Die kluge Wirtin
„An guten Tagen nehme ich 300 Birr ein“, erzählt Almaz, umgerechnet zwölf Euro. „Das ist ein sehr guter Verdienst für mich: Früher war das mein Monatsgehalt!“ Bis vor sechs Jahren machte sie in Gebäuden der Distriktverwaltung sauber. „Über den ständigen Sorgen ums Geld ging meine Ehe kaputt“, erzählt Almaz. „Doch mit einem Kleinkredit von Menschen für Menschen änderte sich mein Leben radikal.“ 2.500 Birr erhielt sie, umgerechnet 100 Euro.
Auf Frauen wie Almaz ist Aster Tefera, 55, stolz. Zehn Jahre lang hat die Mitarbeiterin der Stiftung Menschen für Menschen in der heute abgeschlossenen Projektregion Illubabor das Kleinkreditprogramm aufgebaut und begleitet: „Die Frauen konnten kaum selbst Geld verdienen. Ihren Geschäftsgeist zu wecken gibt der Entwicklung im Gebiet einen großen Schub und hilft den Familien, da nun auch die Männer entlastet werden.“
Viele Geschäftsideen
Insgesamt haben in Illubabor rund 4.800 Frauen Kredite erhalten, mit denen sie ihre Geschäftsideen verwirklichen. Manche betreiben Kleinhandel mit Getreide, andere kaufen Vieh und mästen es, um es mit Gewinn wieder zu verkaufen. In den Kleinstädten eröffnen die Frauen Schneidereien, Läden, Teestuben und Restaurants. Nach zwei Jahren müssen sie ihren Kredit zurückgezahlt haben. Dann können sie einen neuen beantragen, um ihr Gewerbe zu erweitern.
Anfang 2013 hat sich Menschen für Menschen aus Illubabor zurückgezogen, Aster Tefera organisiert jetzt die Wirtschaftskraft der Frauen im neuen Projektgebiet Dano. Die Nachhaltigkeit des Programms in Illubabor ist derweil gesichert: „43 Spar- und Kreditgruppen, die von Menschen für Menschen initiiert wurden, wirtschaften nun selbständig weiter“, erklärt Aster Tefera.