Waschtag in Madea
Kurze Wege, große Wirkung
Wenn Wasser den Alltag verändert
Dass ein Mann die Wäsche für die ganze Familie übernimmt, ist im ländlichen Äthiopien eher selten. Doch der 37-jährige ist in seinem Dorf nicht mehr der Einzige. „Seitdem ich es direkt hier in der Nachbarschaft erledigen kann, ist das kein Problem“, sagt Teferi. „Es macht sogar Spaß!“
Noch vor wenigen Monaten war Wasser zum Trinken, Kochen, Putzen und Waschen in Madea im südäthiopischen Hochland knapp. Tagtäglich mussten die Menschen lange Fußmärsche zu einer Wasserstelle zurücklegen, die die Regierung vor Jahren gebaut hatte. So auch Teferis Ehepartnerin, die als Frau traditionell für das Schöpfen von Wasser zuständig ist. Manchmal half ihr der älteste, heute 17-jährige Sohn. Mehr als zwei Stunden brauchten sie für den Hin- und Rückweg, plus die Wartezeit, bis sie an der Reihe waren. Einige Familien schöpften ihr Wasser daher lieber an einem etwas näher gelegenen Fluss. „Die Ärzte und Krankenschwestern haben aber davor gewarnt“, erzählt Teferi. In dem ungeschützten und verdreckten Gewässer tummeln sich Parasiten. Immer wieder erkrankten in Madea vor allem Kinder an schweren Magen-Darm-Infekten.
Mit den 20 bis 30 Litern, die Teferis Frau jeden Tag nach Hause schleppte, musste die gesamte Familie auskommen: sechs Kinder, die Großmutter, das Vieh. „Wurde es knapp, haben wir unser Haus weniger gründlich geputzt oder uns seltener gewaschen“, sagt Teferi. „Trinken ging immer vor.“ Die Kleidung nahm seine Ehefrau meist direkt mit zur Wasserstelle, um sie dort zu waschen. Ein zusätzliches Gewicht auf dem langen Weg.
Um den Menschen einen sorgenfreien Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, errichtete Menschen für Menschen für das Dorf Madea ein kleines Wasserversorgungssystem. Eine 2,4 Kilometer entfernte natürliche Quelle wurde eingefasst. Von dort fließt das Wasser über Rohre in einen Tank ins Dorf und von dort zu einer Ausgabestelle. Zusätzlich baute die Stiftung eine Viehtränke und die Waschbecken. Auch ein benachbartes Dorf wurde in die Wasserversorgung integriert, sowie eine Kirche. Rund 80 Haushalte profitieren. „Wirklich alle fassten bei den Bauarbeiten mit an“, erinnert sich Zerihun Gezahegn, Leiter des Projektgebiets Kawo Koysha, zu dem Madea gehört. Frauen und Männer, jung und alt, schleppten Steine, Sand und Zement, gruben tiefe Löcher, spendeten Holz für die Zäune.
Das hofft auch Teferi Cheka. Die Menschen seien gesünder, hätten mehr Kraft und vor allem die Frauen könnten ihre Zeit nun anderen Dingen widmen und zum Einkommen der Familie beitragen. „Das Wasser hat unser ganzes Leben verändert.“
„Die Anlagen der Stiftung sind vorbildlich: Aus gutem Material gebaut, der Wassertank einfach zu reinigen und die Viehtränken in guter Höhe.“