Eine Quelle für Dano
Andere Menschen aus ihrem Dorf hatten weniger Glück. Meseret Terefe, 18, erzählt von ihrem Vater, der vor etwa fünf Jahren dieselben Symptome wie Almaz zeigte. „Es wurde immer schlimmer, also brachten wir ihn in ein Krankenhaus“, sagt sie. Mehr als zwei Stunden dauerte es, bis der Ambulanzwagen die nächste größere Stadt erreicht hatte. „Die Ärzte versuchten, ihn zu retten, aber sie haben es nicht geschafft.“ Als ihr Vater starb, war Meseret 13 Jahre alt.
42 Prozent haben kein sauberes Trinkwasser
Eine Situation, wie man sie vielerorts im ländlichen Äthiopien vorfindet.
Insgesamt haben 42 Prozent der 102 Millionen Menschen im Land kein sauberes Wasser in erreichbarer Nähe. Über 70 Prozent stehen keine hygienischen Sanitäranlagen zur Verfügung. In Dano war die Lage bis vor wenigen Jahren jedoch besonders dramatisch: Der Anteil der Menschen mit Zugang zu sauberem Wasser lag zu Beginn der Intervention von Menschen für Menschen bei nur 15 Prozent. Weil es kaum Wasserstellen gab, bedienten die Menschen sich aus trüben Tümpeln, Flüssen oder offenen Quellen. Die Folge: Bakterien, Viren oder Parasiten werden übertragen und rufen schwere Erkrankungen hervor. Vor allem bei Kindern führen diese nicht selten zum Tod. Einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sterben jährlich weltweit mehr als 2,2 Millionen Kinder unter 14 Jahren, weil sie verschmutztes Wasser trinken. Zur Erinnerung: 2010 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser zum Menschenrecht erklärt.
Die Krankheiten sind besiegt
Kosten werden geteilt
Etwa 100 Haushalte aus Kara sind dem Verein beigetreten, der die neue Wasserstelle in Eigenregie betreibt. Jeder Haushalt zahlt 60 Birr im Monat, umgerechnet 2,50 Euro, auf ein Gemeinschaftskonto ein. Dafür dürfen die Mitglieder der Familie Wasser holen, Kleidung waschen und duschen. Wer nicht Mitglied ist, darf die Wasserstelle nur gegen ein kleines Entgelt nutzen. Fünf Birr, umgerechnet 20 Cent, zahlt man in diesem Fall für die Nutzung der Dusche.
„Die Kosten werden nicht für das Wasser, sondern für die Instandhaltung der Anlage erhoben“, sagt Tesfa. Ein gewähltes WaSHKomitee (WaSH steht für „Water, Sanitation and Hygiene“), bestehend aus vier Frauen und drei Männern prüft die Zahlungen und kümmert sich um Wartung und Reparatur der Anlage. Im Moment tropft zum Beispiel einer der drei Wasserhähne. Für rund 50 Birr, umgerechnet rund zwei Euro, wird das Komitee einen neuen Dichtungsring kaufen müssen. Die Reparatur können sie selbst vornehmen. Nach einem viertägigen Training können sie leichte Arbeiten an der Anlage ausführen. Bei aufwändigeren Reparaturen bestellen sie einen Handwerker oder wenden sich an die Mechaniker von Menschen für Menschen. 112 Mitglieder von Wasserkomitees hat die Stiftung in Dano bisher geschult. „Die Komitees gewährleisten den langfristigen Betrieb der Wasserstellen“, so Tesfa.