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Bildung in den Dörfern

Schwerpunkt: Bildung
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“Vor 20 Jahren gab es das Dorf, in dem ich jetzt unterrichte, noch gar nicht. Doch die Bevölkerung von Äthiopien wächst, also siedeln die Menschen auch in abgelegenen und wenig fruchtbaren Gegenden. Heute besuchen 597 Kinder die von Menschen für Menschen gebaute Schule, manche nehmen dafür lange Fußmärsche auf sich. In dem soliden Gebäude ist Unterricht viel besser möglich als in den Holzhütten, die in vielen Dörfern als Schulen dienen. Leider versteht hier draußen nicht jeder, wie wichtig Bildung ist. Viele Eltern wollen, dass ihre Söhne und Töchter auf dem Hof mithelfen, statt zu lernen. Also besuchen wir die Leute und erklären ihnen, dass ein Schulabschluss ihren Kindern große Chancen eröffnet.

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Abdi Sorama und seine Frau Chuchu Hussein, die ebenfalls an der Hate Higher Primary School Amharisch und Environmental Science lehrt.

Deshalb sind wir hierhergekommen – meine Frau Chuchu Hussein und ich. Wir haben uns auf einem Lehrerseminar kennengelernt und wenig später geheiratet. Hier draußen müssen wir auf viele Annehmlichkeiten verzichten: Zur Wasserstelle läuft man eine halbe Stunde, es gibt keinen Strom, keine Geschäfte, keine Kneipe, keinen Fernseher.

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Wenn mal ein spannendes Fußballspiel läuft, kann ich nur hoffen, dass mein Radio Empfang hat. Was aber viel wichtiger ist: Hier können wir Wissen vermitteln – und so viel bewegen.”

–  Abdi Sorama, Lehrer an der Hate Higher Primary School

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Das Wunder von Agamisa

Schwerpunkt: Bildung
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Die Mehrheit der Mädchen und Jungen im ländlichen Äthiopien wird in maroden Häusern aus Holz und Lehm unterrichtet. Die schlechte Ausstattung erschwert das Lernen und mindert Bildungserfolge. Menschen für Menschen errichtet moderne Schulgebäude, die ein menschenwürdiges Lernen möglich machen. Nur so kann das “Recht auf Bildung” umgesetzt werden.

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Die Schulbibliothek in Agamisa gleicht eher einer Scheune.

Das Wunder von Agamisa beginnt an diesem Morgen, wie an jedem Wochentag, pünktlich um acht Uhr hinter brüchigen Lehmwänden. “Schulbibliothek” nennen sie diesen Raum, doch abgesehen von ein paar Alphabet-Plakaten und schiefen Bücherregalen an den Wänden erinnert er eher an eine Scheune.

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Steiniger Boden, kleine Fenster, nur durch die Tür fällt ein wenig Licht auf eine Szene, die es in Äthiopien selten zu sehen gibt: Auf einer wackeligen Bank sitzt Jemal Zeleke, neun Jahre alt, in einem verwaschenen Trainingsanzug, zwei Nummern zu groß. Er hat den Kopf in die Handflächen gebettet, seine Augen starren ins Leere. Jemal ist seit seiner Geburt fast blind. Nur hell und dunkel nimmt er schemenhaft wahr. Neben ihm sitzt Hawa Geleta. Sie ist ebenfalls neun Jahre alt. Ein türkisfarbenes Tuch rahmt ihr Gesicht mit dem leichten Silberblick ein. Schwarze Pupillen folgen jeder Bewegung im Raum. Hawa ist gehörlos. Sie kann nur mithilfe von Gestik, Mimik und ein wenig Gebärdensprache kommunizieren.

Auf der anderen Seite des staubigen Tisches steht, im weißen Kittel, Berhanu Workneh, 38, der Lehrer von Jemal und Hawa. An diesem Vormittag steht Englisch auf dem Stundenplan, also hat Berhanu eine Reihe von Worten an eine Tafel geschrieben, die er laut vorliest: “mother”, “father”, “brother”, “sister”. Während er spricht, macht er die passenden Zeichen in Gebärdensprache. So können ihm beide folgen: Hawa, die Lippen liest, Gesten folgt und sie imitiert. Und Jemal, der die Worte hört und nachspricht. Später nimmt er eine Punktschrift-Tafel und einen speziellen Griffel zur Hand und stanzt die Worte – von Hawas wachen Augen beobachtet – in Brailleschrift auf Papier. Jemal ist ein schüchterner Junge, aber auf Berhanus Frage nach seinen Lieblingsfächern weiß er sofort eine Antwort: “Englisch und Amharisch natürlich!”

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Berhanu Workneh unterrichtet Jemal (links) und Hawa in verschiedenen Fächern.
Berhanu Workneh unterrichtet Jemal (links) und Hawa in verschiedenen Fächern.
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Behinderungen sind tabu

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Der sehbehinderte Junge Jemal lernt Brailleschrift.

Ein blinder Junge und ein gehörloses Mädchen lernen gemeinsam Englisch, Amharisch oder Mathematik – das ist das “Wunder” von Agamisa. “Viele dieser Kinder sind in den Schulen sich selbst überlassen”, sagt Berhanu Workneh, der eine spezielle Ausbildung für den Unterricht von Sehbehinderten und Hörgeschädigten absolviert hat.

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“Sie sitzen dann in der Ecke herum und können sich nicht beteiligen. Oft kommt es auch vor, dass die Eltern sie gar nicht erst in die Schule gehen lassen.”

Studien der Weltgesundheitsorganisation zufolge leiden mehr als 17 Prozent der Menschen in Äthiopien an körperlichen oder geistigen Einschränkungen – oft als Folge von Krankheiten, Unternährung, Krieg, Naturkatastrophen oder Unfällen. 85 Prozent dieser Menschen leben auf dem Land, 95 Prozent in Armut. Die Zahl der Schulkinder mit besonderem Unterstützungsbedarf soll zwischen anderthalb und drei Millionen liegen. Die Zahlen beruhen auf Schätzungen, denn offizielle Statistiken sind kaum zu erstellen: Behinderungen und manche Krankheiten sind in den von Traditionen geprägten ländlichen Regionen Äthiopiens tabuisiert. Nicht selten werden die Betroffenen von den eigenen Familienmitgliedern versteckt. Es ist ein Leben im Umkreis des Elternhauses ohne Teilhabe an der Dorfgemeinschaft. Ohne Freundschaften. Viele der Betroffenen landen irgendwann als Bettler auf der Straße.

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Die hörgeschädigte Hawa lernt Gebärdensprache.

Ein Schicksal, dass auch Jemal und Hawa hätte drohen können. Ihr Glück ist, dass sie in der Nähe des Dorfes Agamisa in Borena leben. Denn diese Schule unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von vielen anderen in Äthiopien: Hier unterrichtet ein Mann, der Gebärdensprache und Brailleschrift beherrscht – und der gelernt hat, sein Wissen weiterzugeben.

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Von den mehr als 70 Schulen in der Region Borena bieten lediglich sechs Unterricht für sehbehinderte und hörgeschädigte Kinder an. Das ist zwar wenig, aber es ist ein Anfang, der die Macht hat, Wertvorstellungen zu beeinflussen: Warum sollte man Kinder mit Behinderungen isolieren, wenn selbst die Schule keine Mühe scheut, sie zu unterrichten? Die unmissverständliche Botschaft von Inklusion ist: Bildung muss für ausnahmslos alle da sein – auch für die Schwächsten.

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Marode Schulgebäude

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Die Klassenräume sind völlig marode und von Termiten zerfressen.

Was die Dorfschule von den meisten anderen Bildungseinrichtungen in der Provinz nicht unterscheidet, ist ihr Zustand. Das verrät schon ein kleiner Spaziergang über das weitläufige Gelände. Die Gebäude, aus Holz und Lehm errichtet, sind völlig marode und von Termiten zerfressen.

