Lernen für die Zukunft
Bücher müssen geteilt werden
409 Jungen und 308 Mädchen aus den umliegenden Dörfern besuchen die erste bis achte Klasse an der Schule im Projektgebiet Dano, das rund 200 Kilometer südwestlich von Addis Abeba liegt. Für sie gibt es sechs Klassenräume, 13 Lehrer, einen Rektor und seinen Vertreter. Selbst wenn alle Lehrkräfte da sind, reichen Personal und Räume nicht, um alle Schüler gleichzeitig zu unterrichten. Deshalb kommen sie in Schichten: Morgens die Erst- bis Viertklässler, nachmittags die Klassen fünf bis acht. Lehrbücher müssen sich die Schüler teilen, meist zu fünft. Abwechselnd nehmen sie die Bücher mit nach Hause. “Wir haben die Gruppen, die sich Hefte und Bücher teilen, bewusst zusammengestellt. In jedem Team gibt es immer mindestens einen sehr guten Schüler”, sagt Korani Fininsa, 28, die Naturwissenschaften unterrichtet. “So können sich die Schüler gegenseitig helfen.”
Der Baum wird zur Bibliothek
Der Staub, der krank macht
„Ich wollte aber unbedingt wieder zurück an die Schule, auch wenn ich wusste, dass es mir gesundheitlich dann wieder schlechter gehen würde“, erzählt sie und lächelt verlegen. Sie möchte in der Forschung arbeiten, wie ihr Vorbild Gebisa Ejeta. Der Genetiker, der wie sie aus einem Dorf im westlichen Zentraläthiopien stammt, züchtete eine Sorghum-Hirse, die besonders widerstandsfähig gegen Dürre und Schädlinge ist. 2009 wurde er dafür mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet. Für ihre Karriere geht Urge auch am Wochenende zur Schule. Dann finden kostenlose Nachhilfestunden statt. „Das ist der coolste Unterricht der ganzen Woche“, sagt sie. Auch die Lehrer wie Korani Fininsa kommen gerne. „Dann hole ich das auf, was ich unter der Woche nicht schaffe: einzeln auf Kinder eingehen.“
Mit der Not arrangieren
Bildung als Werkzeug