Ein Wald voller Kaffee
Ein Teil äthiopischer Tradition
Unter dem Schatten der Bäume
Der Weg zu diesem Genuss war lang: Über zwanzig Jahre hatte Kelil versucht, den Arabica selbst anzubauen. Immer wieder scheiterte er: Einmal wollte ihm das Landwirtschaftsbüro der lokalen Regierung einige Setzlinge verkaufen. Kelil bereitete einen Teil seines Ackerlands vor und verkaufte zwei Ochsen für das nötige Bargeld. Dann stellte sich heraus, dass nicht genügend Pflanzen verfügbar waren. Ein anderes Mal vertrockneten ihm die jungen Sträucher auf dem Feld.
„Neben den Setzlingen fehlt es vor allem an Wissen“, sagt Tadesse Adele. Der Agrarfachmann von Menschen für Menschen unterstützt die Landwirtinnen und Landwirte bei der Umstellung ihrer Anbautechniken und dokumentiert als Monitoring- und Evaluationsbeauftragter ihre Fortschritte. „Kelil hatte den Kaffee mitten auf seinem,Acker gepflanzt, ohne jegliche Chance auf Schatten“, erklärt Tadesse. „Dabei ist die Arabica-Sorte darauf angewiesen und auf seinem Grundstück wachsen ausreichend Bäume.“
Kelil erhielt von der Stiftung Kaffeesetzlinge und er lernte, wie er sie anpflanzt – im richtigen Abstand unter dem schützenden Laubdach seiner Akazien und Silbereichen. Darunter wächst jetzt Ingwer. „Wir über zeugten ihn, den Wald für sich zu nutzen, statt ihn zu roden“, sagt Tadesse. Denn ursprünglich wollte Kelil die Bäume für den Anbau von Mais und Sorghum fällen.
Aber auch das Portemonnaie der Landwirte profitiert: Vor Kelils Haustür reihen sich heute Säcke voller Kaffeekirschen aneinander. Verkaufte er früher nur Sorghum, bietet er jetzt auf dem Markt neben Ingwer und Kaffee auch Papayas an. Deren Setzlinge stellte ebenfalls die Stiftung. Das bringt ihm ein zusätzliches Einkommen von 230.000 Birr (rund 1.270 Euro) pro Jahr. Geld, das die Familie reinvestiert: in einen separaten Stall, Haushaltsutensilien, Seife und Lebensmittel. „Wir leben gesünder“, sagt der achtfache Vater. Seine Kinder essen regelmäßig Obst, bei Erkältungen hilft frischer Ingwertee, und fehlt etwas, holen sie es auf dem Markt . Seitdem sich die Stiftung in der Region einsetzt, gibt es dort an den Ständen insgesamt eine reichhaltigere Auswahl an Gemüse und Obst.
In Zukunft möchte Kelil seine Kaffeeproduktion weiter ausbauen. Einen Teil des zukünftigen Gewinns will er ansparen, um sich irgendwann, so hofft er, einen Entpulper kaufen zu können. Der trennt die Bohnen vom Fruchtfleisch der Kaffeekirsche. „Dann könnte ich meinen Kaffee selbst verarbeiten und teurer verkaufen“, sagt der Landwirt. Einen Namen für seine Kaffeefirma hätte er auch schon: Namaf Namota – Menschen für Menschen.
„Die Kaffeebauern lassen ihre Wälder stehen. Für Baumaterial oder Feuerholz geben wir ihnen Setzlinge schnellwachsender Baumsorten.“