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Sie wurden vor 30 Jahren gebaut, als in dieser Gegend noch wesentlich weniger schulpflichtige Kinder lebten. Heute zählt die Schule knapp 1.000 Mädchen und Jungen in acht Jahrgängen. Unterrichtet wird im Schichtbetrieb: Die Klassen 1 bis 4 am Vormittag, die Klassen 5 bis 8 am Nachmittag. Doch das entspannt die Lage in den Klassenzimmern auch nicht: Je vier Jungen und Mädchen sitzen Schulter an Schulter auf Schulbänken, die eigentlich für zwei Personen konstruiert wurden.

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Lernen, wo Termiten und Sandflöhe hausen: Die alte Schule von Agamisa ist nicht nur viel zu klein, sondern auch völlig marode.

Gegen die Sandflöhe, die sie plagen, müssen die Schülerinnen und Schüler den nackten Lehmboden jede Woche erneut präparieren. Wasser, Dung und Heu, die sie dafür benötigen, bringen sie von zu Hause mit.

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Wer die Kinder und Jugendlichen hier sitzen sieht, dicht gedrängt, während Windböen Staubwolken durch die offenen Türen und Fenster tragen, fragt sich, wie sie sich auch nur einen Moment auf Mathe, Geschichte oder Biologie konzentrieren können.

“Viele Bauernfamilien stellen den Wert von Schulbildung leider immer wieder in Frage”, erklärt Belete Assefa, 31. Er ist seit drei Jahren Rektor der Dorfschule von Agamisa und musste schon viele Gespräche mit Eltern führen, die ihre Kinder lieber auf dem Feld als weiter auf der Schulbank sähen. Nach der 8. Klasse sowieso, am liebsten aber schon früher. Belete kennt ihre Argumente, seine eigenen Eltern wollten auch nicht, dass er eine weiterführende Schule, rund 30 Kilometer entfernt von zu Hause, besucht. “Sie sagten mir Papier und Stifte kannst du nicht essen!” Mit der Unterstützung eines Onkels setzte er sich durch. “Heute sind meine Eltern froh darüber, denn ich kann sie finanziell unterstützen.” Mit seiner Geschichte hat Belete schon so manchen Bauern überzeugt, seine Kinder zur Schule zu schicken. “Natürlich kann nicht jedes Kind Schulrektor werden”, sagt Belete. “Aber Bildung trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Sie hilft Menschen, ihre Wünsche und Ziele zu erkennen und für sie einzutreten. Deshalb ist Bildung zentral für Entwicklung.”

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Ein Schulplatz für jedes Kind

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Im Juli 2015 begann Menschen für Menschen die neuen Schulgebäude für die Kinder von Agamisa zu errichten.

Es wird Belete Assefa leichter fallen, die Eltern seiner Schüler zu überzeugen, wenn der Bau der neuen Schule von Agamisa abgeschlossen ist. Noch tönt ein rhythmisches Hämmern von dem Nachbargrundstück herüber, auf dem Menschen für Menschen moderne Schulgebäude errichtet, die die alten bald ersetzen sollen.

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Gemauerte Flachbauten mit stabilen Dachtrapezblechen und großen Fensterfronten, durch die das Sonnenlicht in die zwölf Klassenzimmer und den neuen Leseraum fallen wird. Hier wird jedes Kind einen eigenen Platz an einer der Schulbänke erhalten. Die Schultafeln werden um ein Vielfaches größer sein als die kleinen Quadrate, die an den Lehmwänden der alten Schule hängen. “Im Moment müssen die Lehrer ihre Notizen ständig wieder wegwischen, um etwas Neues an die Tafel zu schreiben”, sagt Belete. “Das erschwert es den Schülerinnen und Schülern, dem Stoff zu folgen.” Im Lauf des nächsten Jahres wollen sie die neuen Räume beziehen. Erfahrungsgemäß werden die Leistungen der Schüler dann steigen, die Abbrecherquote wird sinken. “Eltern schicken ihre Kinder lieber zur Schule, wenn sie modern und intakt ist”, weiß Belete.

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Früher war Jemal isoliert

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Seit Jemal zur Schule geht, lächelt er wieder. Das macht die ganze Familie glücklich.

Es ist Mittag geworden, und als Jemal und Hawa in der Schulbibliothek ihre Sachenpacken, stehen schon zwei Mädchen in der Tür. Toyba, 11, die Schwester von Hawa und Tsehaynesh, 13, die Schwester von Jemal. Wenig später machen sie sich auf den Weg.

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Toyba und Hawa laufen eine Dreiviertelstunde nach Hause. Tsehaynesh, Jemal und ihre sechsjährige Schwester Samira haben einen Fußweg von rund zwanzig Minuten vor sich. Dort, vor der Holzhütte, die ihr Zuhause ist, wartet die Mutter schon auf die Kinder. “Anfangs war ich skeptisch”, sagt Zinet Zeleke, 28, die – genau wie ihr Mann Seid – nie eine Schule besuchen konnte. “Ich konnte mir nicht vorstellen, was ihm der Unterricht bringen soll.” Die Familie hatte ein wenig Geld vom Staat erhalten – eine Art Sozialhilfe, die Eltern von Kindern mit Behinderung beantragen können. “Wir wollten davon einen kleinen Kiosk aufmachen, in dem Jemal hätte arbeiten können”, erzählt Zinet. “Er kann die Geldscheine nämlich auseinanderhalten.”

Dann, vor zwei Jahren kam die Nachricht, dass er in Agamisa speziellen Unterricht erhalten kann. Dass die Schule Jemals Leben völlig verändern würde, hätte die Familie nicht für möglich gehalten. “Früher war er sehr isoliert”, erinnert sich die Mutter. Die anderen Kinder sprachen kaum mit ihm, dem Sonderling, der stets am Rockzipfel hing. “Doch seit er zur Schule geht, spielen sie mit ihm und helfen ihm, wo sie können. Er wirkt jetzt wirklich glücklich.”

Manchmal bleibt Jemal dennoch lieber im Haus. Dann beugt er sich über Bücher aus der Bibliothek und fährt stundenlang mit den Fingern über die Texte in Brailleschrift, liest einfache Geschichten auf Englisch oder Amharisch, probiert sich an Sachtexten über Biologie oder Geschichte. “Er weiß jetzt schon mehr als seine Eltern”, sagt Zinet und lächelt. Als sie ihren Sohn Jemal neulich fragte, was er einmal werden will, kam die Antwort prompt: “Lehrer”. Denkbar, dass Jemal eines Tages sehbehinderte Kinder in der Schule von Agamisa unterrichten wird. Dann würde ausgerechnet der Junge, der keine Feldarbeit leisten kann, seine Familie unterstützen können. Das wäre das nächste kleine Wunder von Agamisa.

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Mardia und ihr glückliches Leben

