch deutlich verbessern”, erzählt die Mutter von drei Söhnen und einer Tochter.

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Ein gesünderes Leben

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Menschen für Menschen erleichtert den Mädchen und Frauen ihren schweren Alltag – etwa mit dem Bau nahegelegener Brunnen.

Muslima wird wieder regelmäßig den Unterricht besuchen können und ihre Schulausbildung zu Ende bringen. Betula und ihr Ehemann wollen sich verstärkt dem Anbau auf ihrem Feld widmen und ihre Ernte am Markt verkaufen.

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“Wir hoffen, dass wir nun nicht mehr so oft zum Arzt müssen und unser geringes Einkommen für Medikamente ausgeben”, erzählt Betula. “Dank des sauberen Wassers werden unsere Kinder jetzt hoffentlich nicht mehr so oft krank.”

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Gesundes Wasser für Wogdi

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Wogdi
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Im ländlichen Äthiopien haben acht von zehn Menschen nicht genug zu trinken. Brunnen und Quellen sind rar und häufig mit Krankheitserregern verschmutzt. Die Mädchen und Frauen, deren Aufgabe das Wasserholen ist, müssen bis zur nächsten Wasserstelle oft viele Stunden gehen. Gemeinsam mit der Bevölkerung bauen wir deshalb Brunnen, Quellfassungen und Auffangbecken für Regenwasser. Ist eine neue Wasserstelle fertig, vermitteln wir den Bauern, wie sie das Wasser sauber halten, die Anlage pflegen und mit speziellen Bewässerungstechniken Wasser sparen können.

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Nach einem Bericht der Behörden aus dem Jahr 2011 hatten nur knapp 49 Prozent der Bevölkerung Wogdis Zugang zu sauberem Trinkwasser: Die 236 Wasserstellen, die die Regierung in den vergangenen Jahren bauen ließ, wurden von rund 72.800 Menschen genutzt. Sanitäre Anlagen standen lediglich für 18 Prozent der Einwohner Wogdis zur Verfügung. Ein großer Teil der Bevölkerung war damit noch immer auf entfernte und oft stark verschmutzte Wasserstellen angewiesen. Viele Menschen wurden dadurch krank. Vor allem Darmparasiten und Augenentzündungen wie das Trachom waren sehr häufig. Zudem mussten Frauen und Mädchen häufig über dreistündige Märsche zurücklegen, um Wasser zu holen. Hinzu kam, dass auch die bereits ausgebauten Wasserstellen oft nicht die Anforderungen einer sicheren Versorgung erfüllten. Viele funktionierten nicht, meist weil sie nicht fachmännisch gebaut oder unsachgemäß genutzt wurden.

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Für die Frauen und Mädchen, deren Aufgabe das Wasserholen ist, sind die neuen Brunnen in Dorfnähe eine große Erleichterung.

Bis Juni 2017 hat Menschen für Menschen im Projektgebiet Wogdi 51 Wasserstellen bzw. sowie bestehende Wasserstellen instandgesetzt. Bereits vor dem Beginn der Arbeiten wurden 14 Wasserkomitees gebildet. Die Gemeinden wählten dazu gleich viele Männer wie Frauen aus ihren Reihen.

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Aufgabe der Wasserkomitees war es zunächst, Gemeindemitglieder zur Mitwirkung beim Bau und Management der Wasserstellen zu motivieren. Dazu schulten wir 87 Komitee-Vertreter in intensiven Trainings. Fragen des Betriebs, der Wartung und des Managements der Wasserstellen wurden dabei ebenso angesprochen wie Themen der Hygiene und der sanitären Bedingungen. Außerdem prüften wir die Wasserqualität und nahmen, wo nötig, Maßnahmen zur Desinfektion vor.

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Multifunktionale Quellfassung für Dibu

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Borecha
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Trinkwassermangel ist im ländlichen Äthiopien für vier von zehn Menschen Alltag. Brunnen sind rar und ungefasste Quellen und Wasserlöcher oft stark mit Krankheitserregern verschmutzt. Viele Menschen, zumeist aber Mädchen und Frauen, laufen mehrere Stunden bis zur nächsten Wasserstelle – und mit schweren Kanistern heimwärts.

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Gemeinsam mit der Bevölkerung bauen wir deshalb an zentral zugänglichen Orten Handpumpbrunnen, Quellfassungen, Auffangbecken für Regenwasser oder ganze Wasserversorgungssysteme. Die Anlagen werden von Gemeindemitgliedern sauber gehalten und gereinigt. Auch Bewusstseinsbildung und Trainings zur Wartung und Pflege tragen dazu bei, die Nachhaltigkeit der Wasser- und Hygieneprojekte zu sichern.

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Ausgangssituation

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Das Wasser an den Rinnsalen ist sehr verunreinigt. Auch das Vieh nutzt die Stelle als Tränke.

