In die Zukunft mit Sonnenkraft
Gemeinsam etwas aufbauen
Ein Handwerk, das Zukunft schafft
„Viele Landwirte hier nutzen alte Handys. Aber niemand weiß, wie man sie repariert“, sagt der heute 24-Jährige, während er den Akku eines Mobiltelefons austauscht. Hinter ihm stapeln sich Lautsprecher, Radios und Fernseher. Am Werktisch gegenüber sitzt Mitiku Teka und lötet ein Kabel. Seit drei Jahren führen die beiden gemeinsam einen Elektroshop samt Reparaturwerkstatt.
Kennengelernt haben sie sich während ihrer Ausbildung in Elektrik und Elektrotechnik an einem technischen Berufsbildungszentrum, das Menschen für Menschen vor 15 Jahren vor den Toren Hawariats errichtet hat. Dort lassen sich auch Berufe wie das Schneidern, Metallbau, IT oder KFZ- Mechanik erlernen. „Unsere Möbelbauer sind die erfolgreichsten“, sagt Direktor Tizazu Fikadu Bereka stolz. Viele Absolventinnen und Absolventen machten sich später selbstständig, berichtet er. Das Zentrum unterstützt sie dabei; mit Maschinen aus den Abschlussprojekten oder bei der Eröffnung von Bankkonten. Ziel sei es, dass die jungen Menschen dauerhaft ein eigenes Einkommen erwirtschaften können und nicht von den wenigen Jobangeboten in Behörden abhängig sind.
Fikade und Mitiku legten für ihre Geschäftsgründung ihre Ersparnisse zusammen und kauften Schraubenzieher, Messgeräte und Lötkolben. Die lokale Regierung stellte ihnen für ihren Laden eine kleine Wellblechhütte zur Verfügung. Zunächst reparierten sie vor allem Handys. Nach und nach erweiterten sie ihr Angebot. In den ersten Jahren erwirtschafteten sie rund 120.000 Birr Gewinn, umgerechnet etwa 650 Euro. „Nicht schlecht“, sagt Fikade. „Aber wir wussten, dass mehr möglich ist.“
Ziel des Trainings ist es, junge Unternehmerinnen und Unternehmer auf ein von der EU kofinanziertes Förderprogramm des Business Incubation Center Ethiopia (BIC) in Addis Abeba vorzubereiten. Es unterstützt vor allem nachhaltige Geschäftsideen aus den Bereichen Landwirtschaft und Technologie. Nach dem Kurs können sich die Absolventinnen und Absolventen beim BIC um einen Zuschuss von 1.000 Euro bewerben. Fikade und Mitiku bekamen den Zuschlag. Sie investierten das Geld in ihre ersten Solarpanels, die sie verkauften und installierten, um den Verdienst wiederum zu reinvestieren. Das neue Geschäft zahlte sich aus: Innerhalb eines Jahres erzielten sie damit zusätzlich mehr als 550 Euro Gewinn.
Künftig wollen die beiden Männer ihr Unternehmen vergrößern: Während heute je nach Auftragslage bis zu vier Tagelöhner für sie arbeiten, möchten sie ein oder zwei von ihnen als feste Mitarbeiter anstellen. Zudem wollen sie einen größeren Laden mieten und ein Warenlager aufbauen. „Wir brauchen mehr Platz, um unsere Produkte zu präsentieren“, sagt Fikade. Sieben Jahre nach seinem Schulabschluss ist Fikades Plan aufgegangen: Seine Dienstleistungen erleichtern den Menschen in seinem Heimatort den Alltag. Aus einer Geschäftsidee wurde ein Unternehmen – und aus zwei Absolventen wurden Arbeitgeber.
„Die Stadt hat sich durch die neuen Betriebe unserer Studierenden verändert: Wer erfolgreich ist, kauft auf dem Markt ein, investiert in der Stadt oder beschäftigt andere Menschen.“