Schwerpunkt: Bildung
Projektgebiet: Borecha
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Mardia Kassima besucht die von Menschen für Menschen errichtete Schule im Dorf Axengema im Projektgebeit Borecha. In unserer Fotogalerie erzählt sie von ihrem harten – aber glücklichen – Alltag.
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“Wenn es gegen 6.30 Uhr dämmert, stehe ich auf, um den Kaffee in einem Tonkrug über einem kleinen Holzfeuer zuzubereiten – dieses Morgenritual mag ich sehr gerne.”
“Zu meinen frühmorgendlichen Pflichten gehört auch das Saubermachen des Hauses, hier im Schlafzimmer meiner Eltern. Gegen 7.30 Uhr mache ich mich auf den Schulweg. Ich bin 40 Minuten unterwegs bis zur Schule, die von Menschen für Menschen gebaut wurde. Am liebsten mag ich Naturwissenschaften. Ich möchte Ärztin werden und helfen. Denn ich habe gesehen, wie meine Mutter litt, als sie zu Hause meine kleinen Geschwister auf die Welt brachte.Ich bin 40 Minuten unterwegs bis zur Schule, die von Menschen für Menschen gebaut wurde. Am liebsten mag ich Naturwissenschaften. Ich möchte Ärztin werden und helfen. Denn ich habe gesehen, wie meine Mutter litt, als sie zu Hause meine kleinen Geschwister auf die Welt brachte. ”
“Der Chemielehrer erklärt den Unterschied zwischen Basen und Säuren. Im neuen Klassenzimmer verstehe ich den Stoff viel besser. Früher fand der Unterricht in einer dunklen Lehmhütte statt, wir saßen auf dem staubigen Boden.”
“Die Schule endet um 13.30 Uhr. Nach dem Marsch nach Hause muss ich Wasser und Feuerholz holen. Beide Arbeiten sind schwer und machen keinen Spaß, doch ich mache sie ohne Klage, denn ich bin meinen Eltern dankbar, denn schon vier Mal kamen Abgesandte anderer Familien zu uns. Sie fragten meine Eltern, ob sie mich einem ihrer Söhne zur Frau geben wollten. Doch sie lehnten jedes Mal ab: Das waren die glücklichsten Momente in meinem Leben. Meine Mutter hatte keine Chance auf Bildung. Aber zu mir sagt sie: Du heiratest nicht, du gehst zur Schule! Dafür liebe ich sie sehr. Ich habe großes Glück, solch kluge Eltern zu haben.”
“Deshalb unterstütze ich meine Mutter gerne, auch bei der Betreuung der kleinen Nasritscha, der jüngsten meiner drei Schwestern. Täglich röste ich auch die Kaffeebohnen. Mein Vater hat Pflänzlinge und Trainings von Menschen für Menschen erhalten. Seitdem ist unsere Ernte so gut, dass wir sogar Kaffee auf dem Markt verkaufen können.“
“Ist die Hausarbeit erledigt, habe ich endlich Zeit zum Lernen. Nächstes Jahr wechsle ich auf die weiterführende Schule in der Stadt Yanfa. Meine Eltern werden mich mit Lebensmitteln und Geld für einen Schlafplatz unterstützen.”
Auch das künftige Gymnasium von Mardia in Yanfa wurde von Menschen für Menschen errichtet: Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Entwicklung von Mardia und Tausender anderer hoffnungsfroher junger Menschen!
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Neue Schule für Bido Boreka

Schwerpunkt: Bildung
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Fuad Mohamed, 16, ist Schüler an der Bido Boreka Higher Primary School.

Die Lernbedingungen in Fuads Schule sind erbärmlich: “Die Bänke, auf denen wir sitzen, sind morsch. Da nicht genügend Tische da sind, haben wir unsere Hefte auf dem Schoß liegen. Das ist anstrengend und macht uns müde”, klagt der 16-Jährige.

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Etwa 70 Schülerinnen und Schüler drängen sich in einem Klassenzimmer. Die Holzverschläge sind dunkel und stickig. Auf dem Boden der Klassenräume wimmelt es von Sandflöhen und anderem Ungeziefer, die Fuad und seine Schulkameraden stechen und beißen. “Das Dach unserer Schule ist von Termiten befallen und einsturzgefährdet”, berichtet Fuad.

“Das Schlimmste aber”, sagt der Siebtklässler, “sind der starke Husten und das Brennen in den Augen durch den staubigen Boden.” Regelmäßig schleppen die Schülerinnen und Schüler Kuhdung und Wasser von weit entfernt heran, um den Boden zu glätten und zu säubern. Zudem gibt es an der Bido Boreka Schule keine funktionierenden sanitären Einrichtungen. Der Schulalltag ist für die Kinder mehr als beschwerlich.

Die Mädchen und Jungen wünschen sich nichts sehnlicher, als eine neue Schule. Menschen für Menschen will ihnen diesen Wunsch erfüllen und einen Schulkomplex inklusive Bibliothek und sanitären Einrichtungen für mehr als 800 Schülerinnen und Schüler bauen. Die dunklen Lehmhütten werden hellen, modernen Gebäuden aus Stein weichen.

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“Mein Vorbild ist Nelson Mandela”

Schwerpunkt: Bildung
Projektgebiet: Borena
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“Jeden Tag gehe ich gerne zur Schule. Ich besuche die zehnte Klasse des Gymnasiums in Mekane Selam – es ist die einzige weiterführende Schule in weitem Umkreis. Wenn meine Motivation manchmal nachlässt, denke ich an Nelson Mandela. Er war 27 Jahre im Gefängnis, und blieb doch stark und tapfer. Durch seinen Einsatz wurde in Südafrika Gerechtigkeit möglich: Die schwarze Mehrheit erkämpfte sich ihre Rechte gegen die weiße Minderheit. Meine eigene Rolle sehe ich im Einsatz für die Entwicklung Äthiopiens. Entweder als Bauingenieurin oder als Ärztin. Es ist toll, dass ich dafür gute Voraussetzungen habe. Noch vor einem Jahr wurden wir in dunklen Wellblech-Baracken unterrichtet. Aber jetzt sind die neuen Schulgebäude von Menschen für Menschen fertiggestellt. Jetzt fällt das Lernen leichter.”

Woineschet Telahune, 16, Schülerin in Mekane Selam

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Seit Jahresanfang 2015 werden in der Walelegn HSS die 2.547 Schüler in den neuen Räumlichkeiten unterrichtet, 1.363 Jungen und 1.184 Mädchen. Neben den sechs Klassenraumblöcken wurden ein Verwaltungsblock, eine Bibliothek und zwei Blöcke mit Trockenlatrinen mit je vier und acht Kabinen gebaut. Im Hintergrund stehen die alten Gebäude aus Wellblech.
Seit Jahresanfang 2015 werden in der Walelegn HSS die 2.547 Schüler in den neuen Räumlichkeiten unterrichtet, 1.363 Jungen und 1.184 Mädchen. Neben den sechs Klassenraumblöcken wurden ein Verwaltungsblock, eine Bibliothek und zwei Blöcke mit Trockenlatrinen mit je vier und acht Kabinen gebaut. Im Hintergrund stehen die alten Gebäude aus Wellblech.
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“Endlich können wir ungestört lernen! Es gibt nicht mehr so viel Staub und es ist schön hell, die Bibliothek ist mit ausreichend Büchern für alle Schüler ausgestattet.”

Fanaye Birnanu ist 17 Jahre alt und besucht die 10. Klasse der Walelegn Higher Secondary School in Mekane Selam im Projektgebiet Borena.

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“Der erste Mann auf dem Mond war Neil Armstrong. So möchte ich auch einmal sein: In unerforschte Welten vorstoßen, den anderen davon berichten – und berühmt und anerkannt sein.”

Mesaye Alelejn, 18, Schülerinn an der Walelegn Higher Secondary School in Mekane Selam.

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Bildungsprogramm ABC-2015: Eine Bilanz

Schwerpunkt: Bildung
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“Bildung ist der Schlüssel für eine gerechtere Welt”, so formuliert es die Millenniumskampagne der UN. Menschen für Menschen hat 2008 die Anstrengungen auf den Bildungssektor in dem Programm “ABC-2015” verstärkt. Neben dem Bau und der Einrichtung von Schulen sieht es die Weiterqualifizierung von Lehrern, funktionale Alphabetisierungskurse für Erwachsene, Bibliotheken und der Ausbau der beruflichen Weiterbildung vor. Ende 2015 kam das Programm “ABC-2015” zum Abschluss.

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Ausgangssituation

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Unterricht an der alten Schule von Sephera. Die Lernbedingungen für die Kinder sind menschenunwürdig.

Lehrer entsendet der äthiopische Staat bis in die entlegensten Winkel des Landes, aber für die Schulgebäude müssen die Gemeinden selbst aufkommen. Dazu fehlt vor allem in armen Landstrichen das Geld. Deswegen gibt es hier oft keine Schule oder die Dorfbewohner schreiten selbst zur Tat und bauen einfache Hütten aus Holz und Lehm.

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Von Termiten zerfressen, halten sie jedoch kaum länger als ein Jahrzehnt. Die Schülerinnen und Schüler müssen in beengten, dunklen und staubigen Klassenräumen ausharren und werden von Sandflöhen gequält. Angesichts solcher katastrophalen Lernbedingungen behalten die Eltern ihre Kinder häufig lieber zu Hause und lassen sie auf dem Hof helfen. Und die Lehrer sind frustriert.

