Kaffee als Friedensstifter

Kaffee kochen ist ausschließlich Frauensache

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von | Jun 30, 2018 | Kulinarik

Das Leben in den Dörfern Äthiopiens ist voller Strapazen. Eine Pause bietet die tägliche Kaffeezeremonie – ohne dieses Ritual ist der Alltag für die Bauernfamilien nicht denkbar.

Die wichtigsten Güter auf den Landmärkten Äthiopiens sind Getreide, Hülsenfrüchte – und Kaffee. In der Kleinstadt Katchisi beispielsweise werden die grünen, von der Schale befreiten Bohnen zum zehnfachen Preis von Weizen und Mais gehandelt. Ein Kilogramm Kaffee kostet umgerechnet rund fünf Euro. Weil kaum jemand so viel Geld auf einmal hat, werden die Bohnen mit Hilfe von Schnapsgläsern portioniert. Diese kleine Menge reicht für die tägliche Kaffeezeremonie aus.

Instantkaffee, Filterkaffee oder Espresso? In Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffees, ist das für die Landbevölkerung keine Frage: Dort wird der schwarze Sud seit Jahrhunderten auf die gleiche, ritualisierte Art gebraut.

Kaffee kochen ist ausschließlich Frauensache. Zunächst entfacht die Frau des Hauses oder eine Tochter ein Feuer in einem Stövchen. Auf der glühenden Holzkohle werden die grünen Bohnen in einer flachen Schale geröstet. Familienmitglieder und Besucher sitzen im Halbkreis. Sie genießen den Geruch, es verbreitet sich eine friedliche Stimmung. Wenn die Bohnen perfekt geröstet sind, geht die Gastgeberin mit der Pfanne herum, alle Besucher fächeln sich den Duft zu – und loben die Qualität der Bohnen mit einem Nicken des Kopfes. Dann zerstampft die Kaffeeköchin sie mit einem Stößel in einem Mörser.

Äthiopischer Kaffee hat einen ganz besonderen Geschmack
Kaffeezeremonie im Freien, gereicht mit Obst
Auch das Einschenken dea Kaffees will gelernt sein
Kaffeezeremonie unter Freundinnen
Kaffeezeremonie als gesellschaftliches Ereignis
Weihrauch darf bei keiner Kaffeezeremonie fehlen

Die noch grünen Kaffeebohnen werden geröstet. Die Menschen sitzen zusammen und genießen die Gesellschaft. Das geschickte Einschenken des Kaffees ist ein wichtiger Teil der Zeremonie. Auch Weihrauch gehört zu den geheimen Zutaten der äthiopischen Kaffeezeremonie.

Eine Jabana, eine Kanne aus Ton, wird auf die Holzkohle gestellt. Wenn das Wasser darin kocht, gibt die Köchin das relativ grobe Kaffeepulver durch den langen Kannenhals. Auch streut sie einige Körnchen Weihrauch auf die Holzkohle: Dieser spezielle Duft nach Kohle, Kaffee und Weihrauch verbindet wohl jeder Äthiopienreisende sein Leben lang mit dem Land.

Serviert wird der Kaffee in kleinen, henkellosen Mokkatassen. Geschickt schenkt die Köchin das Gebräu aus einer Höhe von zwanzig bis dreißig Zentimetern in einem Guss in die nebeneinanderstehenden Tässchen. Es gehört sich, drei Tassen zu trinken. Die erste Tasse soll Gesundheit und Genuss dienen. Während der zweiten Tasse ist die Zeit gekommen, um Konflikte und Probleme zu besprechen. Die dritte Tasse schließlich soll Segen bringen.

Die Kaffeezeremonie hat nicht nur eine sinnliche und meditative Kraft, sondern ist auch ein höchst soziales Ritual.

Menschen für Menschen verteilt in seinen Projektgebieten Kaffeesetzlinge
Kaffeebohnen liegen zum Trocknen aus

Bauern in unseren Projektgebieten erhalten u.a. Kaffeesetzlinge zum Anbau in ihren Gärten und auf den Feldern. Mit der Ernte können sie ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften.

So hat der Kaffee eine besondere Bedeutung im Alltag und ist das wichtigste Handels- und Exportgut Äthiopiens.

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