Eine Frau arbeitet auf einer Baustelle und hebt einen Ziegelstein auf eine Mauer.

Die Zukunft erbauen

Die Zukunft erbauen

Hohlblockstein für Hohlblockstein stapelt Mulu Kefalu aufeinander. Hunderte warten darauf, im Anbau des Gesundheitszentrums in Ijaji verbaut zu werden. „Viele Frauen verstecken sich, wenn harte Aufgaben anstehen“, sagt sie. „Ich nicht.“ Seit knapp zwei Jahren gräbt sie Gräben, schleppt Sand und Zement, assistiert den Maurern. Sie arbeitet für einen Bauunternehmer, der in der Kleinstadt rund 200 Kilometer westlich von Addis Abeba im Auftrag von Menschen für Menschen mehrere Gebäudekomplexe errichtet. „Der Job gibt mir Hoffnung“, sagt Mulu, die rund 65 Euro monatlich verdient.

Ihre Hoffnung hatte die 45-Jährige lange verloren. Mulu stammt aus dem benachbarten Bezirk Dano, wo es zuletzt immer wieder zu Konflikten zwischen der äthiopischen Armee und einer bewaffneten Oppositionsgruppe kam. Ihr Mann war bereits Soldat, als die Gewalt eskalierte. Er kämpfte in der Region, im Bürgerkrieg im Norden, heute ist er in Addis Abeba stationiert. Schickte er früher Geld nach Hause, reichte sein Sold irgendwann nicht mehr aus, um die Familie zu ernähren. „Und es wurde zu gefährlich für uns“, sagt Mulu. Die Rebellen wussten, auf wessen Seite ihr Mann stand. Sie kamen zu ihr nach Hause, stellten Fragen, wollten an Informationen über ihn kommen. „Ich bekam Angst.“ Mulu floh mit ihren vier Kindern nach Ijaji. Ohne feste Bleibe und Unterstützung begann sie, Injera für Privatpersonen und ein Restaurant zu backen. Sie verdiente 30 bis 40 Euro im Monat – ein unsicheres und schwankendes Einkommen. Manche Kunden drängten sie zudem zu unbezahlter Hausarbeit, der Rauch der offenen Kochstellen setzte ihr zu. „Doch wegen meiner Kinder blieb ich.“

Schließlich begann sie, auf der Baustelle einer Schule zu arbeiten, die die Stiftung durch einen Bauunternehmer in Ijaji errichten ließ. Nun das Gesundheitszentrum. Sie hofft, dass sie nach dessen Fertigstellung weiter auf dem Bau arbeiten kann. Die Chancen stehen gut: Dank des neuen Wasserversorgungssystems, das Menschen für Menschen in Ijaji installiert hat, wächst die Stadt und braucht mehr starke Bauarbeiterinnen wie sie.

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