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Ziele

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Neue, solide gebaute Schulgebäude, wie hier an einer Higher Secondary School im Projektgebiet Babile, schaffen für die Schülerinnen und Schüler angenehme Lernbedingungen.

2008 hat sich Menschen für Menschen das Millenniumsziel der Vereinten Nationen “Primarschulbildung für alle” zum Ausgangspunkt genommen, um dem Bildungsnotstand in Äthiopien etwas entgegenzusetzen: Bis 2015, so lautete unsere Zielsetzung, sollte Hunderttausenden Kindern eine Schulbildung ermöglicht werden, die diesen Namen verdient.

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2008 hat sich Menschen für Menschen das Millenniumsziel der Vereinten Nationen “Primarschulbildung für alle” zum Ausgangspunkt genommen, um dem Bildungsnotstand in Äthiopien etwas entgegenzusetzen: Bis 2015, so lautete unsere Zielsetzung, sollte Hunderttausenden Kindern eine Schulbildung ermöglicht werden, die diesen Namen verdient.

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Maßnahmen

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“Die traditionellen Schulen sind dunkle Verschläge, in denen Kinder nicht gut lernen können.” Henock Markos, Projektkoordinator Bildungsprojekte

Zwischen 2008 und 2015 hat Menschen für Menschen 218 solide Schulen errichtet. Sie haben nicht nur die Lernbedingungen der Kinder signifikant verbessert, sondern bieten auch den Lehrern ein attraktives Arbeitsumfeld. Die Ausstattung, angefangen von Bänken und Tischen über großflächige Tafeln bis hin zu Bibliotheken, stellen wir ebenfalls. Unsere neuen Schulen gelten heute in den Dörfern oft als die schönsten Gebäude – und werden allein deswegen in Ehren gehalten.

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Auch Weiterbildungsangebote und Alphabetisierungskurse für Erwachsene finden hier Raum. Alle, Kinder wie Erwachsene, erhalten von uns auch Schreibmaterialien.

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Ergebnisse

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Die Wirkung der neuen Schulbauten lässt sich vor allem an der gesunkenen Quote der Schulabbrecher ablesen. Zugleich hat sich die Zahl der Teilnehmer an Alphabetisierungskursen von Jahr zu Jahr erhöht. Eltern, die an sich selbst erleben, welche Türen Bildung ihnen öffnet, unterstützen zudem auch die schulische Laufbahn ihrer Kinder besser.

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Qualitätssicherung

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Arafa Abdullah mit ihrem Bruder Sultan Abdullah und der Lehrerin Fatiah Umer an der Higher Primary School beim Dorf Ganda Abdiie im Projektgebiet Babile.

Für alle unsere Schulneubauten gelten klare Qualitätskriterien: Betonfundamente, gemauerte Wände und verzinkte Dächer sowie sanitäre Anlagen sind vorgeschrieben. Mitarbeiter unserer Bauabteilungen überwachen den Baufortschritt. Wie bei allen unseren Maßnahmen üblich, unterliegen auch die Schulprojekte einem Monitoring und einer Evaluation durch unsere Stiftung, zudem nehmen unabhängige Experten und die äthiopischen Regierungsbehörden Evaluationen vor.

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Vor jedem Schulneubau schließen wir einen Vertrag mit den äthiopischen Behörden, der den Erhalt und die Ausstattung der Schule nach ihrer Fertigstellung regelt. Üblicherweise übernimmt ein von uns geschultes lokales Komitee aus Gemeindevertretern, Eltern und Lehrern die Verantwortung dafür, die Schule zu unterhalten und zu betreiben. Das verhindert Abhängigkeiten und sichert die Nachhaltigkeit der Projekte.

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Wie geht es weiter?

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Menschen für Menschen wird sich auch nach Abschluss des Bildungsprogramms “ABC-2015” weiter stark im Bildungssektor engagieren. Allein 2016 stehen 25 Schulbauprojekte auf unserer Agenda. Nachdem sich in Äthiopien die Versorgung im Primarschulbereich verbessert hat, werden wir jedoch unseren Schwerpunkt verlagern und uns noch mehr als bislang für weiterführende Schulen und Berufsschulen einsetzen.

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Eine Erwachsenenschule für Bido

Schwerpunkt: Bildung
Projektgebiet: Borecha
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Vor rund fünf Jahren riefen die Behörden einen Alphabetisierungskurs für Erwachsene in der Grundschule von Bido ins Leben. Seither drücken hier zwei Mal in der Woche Frauen und Männer jeden Alters die Schulbank. “Anfangs standen nur unsere Volkssprache Oromo und Mathematik auf dem Stundenplan,” sagt der Grundschullehrer Rais Muhammed.
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Die aus Holz und Lehm gebauten Schulen sind dunkel und voller Flöhe.

Der mangelnde Schulbesuch der Kinder spiegelt sich auch im Bildungsgrad der Erwachsenen wider: Nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF sind 61 Prozent Analphabeten. Gegen den Bildungsnotstand hilft deshalb nur eine doppelte Strategie: Schulen für Kinder und Bildung für Erwachsene.

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Wie das gelingen kann, zeigt ein Projekt im Dorf Bido im Projektgebiet Borecha, wo ein Großteil der Erwachsenen weder lesen noch schreiben kann. Von der einfachen Mathematik der Marktleute bis zu Themen wie Familienplanung oder moderne Anbaumethoden: Wer die Schrift nicht beherrscht, ist in vielen Lebensbereichen unterlegen. Und fühlt sich auch so: “Ich traue mich oft nicht, vor anderen zu sprechen”, sagt Jebelu Kadir. Der 33-jährige Bauer und Vater von fünf Kindern hat nie eine Schule besucht – bis vor einigen Monaten.

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Ziele

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Bildung ist Voraussetzung für Entwicklung. Deshalb engagiert sich Menschen für Menschen für den Bau von Schulen sowie für den Ausbau von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dazu gehören auch funktionale Alphabetisierungskurse für Erwachsene. Menschen für Menschen stellt Hefte und Stifte für die Kursteilnehmer und bietet, ergänzend zum Lese- und Schreibunterricht, Lektionen zu Alltagsthemen wie Hygiene, Familienplanung oder moderner Landwirtschaft an.

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Maßnahmen

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“Am Anfang war der Unterricht wirklich schwer für uns. Der Lehrer musste sogar meine Hand führen, wenn ich auf dem Papier Buchstaben schreiben sollte. Jetzt kann ich schon kurze Sätze lesen und schreiben. Und ich weiß viel mehr über Themen wie Familienplanung.”

Fayo Muhamed, 26, Teilnehmerin des Alphabetisierungskurses in Bido

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Vor rund fünf Jahren riefen die Behörden einen Alphabetisierungskurs für Erwachsene in der Grundschule von Bido ins Leben. Seither drücken hier zwei Mal in der Woche Frauen und Männer jeden Alters die Schulbank. “Anfangs standen nur unsere Volkssprache Oromo und Mathematik auf dem Stundenplan,” sagt Rais Muhammed. Der 20-Jährige unterrichtet selbst erst seit einem Jahr die Erwachsenen aus Bido, ehrenamtlich, nach seiner eigentlichen Arbeit als Grundschullehrer.

Er teilt sich die Unterrichtsstunden mit Tigist Berhanu. Die 26-jährige Sozialarbeiterin, die für Menschen für Menschen tätig ist, ergänzt den Sprachunterricht um Themen, die direkt aus der Lebenswelt der Bauern und Hirten stammen. Die Menschen seien es gewohnt, das Wissen der Generationen vor ihnen zu übernehmen, sagt Tigist. “Techniken zur Verbesserung von Hygiene oder Ernte müssen viele erst lernen.”

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Ergebnisse

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Jebelu Kadir, 33, Bauer und Vater von fünf Kindern, hat nie eine Schule besucht, aber nimmt an den Erwachsenen-Bildungskursen im Dorf Bido teil.

