Zwei junge Männer die in einem Elektroshop arbeiten

In die Zukunft mit Sonnenkraft

In die Zukunft mit Sonnenkraft

Gemeinsam etwas aufbauen

29.07.2026

Die Arbeitslosigkeit unter jungen Äthiopierinnen und Äthiopiern ist hoch. Es mangelt an Jobangeboten, vor allem abseits der größeren Ballungszentren. Um den Frauen und Männern eine Perspektive zu bieten, organisieren wir praktische Berufstrainings. Dank des Startkapitals aus einem neuen, von der EU kofinanzierten Innovations- und Gründerprogramm können Jungunternehmerinnen und -unternehmer ihre Businessideen in die Realität umsetzen. Sie schöpfen Hoffnung, sammeln Erfolge und schaffen Arbeit für andere.

Ein Handwerk, das Zukunft schafft

Als Fikade Wurga seinen Schulabschluss in der Tasche hatte, überlegte er, womit sich in Hawariat Geld verdienen lässt. Was fehlt? Woran gibt es einen Bedarf?

„Viele Landwirte hier nutzen alte Handys. Aber niemand weiß, wie man sie repariert“, sagt der heute 24-Jährige, während er den Akku eines Mobiltelefons austauscht. Hinter ihm stapeln sich Lautsprecher, Radios und Fernseher. Am Werktisch gegenüber sitzt Mitiku Teka und lötet ein Kabel. Seit drei Jahren führen die beiden gemeinsam einen Elektroshop samt Reparaturwerkstatt.

Kennengelernt haben sie sich während ihrer Ausbildung in Elektrik und Elektrotechnik an einem technischen Berufsbildungszentrum, das Menschen für Menschen vor 15 Jahren vor den Toren Hawariats errichtet hat. Dort lassen sich auch Berufe wie das Schneidern, Metallbau, IT oder KFZ- Mechanik erlernen. „Unsere Möbelbauer sind die erfolgreichsten“, sagt Direktor Tizazu Fikadu Bereka stolz. Viele Absolventinnen und Absolventen machten sich später selbstständig, berichtet er. Das Zentrum unterstützt sie dabei; mit Maschinen aus den Abschlussprojekten oder bei der Eröffnung von Bankkonten. Ziel sei es, dass die jungen Menschen dauerhaft ein eigenes Einkommen erwirtschaften können und nicht von den wenigen Jobangeboten in Behörden abhängig sind.

Fikade und Mitiku legten für ihre Geschäftsgründung ihre Ersparnisse zusammen und kauften Schraubenzieher, Messgeräte und Lötkolben. Die lokale Regierung stellte ihnen für ihren Laden eine kleine Wellblechhütte zur Verfügung. Zunächst reparierten sie vor allem Handys. Nach und nach erweiterten sie ihr Angebot. In den ersten Jahren erwirtschafteten sie rund 120.000 Birr Gewinn, umgerechnet etwa 650 Euro. „Nicht schlecht“, sagt Fikade. „Aber wir wussten, dass mehr möglich ist.“

Zwei Männer die in einem Shop an einer Solaranlage arbeiten.
Findige Geschäftsleute: Fikade (vorne) und Mitiku in ihrem Elektro- und Reparaturshop.
Drei junge Frauen sie an einem Computer sitzen in einem Lernzentrum.
Auch digitale Tools kommen in den Berufsbildungszentren zum Einsatz.

Vor allem mit Solartechnik. In der Kleinstadt fällt häufig der Strom aus, viele Dörfer in der Umgebung sind nicht an das Netz angeschlossen. „Der Bedarf ist also riesig“, sagt Fikade. Mit diesem Plan im Kopf meldeten sich die beiden für ein neues Trainingsprogramm von Menschen für Menschen an ihrem ehemaligen Berufszentrum an. In dem fünftägigen Workshop feilten sie an ihrem Businessplan und entwickelten Marketingstrategien.

Ziel des Trainings ist es, junge Unternehmerinnen und Unternehmer auf ein von der EU kofinanziertes Förderprogramm des Business Incubation Center Ethiopia (BIC) in Addis Abeba vorzubereiten. Es unterstützt vor allem nachhaltige Geschäftsideen aus den Bereichen Landwirtschaft und Technologie. Nach dem Kurs können sich die Absolventinnen und Absolventen beim BIC um einen Zuschuss von 1.000 Euro bewerben. Fikade und Mitiku bekamen den Zuschlag. Sie investierten das Geld in ihre ersten Solarpanels, die sie verkauften und installierten, um den Verdienst wiederum zu reinvestieren. Das neue Geschäft zahlte sich aus: Innerhalb eines Jahres erzielten sie damit zusätzlich mehr als 550 Euro Gewinn.

Künftig wollen die beiden Männer ihr Unternehmen vergrößern: Während heute je nach Auftragslage bis zu vier Tagelöhner für sie arbeiten, möchten sie ein oder zwei von ihnen als feste Mitarbeiter anstellen. Zudem wollen sie einen größeren Laden mieten und ein Warenlager aufbauen. „Wir brauchen mehr Platz, um unsere Produkte zu präsentieren“, sagt Fikade. Sieben Jahre nach seinem Schulabschluss ist Fikades Plan aufgegangen: Seine Dienstleistungen erleichtern den Menschen in seinem Heimatort den Alltag. Aus einer Geschäftsidee wurde ein Unternehmen – und aus zwei Absolventen wurden Arbeitgeber.

„Die Stadt hat sich durch die neuen Betriebe unserer Studierenden verändert: Wer erfolgreich ist, kauft auf dem Markt ein, investiert in der Stadt oder beschäftigt andere Menschen.“

Tizazu Fikadu Bereka Direktor des Berufsbildungszentrums
Porträt eines Mannes der in die Kamera schaut