Stadt der Perspektiven
Ijajis junge Selbstständige
Training und Starthilfe
Glück im Unglück
„Die erste, die mir gratulierte war meine Großmutter“, sagt die 23-Jährige. Bei ihr wuchs Aberu auf, nachdem ihre Eltern sie und ihre älteren Geschwister in Ijaji zurückließen, um in ihrem Dorf der Landwirtschaft nachzugehen. Die Großeltern und Enkel arrangierten sich, bestellten gemeinsam das Teff- und Maisfeld, alle Kinder gingen zur Schule. Doch als Aberus Eltern zwei weitere Kinder nach Ijaji schickten, brach Aberu die Schule trotz guter Noten nach der zehnten Klasse ab. Plötzlich war sie für ihre jüngeren Brüder mitverantwortlich. Mit dem Verkauf von Schnaps und als Tagelöhnerin verdiente sie von da an rund einen Euro täglich. „Davon kaufte ich Kleidung, Speiseöl – und Seife“, fügt sie lachend hinzu. Erst zwei Jahre später absolvierte sie einen Buchhaltungskurs. Doch auch mit Zertifikat fand sie keine Anstellung.
Im Workshop von Menschen für Menschen lernten sie, Tirfesa und die anderen alle Schritte der Seifenproduktion, Mengen auf ihr Produktionsvolumen anzupassen und einen Businessplan zu schreiben. Die Stiftung stellte Masken, Handschuhe, Kanister und Tonnen, Zutaten, eine digitale Waage und den Mixer. Von den Behörden erhielten sie zwei Räume am Marktplatz – einen für die Produktion, einen für den Verkauf.
Steigende Nachfrage
Die Nachfrage steigt. Besonders seitdem die Stiftung in Ijaji ein neues Wassersystem eingeweiht hat. „Die Menschen waschen häufiger ihre Wäsche“, sagt Aberu. „Gut für uns.“ Zehn Liter vertreiben sie aktuell durchschnittlich am Tag. An Markttagen, wenn sie Kunden mit Werbung über ein Megafon zu ihrem Laden locken, doppelt so viel. Bald soll ihr Markenname Ifa Illu – „das erste Licht“ – auf den Flaschen stehen. „Er soll für Qualität, Reinheit und frischen Geruch stehen“, sagt Tirfesa.
Auch an größeren Plänen fehlt es nicht. „Wir wollen uns vergrößern, Arbeitsplätze für andere schaffen“, hofft er. Für ihn ist die Gründung schon jetzt ein Wendepunkt: „Meine Frau war im siebten Monat schwanger, als ich hier anfing. Zuvor lag ich monatelang nachts wach und fragte mich, wie wir das Neugeborene versorgen sollen. Jetzt habe ich wieder Hoffnung.“ Seinem Sohn gab er den passenden Namen – Segen.