Am Anfang waren es nur 33 Frauen und Männer, inzwischen ist die Teilnehmerzahl an den Alphabetisierungskursen auf 215 angewachsen. Auch Jebelu Kadir sitzt seit einigen Monaten im Unterricht von Rais Muhammed und Tigist Berhanu. Von Verpackungsaufschriften bis hin zu Textmitteilungen: “Lesen zu können, erleichtert mein Leben”, sagt er. “Endlich bin ich mit den anderen auf Augenhöhe.”

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Auf dem Markt etwa hätte man ihn früher leicht betrügen können, weshalb er nur mit Leuten Geschäfte machte, denen er vertraute. “Heute kenne ich die aktuellen Preise und rechne alles ganz schnell auf dem Taschenrechner aus.” Und Jebelu schmiedet Pläne: “Bald wollen wir in meinem Dorf die ersten Häuser so umbauen, dass die Hygiene stimmt, und die Kinder nicht mehr so oft krank werden.”

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Eingesetzte Finanzmittel

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Die Kosten für einen zehnmonatigen Kurs in funktionaler Alphabetisierung für Erwachsene inklusive Lehrer und Lernmaterial belaufen sich auf 25 Euro für zehn Personen. Für den Bau einer neuen Schule mit vier Gebäudeblöcken zu je vier Klassenräumen, Lehrerzimmern und sanitären Anlagen für rund 1.600 Kinder veranschlagen wir durchschnittlich 260.000 Euro.

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Ein besserer Start für die Kinder von Sephera

Schwerpunkt: Bildung
Projektgebiet: Borecha
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Überall träumen Kinder von einer großen Zukunft. Doch im Dorf Sephera hatten sie bislang schlechte Karten: Sie hocken in Behelfsbauten im Halbdunkel auf lehmiger Erde, versuchen unter widrigsten Umständen zu lernen. Menschen für Menschen legt nun den Grundstein dafür, dass ihre Träume doch wahr werden können. Mit dem Bau solider und heller Klassenräume.

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Taferi Woldearegay, 23, Lehrer und stellvertretender Direktor an der Grundschule von Sephera.

Was ist ein Magnet? In Europa weiß je des Kind, dass sich bestimmte Metalle und Legierungen anziehen. Es gibt magnetisches Spielzeug, Kühlschrank-Sticker, Verschlüsse an Taschen: Genug Anschauungsmaterial für das physikalische Phänomen.

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Im Dorf Sephera im Projektgebiet Borecha zeichnet Lehrer Taferi Woldearegay, 23, mit einem Stück Kreide ein langes Rechteck auf eine kleine, behelfsmäßige Tafel. Dann zeichnet er gebogene Linien, die von einer kurzen Seite des Rechtecks zur gegenüberliegenden kurzen Seite verlaufen: “So wirken die Magnetfeldlinien um einen Stabmagneten”, sagt er. Mit großen Augen übertragen die Kinder die Zeichnung in ihre Hefte. In Sephera haben die Viertklässler bis zu dieser Sachkunde-Stunde noch nie von Magnetismus gehört: Kühlschränke gibt es nicht, also auch keine magnetischen Sticker, und einziges Spielzeug sind aus Lumpen zusammengeschnürte Bälle.

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Die notdürftigen Behelfsräume dienen als Unterrichtsstätten für die Kinder von Sephera.

Die Schüler hocken auf einem Stück Holz oder direkt auf dem Lehmboden in dem provisorischen Unterrichtsraum. Im Halbdunkel zählt man 66 aufmerksame Gesichter. Als Dach sind Plastikplanen über ein Holzgerüst geworfen, sie schützen notdürftig vor Wolkenbrüchen und der sengenden Sonne.

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Die Wände verdienen diesen Namen nicht. Sie sind lediglich aus Hirse-Stängeln zusammengebunden. Draußen wirbeln Böen Staub auf und treiben ihn durch die Ritzen.

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Radio als Fenster zur Welt

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“Ich möchte gerne Journalistin werden”, sagt die zwölfjährige Merdia Jenus in der großen Pause: “Ich höre so gerne Radio!” In Sephera sind Transistorradios das Fenster zur Welt. Zeitungen oder gar Internet gibt es nicht, Fernseher nur in wenigen Gasthäusern. “Ich liebe die naturwissenschaftlichen Fächer”, sagt der 13 Jahre alte Ali Muhammed. “Ich möchte einmal tief in die Forschung einsteigen und Dinge finden, die für die Menschheit wichtig sind. Am liebsten in der Medizin. So wie Aklilu Lemma.”

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Eine Kuh spaziert in die alte Schule von Sephera und frisst aller Seelenruhe ein Schulheft.

Lemma war ein äthiopischer Arzt, er betrieb Pflanzenforschung zur Bekämpfung der Bilharziose. Unter der Wurmkrankheit leiden unzählige Menschen in Afrika, viele sterben daran. “Wir haben so viele Krankheiten hier. Typhus etwa und Malaria”, sagt Sechstklässler Ali. “Deshalb ist Aklilu Lemma mein Vorbild.

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Aber wie könnten die 352 Mädchen und 360 Jungen in den Klassen eins bis sechs an dieser Grundschule je vernünftig lernen? Wie sollten sie hier jemals eine Chance erhalten, ihre Träume zu verwirklichen? Während die Kinder in der Pause draußen herumtollen, nutzt das Vieh die Gelegenheit: Es gibt in den Unterrichts-Verschlägen weder Fenster noch Türen. Hühner spazieren hinein, auch eine Kuh. In aller Seelenruhe frisst sie ein Schulheft. Ein schlimmer Verlust für den Besitzer: Zuhause wird es Ärger geben. Ein Schulheft kostet 20 Cent – viel Geld für die Eltern.

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Solide lernen

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In den neuen solide gebauten Schulgebäuden ist für die Kinder von Sephera endlich ein Lernen unter menschenwürdigen Bedingungen möglich.

Staub und Vieh in den Räumen, das Hocken auf dem Boden in fensterlosen Verschlägen: all das wird bald der Vergangenheit angehören. Unweit der Behelfsschule hat Menschen für Menschen in den vergangenen Monaten unter Mithilfe der Bevölkerung neue Gebäude errichtet: insgesamt zwölf Klassenzimmer plus ein neues Haus für Lehrerbüros und Bücherei.

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Die Gebäude sind solide gebaut, mit Betonfundamenten, gemauerten Wänden und verzinkten Dächern. Lamellenfenster schützen vor dem Staub. Ab dem neuen Schuljahr im September werden die Kinder von Sephera hier lernen. Sie werden in ordentlichen Bänken sitzen und der Lehrer hat genug Platz für große Zeichnungen und Anschriebe: In die Wände der Klassenräume sind riesige Schreibtafeln eingelassen.

Die Schule von Sephera entsteht im Rahmen des ehemaligen Bildungsprogramms ABC-2015, mit dem Menschen für Menschen dabei half, die Startchancen für möglichst viele Kinder mit neuen Schulen zu verbessern. Immer noch können sechs von zehn Kindern in Äthiopien den Schulunterricht nicht altersgerecht besuchen – weil es in ihrer Nähe keine Schulgebäude gibt oder nur solche, in denen wie in den Verschlägen von Sephera das Lernen so schwerfällt, dass sie zu Hause bleiben und auf dem Hof helfen. Weil Karlheinz Böhm früh erkannte, dass alle Entwicklung über Bildung führt, hat Menschen für Menschen seit Bestehen der Organisation insgesamt 363 Schulen neu gebaut und bestehende Schulen erweitert. 114 Schulbibliotheken wurden errichtet und mit Büchern ausgestattet.

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Ali Muhammed, 13 Jahre alt:
Ali Muhammed, 13 Jahre alt: “Ich möchte Forscher werden und neue Medikamente erfinden.”
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Noch ehe mit dem Bau einer Schule begonnen wird, werden Verträge mit der Regierung abgeschlossen, die den Erhalt und die Ausstattung der Schulen nach Fertigstellung regeln. So wird vermieden, dass langfristige Abhängigkeiten entstehen. Von Menschen für Menschen geschulte Komitees aus Gemeindevertretern, Eltern und Lehrern übernehmen die Verantwortung, die Schulen langfristig zu unterhalten und zu betreiben – so ist die Nachhaltigkeit der Bauten auf Jahrzehnte gewährleistet.

