Maja Göpel sitzt auf einer Treppe.

„Der Himmel kann sich auch in einer Pfütze spiegeln.“ Ein Interview mit Maja Göpel

26
Mai 2026

Aktuelles

Prof. Dr. Maja Göpel arbeitet seit über 25 Jahren als Politökonomin, Transformationsexpertin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Die Politikberaterin, Bestseller-Autorin und gefragte Rednerin ist Professorin für Nachhaltigkeitstransformation an der Leuphana Universität Lüneburg und Gründerin von Mission Wertvoll. Sie ist Mitglied im Club of Rome, dem World Future Council, der Balaton Group und Mitbegründerin der Initiative »Scientists4Future«.

 

Wenn Sie an Ihr Leben denken – was ist der erste Gedanke, der Ihnen in den Sinn kommt?

Sehr bunt, bisschen arg schnell gerade.

Für was in Ihrem Leben sind Sie am dankbarsten?

Für meine Familie und Freunde.

Was löst bei Ihnen immer wieder aufs Neue Begeisterung aus?

Wenn ich so richtig gute Lösungen für ein Ziel oder einen Zweck sehe. Einfach gutes Design oder eine verblüffend gute Performanz. Da ist die Natur für mich ganz weit vorne, zumal dort auch mit Schönheit nicht gespart wurde. Sobald eine bestimmte Größenordnung erreicht ist, mischen sich dann Demut und Dankbarkeit dazu.

Wenn Sie für fünfzehn Sekunden die Aufmerksamkeit der ganzen Welt hätten, was würden Sie dann tun oder sagen?

Ich würde bitten, einmal tief zu atmen und zu bemerken, dass wir biologische Wesen sind, deren Lebendigkeit vom Respekt vor der Natur und ihren Gesetzen abhängt – unser Glück als soziale Wesen hingegen nicht von der Anhäufung von Besitz. Zum Glück.

Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nicht scheitern würden?

Ich würde das globale Finanzsystem einmal komplett neu aufsetzen und dafür sorgen, dass es als das öffentliche Gut organisiert wird, was es sein muss, um seinen ursprünglichen Zweck erfüllen zu können: ein Ermöglicher von real produktiven Kooperationsprozessen zu sein, deren Mehrwert nicht im großen Stil von Finanzkonzernen und vergleichsweise wenigen Prozent einer Bevölkerung abgeschöpft, sondern innerhalb der produktiven Prozesse erneut eingesetzt wird. Schließlich sorgen erst Staaten mit steuerfinanzierten Rechtssystemen dafür, dass diese fiktiven Werteinheiten abgesichert werden können – und sollen bei spekulativen Auswüchsen mit Kriseneffekt dann noch weitere Steuermittel einsetzen, um die Abschöpfer zu retten. Das kann nicht mehr lange funktionieren.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas zum ersten Mal getan haben?

Oh, das passiert mir dauernd, wahrscheinlich diese Woche.

Welchen Traum würden Sie sich gerne erfüllen?

Vollumfänglich gefühlt von „was braucht die Welt von mir“ auf „was wünsche ich mir vom Leben“ zu shiften – verlässlich zwei Tage die Woche und dazu sechs Wochen im Jahr.

Was war der beste Rat, den Sie jemals bekommen haben?

„Nimm Dich selbst nicht so wichtig.“ Das ist besonders für Personen relevant, die sich schnell für alles verantwortlich fühlen – oder sich schnell Verantwortung anziehen lassen.

Was wünschen Sie sich für die jüngere Generation?

Dass sie mutig formuliert, was für sie ein gutes Leben ausmacht, auch wenn das nicht in die strukturellen Logiken der krisengebeutelten Institutionen, Rollen und Deutungsmuster passt. Gerade weil diese krisengebeutelt sind, braucht es die junge und klare Sicht auf eine viel zu oft verdrängte Frage: worum geht es eigentlich?

Was bedeutet es für Sie, ein gutes Leben zu führen?

Wertschätzung im Alltag, sich an den kleinen Dingen und Umgangsformen erfreuen. Der Himmel kann sich auch in einer Pfütze spiegeln.

Foto: Linda Schäffler

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