Im ländlichen Äthiopien sieht man sie überall auf den Straßen und Wegen: Menschen, mit gelben Plastikkanistern, auf dem Weg zur Wasserstelle. Meist sind es Frauen und Mädchen, die diese Arbeit übernehmen.

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Nicht selten müssen sie viele Kilometer bis zum nächsten Fluss oder zur nächsten Quelle laufen. Und wer keinen Esel hat, schleppt zwanzig Liter oder mehr aus eigener Kraft wieder zurück – Wasser, das häufig nicht mal sauber ist: Da es an Brunnen oder Quellfassungen mangelt, schöpfen viele Menschen was sie benötigen aus Flüssen, Bächen oder Rinnsalen. Weil das Vieh dieselben Stellen als Tränken nutzt, ist das Risiko, krank zu werden, groß. Zugleich versickert ein Großteil des Wassers, das auch für die Bewässerung von Feldern genutzt werden könnte, einfach im Boden.

Wie in Dibu: Das Dorf in der Projektregion Borecha zählt 57 Haushalte, also rund 350 Einwohner, die lange Zeit von einer einfachen Quelle abhängig waren. “Aber das Wasser hat nie gereicht, und die Kinder wurden immer wieder krank davon”, sagt Tajure Fares. Eigentlich, so die 45-jährige Bäuerin und Mutter von vier Söhnen, konnte man damit nicht einmal die Wäsche waschen. “Es war sehr verunreinigt. Aber was sollten wir machen? Wir hatten ja nichts anderes.”

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Ziele

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Tajure Fares, 45, Nutznießerin an der Irissa Quelle

Menschen für Menschen schafft in den Gemeinden gemeinsam mit den Bewohnern einen dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser und sorgt – auch durch Training und Bewusstseinsbildung – für eine nachhaltige Verbesserung der Hygiene- und Gesundheitssituation.

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Nach der Installation von Handpumpbrunnen oder Quellfassungen werden diese von den Mitgliedern sogenannter “WaSH*-Komitees” gepflegt und verwaltet.

* WaSH steht für Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene

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  Teferi, Department Head im Bereich Landwirtschaft im Projektgebiet Borecha, spricht mit  Tajure Fares (blaues langes Kopftuch) und  Faida Abafita (schwarzes langes Kopftuch) über die Nutzung der Quelfassung.
Teferi, Department Head im Bereich Landwirtschaft im Projektgebiet Borecha, spricht mit Tajure Fares (blaues langes Kopftuch) und Faida Abafita (schwarzes langes Kopftuch) über die Nutzung der Quelfassung.
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“Früher haben wir hier Wasser geschöpft und die Wäsche gewaschen. Außerdem hat das Vieh hier gesoffen und das Wasser verunreinigt. Deswegen waren unsere Kinder oft krank. Und die Wäsche sah nach dem Waschen oft schmutziger aus als vorher, weil das Wasser braun war von Lehm und Schlamm. Seit wir die Quellfassung haben, ist das alles vorbei.”

Fait Abafita (links), 50, Nutznießerin an der Itissa-Quelle bei Dibu
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Maßnahmen

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Gossay Tadesse, 35, Supervisor Wasserversorgungsprojekte im Construction Department

Um die Situation in Dibu nachhaltig zu verbessern, hat Menschen für Menschen eine “Multifunktionale Wasserstelle” installiert. Sie ermöglicht es, das kostbare Nass in verschiedenen Abstufungen zu nutzen: Zunächst speist die natürliche Quelle ein Reservoir.

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Hier können die Menschen über eigens installierte Hähne abzapfen, was sie zum Trinken und Kochen benötigen. Überschüssige Mengen gelangen in eine Viehtränke sowie zu einem Waschplatz, und was hier überläuft, wird für die Bewässerung von Feldern genutzt. “Auf diese Weise sichern wir die Qualität des Wassers, das die Dorfbewohner trinken”, sagt Gossay Tadesse, 36, Abteilungsleiter für Wasserprojekte in Borecha.

“Ein weiterer Vorteil ist, dass wir es sehr effizient nutzen, was sich gerade in regenschwachen Zeiten auszahlt.” Allein in den vergangenen sieben Jahren hat Gossay Tadesse den Bau von 49 Quellfassungen und 32 Brunnen in der Region geleitet. “Dabei wählen wir die Standorte sehr genau aus, um sicher zu sein, dass sie auch den gewünschten Erfolg für die Menschen bringen.”

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Ergebnisse

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“Früher fühlte ich mich schwach, ich war ständig in der Gesundheitsstation, aber wirklich helfen konnten sie mir dort nicht”, sagt Masay. “Doch in den vergangenen zwei Jahren war ich kein einziges Mal dort!” Die Töchter Derebe, 16, und Bogale, 15, können die weiterführende Schule in der Kleinstadt Seyo besuchen, die von Menschen für Menschen erweitert und modernisiert wurde: “Nun können wir die Kosten für die Schuluniformen und einen Schlafplatz in Seyo tragen.”