Die Schulen werden abends und in den Ferien auch genutzt, um Weiterbildungskurse für Erwachsene, wie zum Beispiel Alphabetisierungskurse, abzuhalten. Bislang haben rund 280.000 Frauen und Männer an solchen von der Stiftung organisierten Lese- und Schreibkursen teilgenommen, und damit auch ihr Selbstbewusstsein aufgewertet.

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Von links: Ali Adem, 10, Banschialem Gedefeyu, 10, und Merdia Jenus, 12, freuen sich auf die neuen Lernbedingungen.

“Ich bin stolz auf mein Land. Wir haben so viele landwirtschaftliche Erzeugnisse. Kaffee etwa, oder Erdnüsse. Das Problem ist, dass wir diese Produkte zu billig in die reichen Länder exportieren müssen”, sagt Ali Muhammed, der wache Sechstklässler aus Sephera. “Wir müssen selbst Fabriken bauen und unsere Produkte veredeln und verarbeiten, dann erzielen wir bessere Preise.”

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Stolz sei er auch auf die Natur in seinem Heimatland: “Es gibt hier so viele wilde Tiere. Es ist wichtig, dass wir sie bewahren und unter Naturschutz stellen.”

Fabriken bauen, die Wirtschaft entwickeln, die Natur schützen: Das geht nur mit tüchtigen Ingenieuren, Ökonomen und Ökologen. Im Dorf Sephera ist mit der neuen Schule der Grundstein für eine gut ausgebildete junge Generation gelegt.

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Werkstätten der Zukunft

Schwerpunkt: Bildung
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Rund 70 Prozent der Äthiopierinnen und Äthiopier sind jünger als 30 Jahre. Auf ihren Schultern ruhen daher viele Hoffnungen für eine bessere Zukunft des Landes. Damit die jungen Frauen und Männer greifbare berufliche Perspektiven erhalten, fördert Menschen für Menschen moderne fachliche Ausbildungsstätten. In Adi Gudom, im Norden Äthiopiens, zum Beispiel. Oder in Sheno nahe Addis Abeba. Ein Jahr nach ihrer Fertigstellung ziehen die Handwerksschulen eine erste Bilanz.

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In Adi Gudom wie auch an den anderen von Menschen für Menschen ausgestatteten TVETs ist der Frauenanteil hoch.

Wenn Yordanos Tirumay morgens aufwacht, wandert ihr Blick durch die dunkle Kammer, die seit einem Jahr ihr Zuhause ist: An der Wand entlang, vorbei an einem ausgeblichenen Beyoncé-Poster und einer Marien-Ikone, dann hinüber zu der Waschschüssel, die neben der wackeligen Holztür auf einem Tischchen steht. Das war‘s.

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2 Quadratmeter, eine nackte Glühbirne an der Decke, kein Fenster. Diesen Verschlag teilt sich die 18-jährige Yordanos mit der 19-jährigen Awet Hagezom. Und beide teilen sich nachts eine schmale Pritsche.

Man möchte Mitleid mit den Mädchen haben, die so beengt leben müssen, doch die beiden plaudern und lachen, als sie wenig später – in blauen Overalls – die Tür öffnen, auf die staubige Straße treten und sich zu ihrer Schule aufmachen. Seit einem Jahr absolvieren Yordanos und Awet eine Schlosserausbildung im Zentrum für “Technical and Vocational Education and Training“ (TVET), einer handwerklich-technischen Berufsschule in der nordäthiopischen Kleinstadt Adi Gudom.

Drei Jahre noch, dann haben sie ihren Abschluss in der Tasche. Für die Töchter armer Kleinbauern ginge damit ein Traum in Erfüllung. “Von der Familie getrennt zu leben, ist nicht leicht für uns”, sagt Yordanos. “Aber das nehmen wir auf uns, denn diese Ausbildung kann unser Leben verändern!”

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Das TVET schließt eine Lücke, die Nachfrage ist groß

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Das TVET in Adi Gudom besuchen derzeit 351 Lehrlinge.

Zehn Minuten später haben Yordanos und Awet das TVET erreicht. Ein Dutzend Flachbauten, verstreut auf einem kargen Gelände. Die Fassaden leuchten zitronengelb, Blechdächer funkeln in der Sonne. Dazwischen wachsen ein paar zarte Bäumchen, noch zu jung, um Schatten zu spenden.

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Sie sind, wie alles hier, kaum älter als ein Jahr: Das TVET wurde erst 2014 von Menschen für Menschen errichtet und mit den nötigen Maschinen ausgestattet. Seither werden hier junge Frauen und Männer in verschiedenen Lehrwerkstätten zu Tischlern, Automechanikern, Elektrikern, Schlossern und IT-Fachkräften ausgebildet. Die Ausbildungsprogramme dauern bis zu vier Jahre.

“Derzeit haben wir hier 351 Lehrlinge, künftig sollen es aber bis zu 500 sein”, sagt Biniam Welegebrial, 34, der Direktor der Schule. Die Nachfrage ist groß: Bisher gab es in dieser Gegend nur in Mekele, der Hauptstadt der Region Tigray, eine vergleichbare Ausbildungsstätte. “Mekele ist aber 30 Kilometer entfernt, die tägliche Busfahrt oder die Unterkünfte dort kann sich kaum jemand leisten”, so Biniam. Und selbst wenn: Die Schule in Mekele hat nicht Platz für alle jungen Leute in der Region, die eine Ausbildung machen wollen. Die Folge: Viele bleiben ohne berufliche Perspektive. Allein im Jahr 2015 hätten, so Rektor Biniam, in der Gemeinde Hentalo Wajerat, zu der Adi Gudom gehört, rund 3.000 Schülerinnen und Schüler die Klassenstufe 10 absolviert.

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Ausbilderin Lemlem Gebre-Tinsa erklärt in der Schlosserwerkstatt eine Maschine.

“Aber nur 20 Prozent von ihnen konnten im Anschluss auf eine weiterführende Schule wechseln. Alle anderen müssen sehen, wo sie bleiben.” Viele suchen ihr Glück in Addis Abeba. Um überleben zu können, müssen sie jeden Job annehmen. Eine Ausbildung oder ein Studium sind dann nicht mehr möglich.

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Manche wandern gar nach Saudi-Arabien aus, in der Hoffnung, dort ein wenig Wohlstand zu erlangen. “Die meisten kommen einige Jahre später völlig frustriert zurück, weil sie merken, dass ihnen keine Möglichkeit gegeben wird, sich beruflich zu entwickeln”, so Biniam. Für diese Rückkehrer und andere junge Leute, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, hat das TVET in Adi Gudom ein eigenes Trainingsprogramm aufgesetzt: Es dauert wenige Wochen und bildet die Teilnehmer zu Hilfsarbeitern aus.

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Die Frauen behaupten sich selbstbewusst

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Auch Yordanos Tirumay, die an diesem Vormittag an der Werkzeugfräse arbeitet, hätte ohne das neu gegründete TVET in Adi Gudom keine Chance auf einen Ausbildungsplatz gehabt. Sie ist in Korkora geboren, einem 2.000-Seelen-Dorf, etwa 10 Kilometer von Adi Gudom entfernt. Ihre Eltern bauen Weizen und Zwerghirse auf einem kleinen Stück Land an.

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“Es war nicht leicht, sie davon zu überzeugen, dass ich Schlosserin werden will”, sagt TVET-Schülerin Yordanos Tirumay über ihre Eltern.

Als ältestes von sieben Kindern wäre es Yordanos‘ Aufgabe gewesen, im Haushalt und auf dem Feld zu helfen. Doch das Mädchen brachte schon immer gute Noten heim, und so erlaubten ihre Eltern ihr zunächst den Schulbesuch bis zur 10. Klasse – und dann den Schritt ins TVET.

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“Es war nicht leicht, sie davon zu überzeugen, dass ich Schlosserin werden will”, sagt Yordanos Tirumay. Technische Berufe sind in Äthiopien, mehr noch als in der westlichen Welt, eine Männerdomäne. Doch langsam wandeln sich die Rollenbilder.

