Sieben Frauen versammeln sich in einem rustikalen Raum, sechs sitzen an einer Nähmaschine, eine steht und spricht.

Periode? Unterricht verpassen? Keinmal im Monat!

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Lehrerin Zinash Desalegn hat ihre Schülerinnen stets im Blick. Besonders, sobald sie in die siebte oder achte Klasse kommen. Ihre Körper verändern sich in dieser Zeit, sie bekommen zum ersten Mal ihre Periode“, sagt Zinash. „Davon sind sie oft überfordert.“ Die 32 Jährige erklärt ihnen dann im persönlichen Gespräch den natürlichen Vorgang, beruhigt sie, dass sie weder krank noch verletzt sind, berät zu Menstruationsprodukten und Intimhygiene.

 

Bis vor wenigen Jahren war es für die Mädchen an der Grundschule der Kleinstadt Alga, rund 270 Kilometer südwestlich von Addis Abeba, jedoch schwer, die Tipps umzusetzen. Die Gebäude und Toiletten waren alt, heruntergekommen und viel zu wenige für die mehr als 1.500 Schülerinnen und Schüler. Ein Zugang zu Wasser fehlte, Tampons oder Einmalbinden waren für die meisten Mädchen zu teuer. Sie halfen sich stattdessen mit alten Stofffetzen oder Blättern.

Ein großes Problem, das Frauen und Mädchen weltweit betrifft. Schätzungen der Weltbank zufolge sind 500 Millionen von „Periodenarmut“ betroffen: Sie können sich nicht ausreichend mit Binden, Tampons oder Menstruationstassen versorgen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation werde global zudem nur an zwei von fünf Schulen über die Periode aufgeklärt. In Äthiopien wüssten nur knapp 40 Prozent der Schulmädchen vor ihrer ersten Monatsblutung darüber Bescheid. „Vielen ist all das unglaublich peinlich, und sie verkriechen sich zuhause“, erklärt Zinash. „Monat für Monat verpassen sie so wichtigen Unterricht.“

Eine Frau, die in einem Klassenzimmer mit Stoffen und Maschinen Nähunterricht erteilt, wodurch Binden hergestellt werden.
Lehrerin Zinash ist es wichtig, alle über die Menstruation aufzuklären.

Breite Unterstützung

Um Mädchen bessere Bildungschancen zu ermöglichen, setzt unser Engagement in mehreren Bereichen an: 2021 installierten wir beispielsweise an Zinashs Schule eine Wasserstelle und bauten neben drei Schulblöcken auch neue Toiletten. In einem mittlerweile extra dafür bereitgestellten Menstruationsraum können sich Schülerinnen waschen und umziehen. Für sie liegen frische Stoffbinden aus. Eine Mädchen-AG näht sie aus Baumwolle und einem speziellen flüssigkeitsabweisenden Stoff.

„Ich bin stolz, dass ich meinen Mitschülerinnen so helfen kann“, sagt die 15 jährige Derartu Negasa. Ihr und dem Rest der Gruppe stellten wir dafür eine Nähmaschine, sowie Textilien, Garn und Scheren zur Verfügung. Zudem organisierten wir einen mehrtägigen Workshop mit einem Schneider und einem Gesundheitsexperten der Regierung.

Zwei Frauen in einem rustikalen Raum an einer Nähmaschine am Stoff zusammennähen.
Deratu hat Nähen gelernt, ihre Mitschülerinnen bekommen gratis Binden.

Er erklärte, wie die Binden nach der Benutzung gereinigt werden müssen: Im kochenden Wasser mit Seife einweichen und waschen. und dann en einem sauberen Ort komplett trocknen lassen. „Ich finde es toll, dass man sie wiederbenutzen kann. Das spart viel Müll“, sagt Derartu.

Die Achtklässlerin und die anderen knapp 30 Mädchen der AG ziehen mittlerweile regelmäßig durch die Klassenräume, um über die Menstruation zu sprechen. „Auch die Jungs müssen zuhören!“, sagt Derartu. „Um uns zu unterstützen statt zu hänseln.“ Diese Aufklärung, neue Räumlichkeiten, ausreichend Wasser und Binden – all das, so hoffen Derartu, Zinash und auch wir, wird helfen, dass keines der Mädchen wegen ihrer Periode je wieder eine Schulstunde verpassen muss.

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