Die Menschen in Dibu profitieren auf verschiedene Weise von der Wasserstelle mit den vielen Funktionen: “Wir sind glücklich, dass wir jetzt sauberes Wasser trinken können”, sagt Tajure Fares. “Die Kinder sind viel weniger krank.” Der neu eingerichtete Waschplatz, so Tajure, sei ebenfalls eine deutliche Verbesserung. “Wir können jetzt viel leichter unsere Wäsche waschen und wringen. Und sie wird auch ohne Seife viel sauberer als vorher.”

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Vor allem auch die Kinder profitieren von der neuen Wasserstelle. Heute sind sie deutlich weniger krank.

Zudem gehören Tajure Fares, ihr Mann und ihre Kinder zu jenen Familien im Dorf, die auch von den neuen Möglichkeiten der Bewässerung profitieren: Früher bauten sie nur Sorghum und Mais an, doch jetzt können sie auf einigen Feldern auch Rote Bete und Karotten ziehen. “Früher haben wir uns einseitig ernährt, aber seit wir mehr erwirtschaften, kann die ganze Familie ausgewogener und besser essen”, sagt Tajure.

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Wasser für die Kinder von Arekit

Schwerpunkt: Wasser
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In der Kleinstadt Arekit mussten Familien bislang an manchen Tagen mit ein paar  Litern Wasser am Tag auskommen. Viele Kinder verbrachten jeden Tag mehrere Stunden damit, verschmutztes Wasser aus weit entfernten Quellen nach Hause zu tragen. Vor allem Kleinkinder wurden krank. Menschen für Menschen hat nun eine effiziente Wasserversorgung errichtet.

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Zehn Kilogramm sind eine sehr schwere Last für schmächtige Zehnjährige. Als Redakteure des NAGAYA MAGAZIN die Stadt Arekit unlängst besuchten, schleppten Temesgene und Melkamu Kanister mit Wasser auf der Schulter, insgesamt eineinhalb Kilometer weit den Steilhang hinauf.

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Melkamu (zweiter von links) mit seiner Mutter Genet und Geschwistern.

Meist sind ältere Mädchen fürs Wasserholen zuständig, aber die beiden Jungs haben keine großen Schwestern. “Zeit zum Spielen haben wir nur einmal am Tag – in der großen Pause in der Schule”, sagte Melkamu.

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Sobald die Jungs vom Unterricht nach Hause kamen, mussten sie los: Wasser schleppen. “Manchmal weigern wir uns”, sagte Temesgene. “Aber dann sagen unsere Mütter, wenn es kein Wasser im Haus gibt, werden wir alle fürchterlichen Durst bekommen. Also gehorchen wir.”

Arekit ist eine Kleinstadt mit 3.500 Einwohnern auf 2.911 Metern Höhe. Busse, die auf der staubigen Piste das Stadtzentrum erreichen, hatten bisher gewöhnlich neben ein paar Koffern und Pappkartons viele Kanister aufs Dach gebunden: Reisende nach Arekit brachten Wasser mit. Kleinstädte im ländlichen Äthiopien haben häufig kaum Budget für öffentliche Investitionen; zwar hat die Stadtverwaltung in Arekit Mitte der Neunziger Jahre eine Versorgung mit drei Entnahmestellen errichten lassen, doch zwei davon funktionierten aufgrund des geringen Wasserdrucks im Reservoir schon lange nicht mehr.

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Bislang gab es nur eine Entnahmestelle in der Stadt – davor bildeten sich lange Warteschlangen.

Nur noch an einer Entnahmestelle kam Wasser aus den Hähnen. Sie vermochte aber aufgrund der schwachen Quellschüttung pro Tag nur 29 Kubikmeter Trinkwasser zu liefern und war nur wenige Stunden am Tag geöffnet. Dutzende Menschen reihten ihre Kanister zu langen Warteschlangen.

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Angst vor Hyänen

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Deshalb gingen Melkamu, Temesgene und die meisten anderen Einwohner von Arekit die Steilhänge hinunter, wo kleine Rinnsale aus dem Gestein sprudeln. Diese sind nicht durch Quellfassungen geschützt. Auch Vieh trinkt aus den Rinnsalen. Und auch dort mussten die Menschen besonders in der Trockenzeit warten, bis sie an der Reihe waren, um ihre Kanister mit aufgeschnittenen Plastikflaschen voll zu schöpfen.

Manchmal  wurde  es  über  dem  Warten Nacht. Auf dem Rückweg hinauf zur Stadt fürchteten sich Kinder und Frauen vor den Hyänen,  die  in  der  Dunkelheit  mutig  werden. “Schon mehrmals kam es in unserer Gegend zu Angriffen mit Todesopfern”, sagt Bürgermeister Asefa Menjeta.