Ein Vorbild fand Yordanos am TVET in Adi Gudom: Lemlem Gebre-Tinsa, 23 Jahre alt, ist gelernte Schlosserin. Als weibliche Ausbilderin in einem “Männerberuf” ist sie eine Seltenheit, nicht nur in Adi Gudom. “Am Anfang waren die männlichen Schüler ein wenig skeptisch”, erzählt Lemlem und schmunzelt. “Aber solche Zweifel kenne ich ja schon lange. Auch meine Eltern dachten mal, ich würde mit der Ausbildung nur meine Zeit und ihr Geld verschwenden.” Sich gegen die Widerstände der patriarchalen Gesellschaft durchzusetzen, sei nicht einfach. “Aber wenn wir für unsere Träume kämpfen und gute Arbeit leisten, werden wir akzeptiert”, ist Lemlem überzeugt. In der Schlosserwerkstatt von Adi Gudom wundert sich jedenfalls niemand mehr über die zierliche Lehrerin an den schweren Maschinen.

Berufliche Perspektiven für junge Menschen zu schaffen, ist ein entscheidender Baustein für ein zukunftsfähiges Äthiopien. Denn das Land erlebt derzeit vor allem in Städten, wo der wirtschaftliche Aufschwung spürbar ist, einen tiefgreifenden demografischen Wandel. Auch eine bessere medizinische Versorgung und mehr Bildung haben dazu beigetragen, dass die Geburtenrate im Land in den vergangenen 25 Jahren drastisch gesunken ist. Bekam eine Frau 1990 im Durchschnitt mehr als sieben Kinder, sind es 2014 nur noch etwa vier. Bis 2030 könnte die Zahl gar auf 2,6 Kinder pro Frau fallen. Die Folge ist eine Gesellschaft, deren Altersstruktur Chancen wie Risiken birgt. Ein großer Bevölkerungsanteil im arbeitsfähigen Alter, der nur wenige Kinder und Rentner mitversorgen muss, kann zum Wachstumsmotor einer ganzen Volkswirtschaft werden. Gelingt es jedoch nicht, diesen jungen Menschen Perspektiven zu bieten, locken Kriminalität und Drogen, drohen Radikalisierung und eine verschärfte Landflucht. Ein kollektives Scheitern einer solchen Menge junger Menschen könnte das ganze Land destabilisieren.

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Äthiopien muss in die junge Generation investieren

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Wie hoch die Jugendarbeitslosigkeit in Äthiopien derzeit ist, lässt sich nur schwer sagen. Auf dem Land soll sie gering sein, doch die große Mehrheit arbeitet hier unentgeltlich auf den Höfen der Eltern mit. In den Städten wird der Anteil der jungen Menschen ohne ausreichende Beschäftigung derweil auf mehr als 45 Prozent geschätzt. Ein Notstand, der sich nur beheben lässt, wenn die Wirtschaft des Landes radikal modernisiert wird. Entwicklungsexperten wie der nigerianische Wirtschaftswissenschaftler Professor Samuel Igbayato fordern deshalb – nicht nur für Äthiopien – mehr Ausbildungsplätze in technischen und kaufmännischen Berufen sowie mehr Unterstützung für Unternehmensgründungen, kurz: mehr Investitionen in die Jugend. Ihr Schicksal, so könnte man Igbayatos Analyse zusammenfassen, entscheidet über das Schicksal zahlreicher afrikanischer Länder.

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Tadese Wolde Berhan (19), einer der Schüler am TVET im Adi Gudom.

“Der Weg von Ackerbau und Viehzucht hin zu Industrie und Dienstleistung ist steini”, sagt Tadele Kebede, 45, Direktor des TVET in Sheno. Hier, 80 Kilometer nordöstlich von Addis Abeba, hat Menschen für Menschen in den Jahren 2014 und 2015 eine völlig marode Ausbildungsstätte neu aufgebaut und die Werkstätten und Lehrräume eingerichtet.

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Mit dem Ergebnis, dass die Rate erfolgreicher Absolventinnen und Albsolventen von 34 auf 90 Prozent angestiegen ist. “Das Problem ist aber, dass längst nicht alle, die bei uns einen Abschluss machen, eine Anstellung finden”, so Kebede. Er ermutigt seine Schülerinnen und Schüler deshalb, sich selbstständig zu machen. “In einem wachsenden Industriemarkt finden auch kleine Handwerksbetriebe ihre Kunden.” Ohne Unterstützung sei eine Firmengründung jedoch schwierig. Helfen soll ein staatliches Förderprogramm, das den Studierenden 80 Prozent der nötigen Mittel leiht. Auch Menschen für Menschen baut zurzeit ein Programm für Start-ups auf.

Yordanos Tirumay und Awet Hagezom, die beiden angehenden Schlosserinnen aus Adi Gudom, wollen sich ebenfalls eines Tages selbstständig machen. “Wir wollen Türen, Tore und Fenstergitter fertigen”, sagt Yordanos. Was es auf dem Markt gibt, sei oft ziemlich fantasielos, findet sie. “Unsere Produkte wären von höherer Qualität und sähen viel besser aus.” Bis Yordanos und Awet ihre kleine Firma haben, werden noch ein paar Jahre vergehen. “Aber wir legen schon jetzt jeden Monat etwas für unseren Plan zurück.”

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Bald ist die Zeit der Plagen zu Ende

Schwerpunkt: Bildung
Projektgebiet: Borena
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Im Dorf Kelecha Jibat ist der Besuch der alten Schule die reinste Plage. Am Lehmboden der Schulhütten lauern Sandflöhe, die sich in die nackten Füße der Kinder bohren. Termiten fressen die Holzkonstruktionen an. Staub und Hitze setzen den Schülern zu. Das alles soll bald vorbei sein. Menschen für Menschen baut moderne Schulgebäude für die 1.500 Kinder im Dorf.

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Gegen die Sandflöhe: Die Jungs sammeln Kuhdung auf den Feldern.

Jeden Freitag das gleiche Ritual im Dorf Kelecha Jibat: Schüler schwärmen in alle Richtungen aus, um auf Wegen und an Feldrainen Kuhfladen zu sammeln. Der Dung soll vor einem fürchterlichen Plagegeist schützen, der seine Opfer schier in den Wahnsinn treiben kann. Tunga penetrans, der gemeine Sandfloh, liebt den Staub trockener Lehmböden.

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Hier wartet er auf seine Opfer, seien es Mäuse, Haustiere oder Menschen. Feuchte Böden, mit Dung vermischt, hasst der Blutsauger dagegen. Einige Mädchen mischen den Dung mit bloßen Händen mit Wasser an. Dann streichen sie die mörtelähnliche Masse mit ihren Handflächen sorgfältig überall am Boden ihres Klassenzimmers aus. In Kelecha Jibat wie auch in vielen anderen Schulen in Äthiopien sorgt der Sandfloh dafür, dass ein Mal pro Woche die Schule einen halben Tag ausfällt: Statt Mathe oder Biologie steht immer freitags Schädlingsbekämpfung auf dem Stundenplan.

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Fürchterliche Bisse

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“Was für eine Vergeudung an Unterrichtszeit!”, sagt Direktor Zekios Dida, 26. Zumal viele Kinder trotzdem von dem Parasiten befallen werden. Der junge Direktor stammt aus dem Dorf, einst besuchte er selbst die Schule. “Es macht mich traurig und wütend, dass die Kinder heute immer noch mit den gleichen unhaltbaren Zuständen kämpfen wie ich damals”, sagt er ernst. “Oh ja, die Sandflöhe sind fürchterlich! Ihre Bisse jucken dermaßen, dass man nachts nicht mehr schlafen kann. Du glaubst, du wirst verrückt.”

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Mit Vorliebe bohren sich Sandflöhe unter den Zehennägeln in die Haut der Kinder.

Die Weibchen, einen halben bis einen Millimeter winzig, bohren sich mit Vorliebe an den Zehennägeln unter die Haut. Sie saugen Blut und können nach mehreren Tagen zu einer Kugel von 2 bis 3 Millimetern Durchmesser anwachsen.

