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Eine Quelle für Dano

Schwerpunkt: Wasser
Projektgebiet: Dano
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Wassermangel und fehlende Sanitäranlagen kosten jedes Jahr Millionen Menschen das Leben. Vor allem Kinder fallen „wasserbasierten Krankheiten“ zum Opfer. Um die Situation im ländlichen Äthiopien zu verbessern, baut Menschen für Menschen Brunnen, Quellfassungen und sanitäre Einrichtungen. Ein Besuch in der Projektregion Dano.

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Treffpunkt Quellfassung: Lidia Demisa und ihr Sohn Firahol holen Wasser.
Treffpunkt Quellfassung: Lidia Demisa und ihr Sohn Firahol holen Wasser.
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Lidia Demise erzählt von ihrer Tochter Almaz. Vor ein paar Jahren wurde das Mädchen so krank, dass alle glaubten, sie würde sterben. “Selbst der Sanitäter, den wir riefen, machte uns keine Hoffnung”, sagt die 46-Jährige. Es hatte mit heftigen Magen-Darm-Schmerzen angefangen, bald folgten Durchfall, Erbrechen, Fieber. Almaz verlor rapide an Gewicht, lag tagelang apathisch in ihrem Bett. Dann die Wende: “Eines Tages ging es auf einmal langsam wieder bergauf”, sagt Lidia. Wie ihre Tochter die Krankheit überlebte, kann sie sich nicht erklären. “Es war wie ein Wunder.”

Andere Menschen aus ihrem Dorf hatten weniger Glück. Meseret Terefe, 18, erzählt von ihrem Vater, der vor etwa fünf Jahren dieselben Symptome wie Almaz zeigte. “Es wurde immer schlimmer, also brachten wir ihn in ein Krankenhaus”, sagt sie. Mehr als zwei Stunden dauerte es, bis der Ambulanzwagen die nächste größere Stadt erreicht hatte. “Die Ärzte versuchten, ihn zu retten, aber sie haben es nicht geschafft.” Als ihr Vater starb, war Meseret 13 Jahre alt.

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42 Prozent haben kein sauberes Trinkwasser

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In dem abgelegenen Dorf Kara, rund 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba, kann fast jede Familie eine ähnliche Geschichte erzählen. “Wir haben die Situation im Dorf im vergangenen Jahr analysiert”, sagt Tesfa Lidet, Projektmanager bei Menschen für Menschen. Das Ergebnis: Im Durchschnitt wurde jede Familie im Dorf viermal im Jahr von Magen-Darm-Krankheiten heimgesucht. “Vieles spricht dafür, dass schmutziges Wasser und mangelnde Hygiene für die Häufung der Fälle verantwortlich sind”, so Tesfa. So schöpften alle Dorfbewohner ihr Wasser über viele Jahre aus einer offenen Quelle am Ortsrand, während nebenan das Vieh trank. In vielen der einfachen Behausungen laufen die Hühner schon mal mitten durch die Küche. Und sanitäre Anlagen sind eine Seltenheit.

Eine Situation, wie man sie vielerorts im ländlichen Äthiopien vorfindet.

Insgesamt haben 42 Prozent der 102 Millionen Menschen im Land kein sauberes Wasser in erreichbarer Nähe. Über 70 Prozent stehen keine hygienischen Sanitäranlagen zur Verfügung. In Dano war die Lage bis vor wenigen Jahren jedoch besonders dramatisch: Der Anteil der Menschen mit Zugang zu sauberem Wasser lag zu Beginn der Intervention von Menschen für Menschen bei nur 15 Prozent. Weil es kaum Wasserstellen gab, bedienten die Menschen sich aus trüben Tümpeln, Flüssen oder offenen Quellen. Die Folge: Bakterien, Viren oder Parasiten werden übertragen und rufen schwere Erkrankungen hervor. Vor allem bei Kindern führen diese nicht selten zum Tod. Einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sterben jährlich weltweit mehr als 2,2 Millionen Kinder unter 14 Jahren, weil sie verschmutztes Wasser trinken. Zur Erinnerung: 2010 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser zum Menschenrecht erklärt.