Wer den Weg die Hänge hinunter vermeiden wollte, ging zum Arekit-See. In einer weiten Mulde auf der Hochfläche hat sich ein flaches, stehendes Gewässer gebildet, so groß wie zehn Fußballfelder.

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Tegist Bekele wäscht ihre Wäsche im modrigen Wasser des Flusses.

Dort wuschen die Frauen Kleider – und holten das schlammige Nass bislang auch zum Kochen und Trinken. “80 Prozent der Todesfälle hängen mit schmutzigem Wasser zusammen”, sagt der Bürgermeister.

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Die häufigsten Krankheiten in der Stadt laut den Statistiken der Gesundheitsstation seien Diarrhö, Darmparasiten und Typhus. Vor allem die Kinder sind betroffen.

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“Wir waschen unsere Kleider immer am Ufer des Arekit-Sees, und in der Trockenzeit schöpften wir hier bislang auch Wasser zum Kochen und Trinken. Es schmeckt fürchterlich modrig. In meiner Familie kochen wir das Wasser ab. Aber die Kinder sind manchmal so durstig, dass sie heimlich auch unbehandeltes Wasser trinken.” – Tegist Bekele, 22, Einwohnerin von Arekit
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Langlebige Investitionen

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Das alles ist nun vorbei. Nachdem die Einwohner sich mehrmals an Menschen für Menschen gewandt hatten, beauftragte die Äthiopienhilfe ein Ingenieurbüro, einen Plan auszuarbeiten. Im Tal des Woire-Flüsschens wurde ein Tiefbrunnen gebohrt und ein Generatorhaus errichtet. Der neue Brunnen soll schon im Juni 2014 mindestens 1.000 Kubikmeter Wasser pro Tag liefern. Vom Brunnen wird das Wasser über eine Leitung sechs Kilometer weit in das neue Reservoir auf einer Anhöhe über der Stadt gepumpt. Per Schwerkraft fließt es von dort in sieben neue öffentliche Entnahmestellen.

Sämtliche Gräben für die Wasserleitungen zogen  die  Einwohner  mit  Schaufeln  und Hacken in schwerer Handarbeit – das  Engagement der Bevölkerung war für die Äthiopienhilfe  Voraussetzung  für  ihr  Projekt.  Da  in Äthiopien keine Produkte erhältlich sind, die einem hohen Qualitätsstandard entsprechen, wurden Rohrleitungen, die Pumpe und der Generator aus Europa eingeführt. So wird die Langlebigkeit der geschaffenen  Infrastruktur gewährleistet, um 3.500 Menschen in Arekit über Jahrzehnte mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

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Temesgene und Melkamu posieren an den neuen Wasserentnahmestellen, die kurz vor der Fertigstellung stehen.

Insgesamt diene die Infrastruktur aber weit mehr Menschen, nämlich rund 12.000, betont Bürgermeister Asefa Menjeta: Arekit ist Marktort und Schulstadt, die Bauern und Schüler, die aus den Weiten der Hochebene in die Stadt kommen, können sich ebenfalls an den Zapfstellen versorgen.

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Der Erhalt der Infrastruktur wird durch gemeindeorganisierte Wasserkomitees garantiert: Diese sorgen dafür, dass die Haushalte kleine Gebühren entrichten, mit deren Hilfe die Anlage instandgehalten wird.

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Waschen ist kaum möglich

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Beim Besuch in der Stadt begleiteten wir den jungen Wasserträger Melkamu nach Hause. Der Junge setzte sich vor der Tür zu seiner Mutter Genet, die das Haar der eineinhalb Jahre alten Mulut nach Ungeziefer absuchte.

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Vom neuen Reservoir fließt das Trinkwasser zu den Entnahmestellen.

“Wir sind sechs Menschen in der Familie und müssen manchmal mit lediglich fünf Litern Wasser pro Tag auskommen”, sagte Genet Hussein. In Deutschland verbraucht jeder Einwohner in seiner Wohnung im Durchschnitt 121 Liter pro Tag.

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“Manchmal reicht es gerade so zum Trinken, aber waschen kann ich die Kinder höchstens alle zwei Wochen“, klagte die Mutter.

Vier Kinder hat sie noch, ihr Sohn Seifedin ist tot. Seifedin starb, als er etwa im gleichen Alter wie die kleine Mulut war. “Er hatte viele Wochen lang Durchfall“, sagte Genet Hussein. Zur Gesundheitsstation ging sie nicht. “Wir müssen für die Medizin bezahlen, und wir hatten kein Geld.”

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Genet Hussein mit ihrem kleinen Sohn Mulmt und seinem großen Bruder Melkamu.

Zur Gesundheitsstation ging sie nicht. „Wir müssen für die Medizin bezahlen, und wir hatten kein Geld”. Inzwischen sei sie klüger, sagte sie. “Wenn die Kinder jetzt krank werden, gehe ich zur Station, auch wenn ich deshalb Schulden machen muss.”

