Unser täglich Wasser
Wasser für Makafta
Gefährlicher Weg zum Wasser
Yerom wusste, dass sich Hyänen vor allem in der Dunkelheit aus ihren Verstecken trauen. Angriffe der Raubtiere auf Esel und anderes Vieh waren nichts Ungewöhnliches. Doch tagsüber Wasser zu holen, hätte bedeutet, stundenlang in der Schlange zu stehen, denn der Fluss war eine der wenigen Wasserquellen für umliegende Siedlungen und die Bewohner Makaftas, einer Kleinstadt knapp 600 Kilometer nordöstlich von Addis Abeba.
Schlimmer jedoch: Das Wasser, für das sie Nacht für Nacht den gefährlichen Weg auf sich nahmen, machte sie krank. Shigult und ihre sieben Geschwister bekamen Ausschlag, klagten ständig über Bauchschmerzen. Sie übergaben sich und hatten Durchfall. „Für ihr Alter waren sie viel zu klein“, berichtet Yerom. Häufige Druchfallerkrankungen führen bei Kindern zu Wachstumsstörungen. Die geringen Einnahmen, die ihre Landwirtschaft einbrachte, gab die Familie für Arztbesuche aus. „Nach der Behandlung konnten die Kinder zumindest für einige Tage ohne Beschwerden zur Schule gehen“, erinnert sich Yeroms Ehemann Gizaw. Wie ihm und seiner Familie geht es vielen Menschen in Äthiopien. Laut CIA World Factbook haben nur rund die Hälfte der Haushalte im ländlichen Äthiopien Zugang zu sauberem Trinkwasser. Durchfallerkrankungen sind noch immer die häufigste Todesursache für Kinder unter fünf Jahren. Jährlich sterben mehr als 70.000 Mädchen und Jungen daran.
Wasser für eine Kleinstadt
An einer Wasserstelle, am Rand eines großen sandigen Platzes, inmitten von Makafta, steht Getachew Ahmed. Von seinem Haus, in dem er mit seiner Frau und seinen Kindern lebt, braucht er nur fünf Minuten zu Fuß. Es ist zehn Uhr morgens. Die Sonne hat die kalte Luft, die sich im Hochland nachts über das Land legt, längst vertrieben, als der 48-Jährige den Hahn aufdreht. Wasser schießt in die aufgeschnittene Plastikflasche, die er als Trichter in die Öffnung seines gelben 20-Liter-Kanisters gesteckt hat. Seit der Eröffnung des Wassersystems schöpft er oft mehrmals am Tag Wasser. „Früher mussten wir mit zwei Kanistern pro Tag auskommen“, erinnert er sich. Standen der achtköpfigen Familie damit täglich nur 40 Liter Wasser fürs Trinken, Kochen, Waschen und Putzen zur Verfügung, sind es heute drei mal so viel. Im Vergleich: Jeder Deutsche verbraucht am Tag durchschnittlich 121 Liter, also in etwa so viel wie Getachews ganze Familie. Mit der neuen Trinkwasserversorgung konnte nachweislich die Zahl der durch verunreinigtes Wasser Erkrankten von ursprünglich zwölf Prozent der Bewohner Makaftas auf unter zwei Prozent reduziert werden.
Trinkwasser nachhaltig sichern
„Wenn ich am Wasserhahn stehe, fasziniert mich noch immer, wie die Anlage technisch funktioniert“, erklärt Getachew. Gemeinsam mit seinen Söhnen und vielen anderen Anwohnern hat er die Gräben für die Leitungen ausgehoben. Dass sich die Menschen an den Bauarbeiten beteiligen, ist für Menschen für Menschen Voraussetzung, wenn die Stiftung in einer Kleinstadt wie Makafta ein Wasserversorgungssystem baut. Ebenso die Ernennung eines Wasserkomitees. So stellt die Äthiopienhilfe sicher, dass sich die Bevölkerung auch nach Ende ihrer Aktivitäten in der Region um die Anlage kümmert und die Trinkwasserversorgung der Kleinstadt langfristig gesichert bleibt.
Nutzen für Stadt und Land
Auch Yerom, Shigult und Gisaw sind froh, dass sie sich heute nicht mehr um sauberes Wasser sorgen müssen. Von ihrer Hütte zur Wasserstelle sind es nur wenige hundert Meter. „Wir können uns und unseren Haushalt jetzt viel sauberer halten“, berichtet Gisaw. „Früher haben wir nur zu besonderen Anlässen geduscht. Heute geht das, wann immer wir wollen.“