Selbstgewebte Zukunft
Abgeschlossenes Projektgebiet Wore Illu (2014 - 2023)
In der abgeschiedenen, ländlichen Region reicht das wenige fruchtbare Land kaum aus, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Viele Familien leiden Hunger. Arbeit gibt es in der Regel nur auf dem Feld und im Haus der eigenen Familie – darüber hinaus haben junge Menschen wenig Möglichkeiten, selbst Geld zu verdienen.
Doch ihr Traum, in Saudi-Arabien der eigenen Misere endlich zu entkommen, ging nicht in Erfüllung. Woche um Woche litt Aysha in der Fremde mehr, die Sehnsucht nach ihrem Sohn fraß sie auf. „Ich wurde depressiv“, erinnert sie sich.
Perspektiven in der Heimat schaffen
Im Herbst 2013 verbot die äthiopische Regierung die Auswanderung gering Qualifizierter in den Nahen Osten. Zuvor häuften sich Meldungen über Misshandlungen der Frauen. Saudi Arabien, eines der beliebtesten Zielländer, hatte außerdem mehrere Tausend illegale äthiopische Arbeitskräfte ausgewiesen. Trotzdem verlassen bis heute noch viele äthiopische Menschen ihr Heimatland. Sie sehen keinen anderen Ausweg aus ihrer Armut.
Hier setzt Menschen für Menschen an. In enger Abstimmung mit den lokalen Behörden hat das Entwicklungsteam der Äthiopienhilfe Menschen wie Aysha ausgemacht – desillusionierte Rückkehrende aus dem Ausland, aber auch junge Leute, die sich, aus welchen Gründen auch immer, bislang noch nicht aufgemacht haben und oft im Nichtstun verharren.
Unabhängig werden
Er war ein guter Schüler, doch in Hochecho reichte die Schule damals nur bis zur 8. Klasse. Undenkbar für ihn, den langen Fußmarsch zur nächstgelegenen weiterführenden Schule zu bewältigen. Fünf Jahre lang blieb Kedir daraufhin zu Hause, half seinen Eltern, so gut es ging, auf dem Feld und beim Versorgen der Tiere. Arbeit anzunehmen, bei der er schwer heben oder weit hätte laufen müssen, war für ihn unmöglich.
Teppiche weben statt Wälder abholzen
Das Jobtraining von Menschen für Menschen bot Yeshi eine Alternative. Während des einmonatigen Webkurses erhielt sie wie alle anderen Teilnehmenden umgerechnet 90 Euro, weil sie in dieser Zeit nichts verdienen konnte. Das Geld reichte, um sogar noch ein Schaf und einige Hühner anzuschaffen. Mit dem Verkauf der Eier kann Yeshi für ihre Kinder und sich sorgen und ihre 15-jährige Tochter Kemila kann endlich wieder regelmäßig zur Schule gehen.
Noch leben wie Yeshi alle Mitglieder der Teppichgruppe von solchen Nebenerwebstätigkeiten, die sie mithilfe von Menschen für Menschen aufbauen konnten. Für ihre Teppiche erhalten sie je nach Größe umgerechnet zwischen vier und 15 Euro. Den Großteil der Gewinne investieren sie in neue Wolle, Plastik oder andere Materialien auf dem Markt und vor allem sparen sie: 26.000 Birr, etwa 800 Euro, liegen bereits auf einem Bankkonto. „Wenn wir genug Geld haben, wollen wir einen Lieferwagen kaufen“, erzählt Yeshi. „Damit können wir unsere Produkte zu den größeren Märkten bringen, wo wir auch mehr verdienen.“
Ein großer Plan, doch die Teppichweber trauen sich zu, diesen umzusetzen. Das Jobtraining hat sie selbstbewusster gemacht. „Früher haben viele nicht einmal gewagt, ihre Meinung zu sagen. Heute fühlen sie sich sicher und stark.“, sagt die Sozialarbeiterin Zumra. Besonders stolz ist sie auf Yeshi, die nicht nur als Sprecherin der Gruppe Verantwortung übernimmt. „Früher haben mich häufig Zukunftssorgen geplagt“, sagt Yeshi. „Heute habe ich keine Angst mehr. Ich möchte, dass auch andere, denen es heute ähnlich geht wie mir früher, die gleiche Chance bekommen.“
Die nächste Generation