Ein Zeichen für die Frauen
Land & Leute
Nicht nur besetzte der Vorsitzende der regierenden Parteienkoalition Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF) sein Kabinett paritätisch mit Frauen. Auch hat sein weibliches Führungspersonal durchaus wichtige Ämter inne: etwa das Friedensministerium, dem die föderale Polizei und die Geheimdienste unterstehen, das Verteidigungsministerium und das Ministerium für Handel und Industrie sind in Frauenhand.
Mit Sahle-Work Zewde bekleidet zudem eine politisch überaus erfahrene Frau das Amt der Staatspräsidentin. Die 69-Jährige war bereits Vertreterin der Afrikanischen Union und als Botschafterin in Frankreich, Dschibuti sowie im Senegal tätig. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schreibt der Stabschef des Premiers: “In einer patriarchalen Gesellschaft wie der unsrigen ist die Ernennung einer Frau zum Staatschef nicht nur zukunftsweisend, sondern etabliert auch Frauen als Entscheidungsträger in der Öffentlichkeit”.
Neue Generation von Politikerinnen
Ein Abbild der äthiopischen Gesellschaft? Leider (noch) nicht ganz. Denn das weltweite Netz spuckt auch sehr ernüchternde Berichte über die Rolle der Frau in einer männergeprägten Gesellschaft aus. Etwa das Ergebnis einer Studie der Regierung Äthiopiens, wonach rund 35 Prozent der verheirateten Frauen im ganzen Land von sexueller, emotionaler oder körperlicher Gewalt seitens ihrer Ehemänner berichten – eine Behandlung, die sie meist sogar als “normal” empfinden.
Äthiopiens Frauen fordern ihre Rechte ein
Die feministische Bewegung “Setaweet” (zu Deutsch: Von der Frau) verteilt Bücher, in denen die Emanzipation von Frauen anhand von Karikaturen erklärt wird. Beide Organisationen hatten es anfänglich nicht leicht, entweder sie wurden nicht ernst genommen oder gar mit Missgunst gestraft. Heute erfreut sich deren Anliegen wachsender Beliebtheit.
Bildungsangebote für Frauen im ländlichen Äthiopien
Augenfällig ist die Stadt-Land-Diskrepanz in der Diskussion um Gleichberechtigung. Laut der gelben Bewegung müssten Studentinnen vom Land aufgeklärt werden, denn dort herrsche immer noch die Überzeugung, Frauen seien Menschen zweiter Klasse. Literatur zum Thema Gleichberechtigung gibt es zumeist in Englisch – eine Sprache, die im ländlichen Äthiopien nicht üblich ist. Zumal gerade auf dem Land viele überhaupt nicht lesen und schreiben können.
An dieser Stelle kommen Bildungsangebote – etwa die von Menschen für Menschen – ins Spiel. Wir bauen Schulen, damit Kinder unter menschenwürdigen Bedingungen lernen können, bieten Alphabetisierungskurse für Erwachsene oder praktische Handwerkskurse für Frauen. Mithilfe von Mikrokrediten können sich Frauen etwa einen kleinen Laden finanzieren und ein eigenes Einkommen erwirtschaften. All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Rolle der Frauen und jungen Mädchen im ländlichen Äthiopien zu festigen. Sie stärken das Selbstbewusstsein und machen sie finanziell unabhängig.