Beerdigung auf äthiopisch: Klageweiber sorgen für Stimmung
Kurioses
Klageweib als bezahlter Nebenjob
Bei der Totenwache und der Beerdigung nehmen oft Klageweiber teil, die gegen Bezahlung um den Verstorbenen klagen. Sie jammern nicht nur lautstark mit den Angehörigen, sondern greifen auch die vorgeschriebenen Gebete auf und rezitieren sie. Diese Gesänge wirken zwar spontan, folgen aber von der Tradition vorgegebenen Mustern. Verwandte und Freunde beklagen das grausame Schicksal der Verstorbenen sowie dessen Familie und loben die Klagelieder.
Dieses “Schauspiel” muss von Klagefrauen entsprechend geübt werden, um am Tag der Beerdigung glaubwürdig zu erscheinen. Es dient dazu, den verstorbenen Menschen zu ehren. Im traditionell geprägten Äthiopien wird diese Form der Trauerbewältigung noch heute gelebt – zumindest in den Städten, wo mehr wohlhabende Menschen als auf dem Land leben.
Frauen – meist sind es Hausfrauen im mittleren Alter – klagen als Nebenberuf gegen Bezahlung auf Beerdigungen. Für etwas Geld heizen die Klageweiber quasi die Stimmung an, um es den Anwesenden zu erleichtern, ihre Trauer zu äußern. Es handelt sich dabei um Frauen, die sozial gut vernetzt sind und sich gewählt ausdrücken können. Das ist notwendig, um die Klagelieder authentisch vortragen zu können.