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Bevor das Tier festgebissen in der Haut nach etwa zwei Wochen stirbt, legt es Hunderte von Eiern, die auf den Untergrund fallen und sich innerhalb von drei Wochen über das Larven- und Puppenstadium zu neuen Flöhen entwickeln.

Medizinische Fachbücher empfehlen die chirurgische Entfernung des Flohs unter Lokalanästhesie. Doch im ländlichen Äthiopien gibt es diese Möglichkeit nicht.

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“Nach einem Biss müssen die Kinder zwei bis drei Tage warten, bis der Sandfloh sich mit Blut vollgesogen hat”, erklärt Direktor Zekios. “Dann nimmt man eine Nadel und versucht, ihn zu entfernen.” Natürlich gibt es bei dieser Methode Infektionen. “Manche Betroffenen können vor Schmerzen kaum gehen”, sagt der Direktor. Es gibt auch Fälle, in denen Füße durch nicht sachgerecht behandelte Infektionen auf Dauer geschädigt wurden. Feste Schuhe schützen vor dem Parasiten. Aber außer den Lehrern trägt niemand Socken und geschlossene Halbschuhe. Die Kinder haben billige Sandalen aus Gummi und Plastik an den nackten Füßen, manche gehen auch barfuß.

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Schulleiter Zekios zeigt die marode Bausubstanz: “Termiten fressen die Holzkonstruktion an.” Die Klassenzimmer sind staubig, dunkel und viel zu klein für die zahlreichen Schüler.

Die Sandflöhe sind die schlimmste Plage, aber der Alltag hat noch weiteres Mühsal für Lehrer und Schüler parat. Direktor Zekios zeigt die von Termiten angefressene Holzkonstruktion der Schulbibliothek. “Wir können die Bibliothek nicht mehr benutzen”, sagt er: “Einsturzgefahr!”

 

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Zwar entsendet der äthiopische Staat Lehrer bis in die entlegensten Winkel des Landes, wenn es in den Kommunen und Bezirken Unterrichtsräume gibt. In den armen Landstrichen gibt es aber nur ein winziges Steueraufkommen und kein Budget für solide Gebäude. Also bauen die Gemeinden zusammen mit den Eltern einfache Häuser mit Gerüsten aus Holzstangen und Ästen, über die mit Strohvermischter Lehm geworfen wird. Diese Verschläge halten aber kaum länger als ein Jahrzehnt.

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Erst im vergangenen Jahr ist ein zum Glück bereits außer Dienst gestelltes, durch Termitenfraß morsches Gebäude mit vier Klassenräumen über Nacht eingestürzt. Damit ist die Raumnot der Schule noch größer. Die Hälfte der Schüler wird vormittags und die andere Hälfte nachmittags unterrichtet. Teils wird der Unterricht draußen, im Schatten von Bäumen abgehalten. Zwar hat eine amerikanische Hilfsorganisation vor einigen Jahren Schulbänke gestiftet, aber sie reichen nicht für alle Mädchen und Jungen in den großen Klassen mit mehr als 80 Kindern. Deshalb sitzen viele auf Steinen am Boden, die Hefte liegen auf den Beinen. Es gibt kaum Licht in den Schulhütten mit ihren kleinen Fenstern, dafür Hitze und Staub.

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Die alte Grundschule im Dorf Kelecha Jibat, wo Menschen für Menschen nun eine neue Schule baut.
Die alte Grundschule im Dorf Kelecha Jibat, wo Menschen für Menschen nun eine neue Schule baut.
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Viele Schulabbrecher

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“Es ist sehr schwierig, unter diesen Bedingungen durchzuhalten”, sagt der Direktor. “Von Schuljahr zu Schuljahr sind weniger Kinder da.” Die erste Klassenstufe an der Schule ist vierzügig, die zweite noch dreizügig. Aber ab der dritten Stufe gibt es nur noch zwei Parallelklassen. Im achten Schuljahr ist die Zahl der Schüler derart zusammengeschmolzen, dass es nur noch eine einzige Klasse gibt. Es gibt also eine immense Zahl an Schulabbrechern, denen ohne Abschluss nichts bleibt, als das Leben der Eltern zu führen: als mittellose Kleinbauern, die ihre Armut in die nächste Generation weitertragen.

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Die solidesten Gebäude weit und breit: Die neue Schule von Menschen für Menschen im Projektgebiet Borena.
Die solidesten Gebäude weit und breit: Die neue Schule von Menschen für Menschen im Projektgebiet Borena.
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Deshalb will Menschen für Menschen nun Abhilfe schaffen. Das Dorf im Projektgebiet Dano wird vier solide und helle Schulgebäude mit insgesamt 16 Klassenzimmern erhalten. “Damit haben wir endlich genug Räume – mehr als 50 Kinder pro Klasse wird es nicht mehr geben”, freut sich Schulleiter Zekios. Außerdem baut die Äthiopienhilfe Lehrerzimmer und eine Schulbibliothek. Bislang gab es keine Straße nach Kelecha Jibat. Deshalb planierte der Bulldozer der Stiftung eine Piste von rund 20 Kilometern Länge bis zu dem Dorf, damit das Baumaterial transportiert werden konnte. Mitte 2016 sollen die 1.500 Schüler und 21 Lehrer die neuen Gebäude in Betrieb nehmen. Große Lamellenfenster sorgen dann für Licht und Luft und auf den betonierten Böden der Klassenzimmer gehört die Sandfloh-Plage der Vergangenheit an.

So erhalten die Kinder von Kelecha Jibat eine echte Chance, etwas aus ihrem Leben zu machen. “Ich möchte Astronomie studieren”, sagt Siebtklässler David Adunja, 13. In der ländlichen Weite des Projektgebiets Dano leuchten die Himmelskörper am Nachthimmel besonders hell: “Es ist ein Meer von Sternen, sie sind unzählbar!”

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“Wenn ich nachts zum Himmel blicke, denke ich: So gerne möchte ich mehr über die Sterne wissen!
“Wenn ich nachts zum Himmel blicke, denke ich: So gerne möchte ich mehr über die Sterne wissen!” David Adunja, 13.
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Erwachsene Gedanken

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Merera Tesfaye hat mit seinen 13 Jahren bereits konkrete Zukunftspläne.

Ihre Gedanken klingen erwachsen. In Äthiopien gibt es nicht das soziale Netz eines europäischen Wohlfahrtstaates, das den Einzelnen auffängt. Deshalb verstehen die Kinder früh, was Achtklässler Merera Tesfaye, 13, so formuliert: “Die Welt ist auf Wissen aufgebaut. Ohne Bildung bist du ein Nichts.”

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Im kommenden Jahr wird sich Merera einen Schlafplatz in Seyo mieten, der nächstgelegenen Stadt, und das dortige Gymnasium besuchen. Auch diese weiterführende Schule wurde bereits von Menschen für Menschen mit Schulgebäuden modernisiert. Merera peilt eine Laufbahn als Lehrer an. “Lehrer schaffen das Fundament, damit junge Leute Ingenieure, Ärzte oder Wissenschaftler werden können”, sagt er ernst: “Damit ist der Lehrerberuf der wichtigste Beruf, den es gibt.”

“Früher fühlte ich mich schwach, ich war ständig in der Gesundheitsstation, aber wirklich helfen konnten sie mir dort nicht”, sagt Masay. “Doch in den vergangenen zwei Jahren war ich kein einziges Mal dort!” Die Töchter Derebe, 16, und Bogale, 15, können die weiterführende Schule in der Kleinstadt Seyo besuchen, die von Menschen für Menschen erweitert und modernisiert wurde: “Nun können wir die Kosten für die Schuluniformen und einen Schlafplatz in Seyo tragen.”

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Die Stiftung Menschen für Menschen - Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe ist eine öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie wird beim Finanzamt München unter der Steuernummer 143/235/72144 geführt und wurde zuletzt mit Bescheid vom 11. Juni 2018 wegen Förderung steuerbegünstigter Zwecke von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit und somit als gemeinnützige Organisation anerkannt.