Der Hyänen-Mann: eine ungewöhnliche Liaison zwischen Mensch und Tier
Kurioses
Erster Akt: Yussuf, in Jeans und Windjacke, kniet auf dem staubigen Boden und jault auf wie eine Feuerwehrsirene. Wenig später funkeln zwei Augen in der Dunkelheit. Dann schält sich eine kräftige Hyäne aus der Finsternis, gefolgt von zwei, vier, sechs weiteren Tieren. Sieben Hyänen, die Körper gedrungen, das Fell struppig, trotten auf Yussuf zu. Zweiter Akt: Yussuf zieht einen stinkenden Fetzen Fleisch aus einem Beutel hervor und legt ihn über ein Stöckchen. Eine Hyäne fasst Mut, hastet in den Lichtkegel, schnappt sich das Fleisch und verschwindet im Halbdunkel. Das gespenstische Schauspiel lässt sich jeden Abend am Stadtrand von Harar im Osten Äthiopiens beobachten.
Hyänen-Männer wie Yussuf, rufen die Tiere und füttern sie unter den Augen von Schaulustigen. Doch diese Auftritte sind mehr als Shows für Touristen. Yussuf und seine Kollegen zelebrieren eine ungewöhnliche Liaison zwischen Mensch und Tier.
Die Geschichte geht so: Nach dem Bau der Stadtmauer im 16. Jahrhundert wurden die Hyänen zunächst aggressiv und griffen Menschen an. Der Grund dafür sei, sagte der Hyänen-König, dass sie wegen der Mauer nicht mehr in den Straßen nach Futter suchen könnten. Mensch und Tier einigten sich: Die Stadtbewohner schlugen Löcher in die Mauer, durch die die Tiere schlüpfen konnten. Die verzichteten im Gegenzug darauf, Menschen anzugreifen und befreiten die Stadt von bösen Geistern, den “Dschinns”. Zum Dank servieren die Menschen den Hyänen einmal im Jahr – und das stimmt wirklich – Haferbrei in Schüsseln.