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Die Krankheiten sind besiegt

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“Die Wasserversorgung und die Hygienesituation zu verbessern, gehörte von Anfang an zu unseren wichtigsten Zielen im neuen Projektgebiet”, sagt Tesfa. Derzeit baut oder repariert Menschen für Menschen in Dano rund 100 Wasserstellen. Das Ziel: Den Anteil der Menschen, die in der Region Zugang zu Trinkwasser haben, bis Ende 2017 von 15 auf 50 Prozent zu heben. In rund 3.700 Haushalten sollen zudem Trockentoiletten eingeführt werden. “Der Erfolg dieser Maßnahmen ist zentral für den Erfolg unserer Arbeit in der Region insgesamt”, so Tesfa. In Kara jedenfalls gehören die häufigen Krankheitsfälle bereits der Vergangenheit an.

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Im letzten Jahr errichtete Menschen für Menschen hier eine moderne Quellfassung. In einem eingezäunten Areal können die Dorfbewohner seither sauberes Quellwasser zapfen. Was sie nicht entnehmen, sammelt sich in einem Becken, groß wie ein Swimmingpool. Von hier aus lässt es sich in eine Tränke oder auf die umliegenden Felder leiten. Die Wasserstelle umfasst zudem einen Waschplatz für Kleidung sowie einen Verschlag, in dem zwei einfache Gartenduschen installiert sind. “An das Duschen mussten meine Kinder sich ein bisschen gewöhnen”, sagt Lidia Demise. “Aber jetzt finden sie es ganz wunderbar – und ich auch.” Dann verschwindet sie lächelnd mit ihrem fünfjährigen Sohn Firahol in dem Verschlag aus Wellblech, in dem die ersten Duschen von Kara zu finden sind.

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Kosten werden geteilt

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Etwa 100 Haushalte aus Kara sind dem Verein beigetreten, der die neue Wasserstelle in Eigenregie betreibt. Jeder Haushalt zahlt 60 Birr im Monat, umgerechnet 2,50 Euro, auf ein Gemeinschaftskonto ein. Dafür dürfen die Mitglieder der Familie Wasser holen, Kleidung waschen und duschen. Wer nicht Mitglied ist, darf die Wasserstelle nur gegen ein kleines Entgelt nutzen. Fünf Birr, umgerechnet 20 Cent, zahlt man in diesem Fall für die Nutzung der Dusche.

“Die Kosten werden nicht für das Wasser, sondern für die Instandhaltung der Anlage erhoben”, sagt Tesfa. Ein gewähltes WaSHKomitee (WaSH steht für “Water, Sanitation and Hygiene”), bestehend aus vier Frauen und drei Männern prüft die Zahlungen und kümmert sich um Wartung und Reparatur der Anlage. Im Moment tropft zum Beispiel einer der drei Wasserhähne. Für rund 50 Birr, umgerechnet rund zwei Euro, wird das Komitee einen neuen Dichtungsring kaufen müssen. Die Reparatur können sie selbst vornehmen. Nach einem viertägigen Training können sie leichte Arbeiten an der Anlage ausführen. Bei aufwändigeren Reparaturen bestellen sie einen Handwerker oder wenden sich an die Mechaniker von Menschen für Menschen. 112 Mitglieder von Wasserkomitees hat die Stiftung in Dano bisher geschult. “Die Komitees gewährleisten den langfristigen Betrieb der Wasserstellen”, so Tesfa.

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Meseret Terefe gibt ihrem Sohn Amanuel sauberes Trinkwasser damit er gesund bleibt.

Meseret Terefe, die ihren Vater als junges Mädchen verlor, ist heute mit ihrem zweijährigen Sohn Amanuel gekommen, um Wasser zu holen. Das Kind spaziert barfuß in einer kleinen Pfütze, während die Mutter einen großen gelben Kanister mit Wasser füllt. Sie wird es Amanuel zu trinken geben. Er wird leben.

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Die Stiftung Menschen für Menschen - Karheinz Böhms Äthiopienhilfe ist eine öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie wird beim Finanzamt München unter der Steuernummer 143/235/72144 geführt und wurde zuletzt mit Bescheid vom 11.Juni 2018 wegen Förderung steuerbegünstigter Zwecke von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit und somit als gemeinnützige Organisation anerkannt.