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Es ist wahrscheinlich, dass Seifedin noch am Leben wäre, wenn die Familie ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung gehabt hätte. “Ich gebe mir die Schuld an seinem Tod”, sagte Genet Hussein. “Das macht mir schwer zu schaffen.” Die  kleine  Mulut  erhob  sich  von  ihrem Schoß, ging ein paar tapsende Schritte zu ihrem großen Bruder Melkamu und küsste ihn sachte auf den Mund.

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Den Durst löschen, die Ernährung sichern

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Borena
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Was kostet es, den Menschen eines ganzen Dorfes ein würdigeres Leben zu ermöglichen? Im Dorf Fati lautet die Antwort: 2.600 Euro. Mit dieser Summe sorgte Menschen für Menschen für sicheres Trinkwasser und gleichzeitig für die Bewässerung der Felder. Jetzt sind vor allem die Kinder gesünder und besser genährt.

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Itataku Wale lächelt, wie nur herzensfrohe Menschen lächeln können. Das Lächeln der 25-Jährigen ist ansteckend, in ihrer Gegenwart wird alles leicht und hell.

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Die siebenjährige Wenischet ist heute, auch dank Menschen für Menschen, ein fröhliches, gesundes Kind.

Wenischet, das einzige Kind, hat das sonnige Gemüt der Mutter geerbt. Eifrig rennt die Siebenjährige in den Garten, um Tomaten zu pflücken und sie mit strahlendem Gesicht zu bringen. Man spürt: Auf diesem Bauernhof lebt eine glückliche Familie.

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Doch früher gab es auch andere Tage: Wenischet lag in der Hütte, abgemagert und matt. Das schmutzige Wasser, das sie trank, hatte sie krank gemacht. Zwar gab es eine Quelle, die sauberes Wasser spendete, aber sie lag über eine Stunde Fußweg entfernt vom Dorf. Es war eine große Strapaze für die Frauen, die traditionell  für  das  Wasserholen  zuständig sind, die 20-Liter-Kanister so weit zu schleppen.

Deshalb und aus Unwissen schöpften sie das tägliche Nass meist aus zwei Quellen im Dorf, die als Rinnsale an einem sanft abfallenden Hang aus der Erde traten. Doch weil so viele Menschen und Tiere kamen, um ihren Durst zu stillen, war die Umgebung  morastig, das in Pfützen aufgestaute Wasser verdreckt. Vor allem die Kinder, die den Bakterien die geringsten Widerstandskräfte entgegenbringen konnten, bekamen Durchfall. Wenn die Kinder mangelernährt sind oder bereits durch weitere Krankheiten geschwächt, werden diese leicht lebensbedrohlich: In Äthiopien sind Durchfallerkrankungen die häufigste Todesursache für Kinder unter fünf Jahren*. (*Quelle: www.who.int/whosis/whostat/EN_WHS10_Full.pdf)

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Itataku Wale, Bäuerin im Dorf Fati im Projektgebiet Borena unterhält sich beim Wasserholen gerne mit den anderen Frauen.

“Seit wir sauberes Wasser haben, kann ich besser arbeiten, weil mich keine Magenbeschwerden mehr schwächen. Und vor allem ist meine Tochter viel seltener krank.” – Itataku Wale

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Itataku musste die Sorge um das Leben ihres Töchterchens allein ertragen. Abeno Dessalo, ihr Ehemann, war in die Fremde gegangen, weil ihr kleines Feld, auf dem er Weizen anbaute, nicht zum Überleben reichte. Oben in Gondar, im Norden unweit der sudanesischen Grenze, hatte er sich zum Unkrautjäten in den Sesam-Feldern eines Agrar-Unternehmers verdingt. Die Verpflegung war schlecht, jeden Tag gab es nur Getreide-Brei und Brot. Er bekam einen Tagelohn von lediglich zweieinhalb Euro – und Malaria obendrein. “Einige Kollegen starben an der Krankheit, geschwächt, wie sie waren. Aber ich überlebte und kehrte nach Hause zurück”, erzählt der 35-Jährige: Sein Versuch als Wanderarbeiter Geld für seine kleine Familie zu verdienen, war ein Fehlschlag.

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Wasser für 750 Menschen

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Erst die Entwicklungsfachleute von Menschen für Menschen eröffneten der Familie und allen weiteren Bewohnern von Fati im Projektgebiet Borena die Perspektive auf ein besseres Leben in ihrer Heimat. Sie bauten Quellfassungen für die beiden Quellen im Dorf. Das so gesicherte Trinkwasser wird nun über eine Leitung zu einem Reservoir gefördert, an dessen vier Zapfhähnen sich rund 750 Menschen versorgen.

Ein von der Stiftung geschultes Komitee aus Bäuerinnen und Bauern sorgt dafür, dass die Menschen regelmäßig geringe Wassergebühren entrichten. Mit diesen Rücklagen kann die Anlage auf Jahrzehnte instandgehalten werden, auch nachdem sich die Äthiopienhilfe aus der Region zurückgezogen hat.

