Dirk Roßmann, der Gründer der Drogeriemarktkette Rossmann, lehnt in einem Bürogebäude an eine Säule gelehnt und lächelt in die Kamera.
17.09.2026

„Hören wir einander zu, bevor wir urteilen.“ Ein Interview mit Dirk Roßmann

17
Sep. 2026

Aktuelles
 

Dirk Roßmann eröffnete 1972 in Hannover den ersten deutschen Selbstbedienungs-Drogeriemarkt und schuf damit den Grundstein für eines der führenden Drogerieunternehmen Europas: ROSSMANN. Gesellschaftliche Verantwortung gehört für ihn zum Lebenswerk: 1991 gründete er gemeinsam mit Erhard Schreiber die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und setzt sich darüber hinaus weltweit für Bildungsgerechtigkeit, selbstbestimmte Familienplanung und Umwelt ein. An dieses Engagement knüpft auch die mehrjährige Unterstützung von Menschen für Menschen an. Seit der Übergabe der Unternehmensverantwortung an seinen Sohn Raoul Roßmann widmet er sich verstärkt seiner Autorentätigkeit. Mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auf unsere Erde macht er die dringlichsten Probleme unserer Zeit zum Thema.

 

Wenn Sie an Ihr Leben denken – was ist der erste Gedanke, der Ihnen in den Sinn kommt?
Ich habe nie aufgehört, zu lernen. Die Schule war für mich keine schöne Zeit, aber Bücher und Begegnungen mit Menschen haben mir immer neue Welten eröffnet.
Für was in Ihrem Leben sind Sie am dankbarsten?
Für meine Frau, meine Familie und gute Freunde. Für Menschen, die mir das Gefühl geben, dass sie gern bei mir sind. Gesundheit und Geborgenheit lassen sich nicht kaufen. Das ist für mich der größte Reichtum.
Wenn Sie für fünfzehn Sekunden die Aufmerksamkeit der ganzen Welt hätten, was würden Sie dann tun oder sagen?
Freiheit, Würde und Menschlichkeit sind nicht selbstverständlich. Wer viel hat, trägt Verantwortung. Hören wir einander zu, bevor wir urteilen. Unsere Welt wird nicht besser durch Gleichgültigkeit, sondern durch Haltung und Mitgefühl.
Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nicht scheitern würden?
Wäre das wirklich wünschenswert? Scheitern ist nicht grundsätzlich negativ – wichtig ist, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Wenn alles möglich ist, würden wir uns dann wirklich anstrengen und unser Bestes geben? Ich glaube nicht.
Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas zum ersten Mal getan haben?
Als ich begonnen habe, Bücher zu schreiben. Mein Leben lang habe ich gern erzählt und viel gelesen. Über das eigene Leben zu berichten, wie in meiner Biografie, war noch vergleichsweise einfach. Einen Roman zu schreiben, war um ein Vielfaches schwerer.
Was war der beste Rat, den Sie jemals bekommen haben?
Nach dem Scheitern meiner ersten Ehe haben gute Freunde mir geraten, eine Gesprächstherapie zu beginnen. Dieser Rat hat mein Leben verändert. Ich habe gelernt, mich besser zu verstehen und Konflikte anders auszutragen. Vor allem habe ich gelernt, gute Ratschläge anzunehmen.
Was wünschen Sie sich für die jüngere Generation?
Ich wünsche jungen Menschen Selbstvertrauen und Zuversicht. Sie sollen lesen, Fragen stellen und ihren eigenen Weg suchen. Niemand muss perfekt sein. Entscheidend ist, nach Rückschlägen weiterzugehen und sich nicht allein danach zu richten, was andere erwarten.
Was bedeutet es für Sie, ein gutes Leben zu führen?
Ein gutes Leben bedeutet für mich, frei von existenzieller Angst zu sein und über die eigene Zeit verfügen zu können. Es bedeutet auch, geliebt zu werden und selbst Liebe geben zu können. Geld kann dabei helfen, Freiheit zu schaffen und anderen zu helfen. Glück entsteht aber nicht durch Besitz, sondern durch Zeit und menschliche Nähe.
Welchen Traum würden Sie sich gerne erfüllen?
Viel von dem, was ich mir in jungen Jahren gewünscht habe, ist in Erfüllung gegangen. Ich bin zufrieden mit meinem Leben, wie es heute ist. Was ich inzwischen mehr habe als früher, ist Zeit – für meine Familie, Freunde und gute Gespräche.

Foto: Dirk Rossmann GmbH

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