Hoffnung wagen
Auf dem Hof von Tadelu Mosisa gackert und piepst es. Läuft die Bäuerin zwischen ihrer Wohnhütte und dem Kochverschlag zu den Feldern der Familie, muss sie aufpassen, dass sie auf keines der Küken tritt. Überall tapsen sie umher. Hühner picken Samen vom Boden. Ein Hahn kräht.
Die Vogelschar ist Teil von Tadelus Zukunftsplan. „Ich verkaufe die Eier auf dem Markt“, erklärt die 35-jährige. Einige lässt sie von den Hennen ausbrüten. Mit den Küken vergrößert sie ihr Hühnervolk oder verkauft sie. Vom Erlös möchte sie ein Schaf anschaffen. Es soll die Familie mit Milch versorgen und Tadelu Lämmer schenken, die sie auf dem Markt anbieten kann. Irgendwann, so hofft Tadelu, wird sie genug Geld für eine Kuh haben. „Ich bin fest entschlossen, das zu schaffen.“
Starthilfe für Fayisa
Miserable Gesundheitsversorgung
Nun plagen sie nicht länger Kopfschmerzen durch den Rauch des offenen Feuers. Auch vor Unfällen – wie sie früher passiert sind – braucht sie sich nicht mehr sorgen: Vor vier Jahren, als ihre jüngste Tochter Deratu gerade zwei Jahre alt war, fiel sie ins Feuer. „Nur für Sekunden hatte ich mich umgedreht“, erinnert sich die Mutter. Doch Deratu hatte Glück im Unglück. Ihre Wunden wurden gut versorgt, nur einige dunkle Narben auf ihrem Arm blieben.
Brunnen statt Flusswasser
Besonders zur Regenzeit ist das ein Problem. Die Flüsse, aus denen die Menschen ihr Trinkwasser schöpfen, führen dann viel Wasser. Erde, Steine, Gräser am Ufer werden mitgerissen, inklusive Müll und Fäkalien von Tier und Mensch. Eine Brutstätte für Keime und Parasiten, die schwere Magen-Darmerkrankungen auslösen. Auch Fayisa, Tadelu und ihre Kinder leiden dann regelmäßig unter Durchfall und Erbrechen.
Da es in ihrer Nähe keinen Brunnen oder eine geschützte Quelle gibt, haben Tadelu und ihre Töchter keine andere Wahl, als zwei bis dreimal täglich den einstündigen Marsch zum Fluss und wieder zurück auf sich zu nehmen. So geht es vielen Menschen in Nono Benja: Nur etwas mehr als jeder Dritte hat Zugang zu sauberem Trinkwasser.
„Das muss sich schnell ändern!“, sagt Zeleke Kasa, der das Projektgebiet leitet. „Noch in diesem Jahr wollen wir neun Flachbrunnen und mehrere Quellfassung errichten.“ In einer der kleineren Städte wurde bereits mit dem Bau eines Wasserversorgungssystems begonnen. „Zudem unterstützen wir die Gesundheitsstationen mit medizinischer Ausstattung.“
Fast jedes Jahr erkrankt eines der Kinder an Malaria
Damit soll Schluss sein. Fayisa hofft, dass sie durch den Verkauf von Gemüse, den Eiern und Küken, dank Honig und Kaffee endlich aus ihrer Armut ausbrechen, Kleidung und Schulbücher kaufen können. Gern würde Fayisa das Strohdach ihrer Hütte durch Wellblech ersetzen. Oder gleich ein neues Haus bauen, mit Zimmern für die Kinder, für Tadelu und sich. Seine bisherigen Erfolge stimmen ihn zuversichtlich und so ist er sich sicher, dass er sich irgendwann auch diesen Traum erfüllen kann.