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Bevölkerung packte mit an

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Ein Zaun schützt die neue Zapfstelle vor dem Vieh. Ein Überlauf führt zum Speicher für die Landwirtschaft.

Die Bewohner von Fati halfen beim Bau der Anlagen unentgeltlich mit. Sie hoben den Untergrund für die Fundamente aus, schleppten Steine für die Maurer. Die Kosten für die Quellfassungen liegen in Fati bei insgesamt 2.600 Euro. Dreieinhalb Euro pro Einwohner.

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Mehr kostete es nicht, die Menschen dauerhaft mit sauberem Wasser zu versorgen. Viel weniger als in anderen Projektregionen, wo die Gegebenheiten und baulichen Voraussetzungen schlechter sind und Menschen für Menschen pro-Kopf-Ausgaben von zehn Euro für die langfristige Wasserversorgung ansetzt.

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Vielfacher Nutzen

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Ganz im Sinne der “integrierten ländlichen Entwicklung” von Menschen für Menschen bringt das Projekt in Fati eine Reihe an positiven Wirkungen, die sich gegenseitig ergänzen. Denn das Trinkwasserreservoir hat einen Überlauf: Das überschüssige Wasser fließt über einen zementierten Kanal in ein Nachtspeicherbecken mit einem Volumen von 135 Kubikmetern. Das reicht, um die Felder von 57 Familien am darunter liegenden Hang über Kanäle zu bewässern.

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Abeno Dessalo ist an der Reihe, seine Felder zu bewässern.

Zwei Mal am Tag wird das Speicherbecken geöffnet. Dann schießt das Wasser über Erdkanäle auf die Felder der Familien, die nach einem ausgeklügelten Plan mit der Zuteilung des lebenspendenden Nasses an der Reihe sind.

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“Früher aßen wir hauptsächlich Weizen, tagein, tagaus”, erzählt Itataku. “Nun aber können wir durch die Bewässerung auch die Gemüsesorten anbauen, mit denen Menschen für Menschen uns vertraut gemacht hat.”

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Familie bleibt vereint

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Auf dem Viertelhektar Land, wo früher nur Weizen stand, pflanzt die Familie jetzt neben Mais auch Tomaten, Kohl und Chili, die Ehemann Abeno auf dem Markt verkaufen will. Mit besonderer Sorgfalt hegt und pflegt er vor allem die sechs Apfelbäumchen, die er von der Äthiopienhilfe erhalten hat und die bald die ersten Früchte hervorbringen. “Ich bin gespannt. Ich habe noch nie einen Apfel gegessen”, erzählt Abeno.

Äpfel sind in der Gegend wenig bekannt, gelten als besonderer Luxus und erzielen  entsprechend  gute  Preise  auf  dem Markt. Allein durch den Verkauf von Teilen seiner Gemüseernte rechnet Abeno mit einem Verdienst von über 200 Euro. “Dafür hätte ich auf den Sesamfeldern von Gondar über drei Monate arbeiten müssen”, rechnet der Bauer vor. “Aber jetzt kann ich zum Glück bei meiner Familie bleiben und meine Tochter aufwachsen sehen.” Itataku lächelt, nimmt einen Plastikkrug mit Wasser und wäscht Wenischet zärtlich das Gesicht.

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Quell der Freude

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Borecha
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Zahlreiche Einwohner packen mit an, wenn Menschen für Menschen für sicheres Trinkwasser sorgt: Wir waren beim Bau eines Brunnens im Projektgebiet Borecha dabei.

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In einem Tälchen unterhalb des Dorfes Wondebiyu ist Muskelkraft gefragt. Eine Gruppe von Männern senkt mit Hilfe eines Gerüsts einen Betonring auf einen Brunnenschacht. Die Ringe haben einen Durchmesser von einem Meter und sind 50 Zentimeter hoch. Es ist der zehnte und letzte Ring, der gesetzt werden muss: In einer Tiefe von fünf Metern schimmert der Wasserspiegel – manche Brunnen der Äthiopienhilfe sind sogar bis zu 14 Meter tief.

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Eineinhalb Monate lang gruben die Bauern mit Hacken und Schaufeln, angeleitet von den Fachleuten von Menschen für Menschen, bis sie auf Grundwasser stießen. Von der Äthiopienhilfe beauftragte Maurer gossen die Betonringe, um den Schacht auszukleiden, an Ort und Stelle. Die Maurer haben auch die Aufgabe, den Schacht mit einer Betondecke zu versiegeln, auf der die Handpumpe installiert wird.

Zunächst muss aber die Bevölkerung den Schotter aus einem Fluss herbeischleppen, mit dem der Hohlraum zwischen Schachtwand und Betonringen aufgefüllt wird. Auch das Innere der Ringe wird mit Steinen und Kies gefüllt.

Künftig werden sich knapp 200 Menschen aus dem Brunnen mit sauberem Wasser versorgen. Eine davon ist Zeituna Hassan, 31, Mutter von vier Kindern. Noch schöpft sie trübes Wasser aus einer Pfütze unweit der Brunnenbaustelle; neben ihr säuft ein junges Rind. “Meine Kinder haben oft Durchfall, Bauchweh und er brechen sich. Ich freue mich so, dass das bald vorbei sein wird”, sagt die Frau und blickt hinüber zu der Brunnen-Baustelle: “Die Zukunft unserer Kinder wird besser.”

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Hoffnung für Dano

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Dano
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Malaria, verschmutztes Wasser, Nahrungsmangel: Für die Bauernfamilien im ländlichen Distrikt Dano ist das Leben sehr hart. Doch das Potenzial für ein besseres Dasein ist groß. Durch unsere Unterstützung erhalten die Bauern die Chance, ihre Ernten binnen weniger Jahre zu vervielfachen.

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Toleschi Turi aus dem Dorf Waji schöpft Wasser aus einem verdreckten Wasserloch.

Plastikschuhe kosten auf dem Markt 15 Birr, umgerechnet 57 Cent – viel Geld für Halea Tadschi. Meist geht die 26-Jährige barfuß, um ihr einziges Paar zu schonen. Aber auch wenn sie die Schuhe trägt, spürt sie die kantigen Steine der Schotterwege unter den dünnen Sohlen bei jedem Schritt.
Halea Tadschi wandert ins Dorf Ajeru. Dort kauft sie mit ihrem mühsam ersparten Geld 25 Kilogramm Mais. Die junge Frau bindet sich den Mais sack mit einem Tuch auf den gebeugten Rücken und marschiert in die acht Kilometer entfernte Stadt Ijaji.

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Dort verkauft sie den Mais für 95 Birr; eingekauft hat sie ihn für 90 Birr. Einen halben Tag voller Strapazen bringen ihr also fünf Birr, 19 Cent. Selbst in Äthiopien ist das ein Kleinbetrag: Drei mal müsste sie die Tour gehen, wenn sie ein neues Paar der billigen Plastikschuhe vom Markt kaufen wollte.

“Ich habe keine andere Möglichkeit, etwas zu verdienen”, sagt die junge Frau auf dem Gehöft der Familie im Dorf Oborsa. An ihrer Schulter schläft Adjibu, eineinhalb Jahre alt, der Kleinste. Der vierjährige Umar und der sieben Jahre alte Elmadin fragen ständig nach Essen. Die Familie baut Mais an, aber das Feld ist zu klein. In den Monaten vor der Ernte müssen die letzten Vorräte rationiert werden. Die Eltern lassen häufig eine Mahlzeit aus, damit die Kinder mehr essen können: “Das ist hart, weil wir schwer arbeiten müssen.” Wenn es ganz knapp wird, müssen auch die Kinder mit leerem Magen einschlafen: “Manchmal essen wir nur einmal am Tag.”

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“Ich habe die Schule abgebrochen, um meiner Mutter auf dem Hof zu helfen. Drei Mal am Tag hole ich Wasser an einem 30 Minuten entfernten Wasserloch. Ich hoffe darauf, dass unser Leben durch Menschen für Menschenleichter wird. Dann kann ich wieder zur Schule. Ich möchte Lehrerin werden.”

Toleschi Turi, 15, aus dem Dorf Waji im Projektgebiet Dano
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Geschwächte Gesundheit

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Die Lebensumstände der Familie sind nichts Ungewöhnliches in Dano. Der Distrikt mit knapp 115.000 Einwohnern liegt rund 230 Kilometer westlich der Hauptstadt Addis Abeba. Hier hat Menschen für Menschen im Jahr 2013 ein neu es Entwicklungsprojekt begonnen.

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Unsere Hilfe in Dano: In der ersten Projektphase bis zum Jahr 2017 hat Menschen für Menschen in Dano unter anderem die Umsetzung folgender Maßnahmen vorgesehen.

“Zwei von drei Familien müssen ihre Nahrung rationieren”, sagt Esrael Asfaw, der Projektleiter von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe in Dano.

Vor Beginn des Entwicklungsprojekts befragten unsere äthiopischen Mitarbeiter 292 Familien über ihre Lebensumstände. 69 der Familien hatten in den vergangenen zwölf Monaten Nachwuchs bekommen. Sieben der Säuglinge waren im ersten Lebensjahr gestorben – jeder zehnte. Die Todesursachen sind bei Babys ähnlich wie bei der Gesamtbevölkerung: Die Menschen sterben vor allem an Malaria.

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Daneben fordern Lungenentzündungen und durch kontaminiertes Wasser verursachte Diarrhöe zahlreiche Todesopfer – das Immunsystem der Menschen ist aufgrund der mangelhaften Ernährung und der hygienischen Umstände geschwächt. Auch die Kinder von Halea Tadschi leiden etwa einmal im Monat an Magen-Darm-Erkrankungen. “Ich muss das Wasser unten am Fluss holen”, sagt die Mutter.

“Mehrmals am Tag gehe ich eine halbe Stunde, um einen großen Kanister zu füllen.” Sie weiß, dass sie das Wasser abkochen müsste. “Aber ich habe einfach keine Zeit und Kraft, soviel Brennmaterial herbeizuschaffen.” Es gibt kaum noch Wald, schon jetzt betreibt sie ihr offenes Kochfeuer mit trockenen Maisstängeln. Der dichte Qualm beißt in den Augen, verursacht Husten. Neben der Feuerstelle steht das aus Bambus zusammengebundene Bett der Eheleute. Die größeren Kinder schlafen im Vorderraum der Hütte auf einem Strohsack. Dort hat auch das Vieh seinen Platz. “Unsere einzige Kuh mussten wir verkaufen, um Saatgut und Kunstdünger zu kaufen”, sagt Halea Tadschi.

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Das Potenzial ist riesig

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Weder sie noch ihr Ehemann waren je in einer Schule. Sie erwirtschaften nur ein winziges Einkommen, trinken schmutziges Wasser, ernähren sich überwiegend von Mais und haben auch davon zu wenig: Wie sieht wirksame Hilfe angesichts so grundlegender Probleme aus? “Wir müssen Brunnen graben und Quellen fassen”, sagt Projektleiter Esrael. “Vor allem aber müssen wir Wissen bringen. Wir wollen die Menschen schulen, wie sie größere Ernten bekommen. Es gibt genug Regen: Das Potenzial ist riesig!” Ohne die Verbesserung der Land Wirtschaft seien alle anderen Maßnahmen wie Schulbauten vergebliche Mühe. “Mit verbessertem Saatgut bekommen die Bauern die Chance, ihre Ernten in den kommenden Jahren zu verdrei- oder vervierfachen.”

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Erfolg ist ansteckend

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Elias Kadir baut gleichzeitig verschiedene Anbau- produkte auf dem gleichen Stück Land an. So wird er seinen Ertrag beträchtlich steigern.

Entwicklungsberater der Äthiopienhilfe gehen in alle 42 Dörfer des Distrikts und arbeiten dort mit sogenannten Modellbauern zusammen. “Das sind Pioniere, die wissbegierig sind und als Erste neue Techniken ausprobieren”, erklärt der Projektleiter. Ihr Erfolg soll ansteckend wirken: “Die anderen Dorfbewohner werden die neuen Anbauprodukte und Methoden übernehmen.”

Ein paar Hundert Meter vom Gehöft von Halea Tadschis Familie entfernt liegt der Hof von Modellbauer Elias Kadir.

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Gerade hat er eine Latrine errichtet, wie von Menschen für Menschen empfohlen. “Wenn alle Familien eine Latrine benutzen, ist die Gefahr geringer, dass Krankheitserreger in Bäche gelangen”, sagt Elias Kadir. Dann führt er die Besucher stolz zu seinem neuangelegten Waldfeldbau.

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Die Menschen sind fleißig

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Von Elias Kadirs Erfolg hat auch Halea Tadschi gehört.  “Ich  gebe  zu:  Wir  hatten  unsere Zweifel,  als  die  fremden  Experten  zu  uns kamen”, sagt sie auf der Schwelle ihres Hauses. “Sie sagten, sie wollten uns helfen. Aber wir fragten uns, ob sie nicht ihren eigenen Vorteil suchten. Nun aber denke ich, wir sollten uns auf ihre Ideen einlassen.”

Einige davon zeigt Projektleiter Esrael Asfaw auf: “Halea Tadschi kann an unserem Kleinkreditprogramm teilnehmen.” Ihr Gehöft liegt verkehrsgünstig an einer Schotterstraße, es kommen viele Fußgänger auf ihrem Marsch in die Stadt daran vorbei. “Mein Traum war es schon  immer,  einen  kleinen  Laden  aufzumachen, aber bislang fehlte mir immer das Startkapital für den Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs”, sagt sie. Oder sie könnte mit dem Kredit Vieh kaufen, mästen und mit gutem Verdienst  veräußern.  “Die Menschen sind fleißig. Aber ihnen fehlten bislang die Bedingungen, etwas aus ihrem Fleiß zu machen”, erklärt Projektleiter Esrael Asfaw. “Wir zeigen ihnen Wege auf, sich selbst aus der Armut herauszukämpfen.”

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Die Stiftung Menschen für Menschen - Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe ist eine öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie wird beim Finanzamt München unter der Steuernummer 143/235/72144 geführt und wurde zuletzt mit Bescheid vom 11. Juni 2018 wegen Förderung steuerbegünstigter Zwecke von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit und somit als gemeinnützige Organisation anerkannt.