Von Bienen und Würmern
Es kreucht und fleucht
Der heute siebenfache Vater suchte im lokalen Landwirtschaftsbüro der Region Illu Gelan rund 200 Kilometer westlich von Addis Abeba Hilfe. In den Folgejahren stellte ihm die Behörde Saatgut, beriet ihn. Soresa begann, Teile seiner Mais- und Teff-Ernte zu verkaufen. Zudem den Joghurt, den seine Frau aus der Milch seiner Kühe herstellt. Rund 650 Euro verdiente er so pro Jahr. Mehr als die Hälfte musste er allerdings direkt wieder in chemischen Dünger für seine Feldfrüchte investieren.
Wurmkompost ist hier eine ökologische Alternative, die zudem kaum Kosten verursacht. Soresa lernte von Menschen für Menschen, wie er die Wurmkisten baut, mit was er sie füllen und wie oft er sie gießen sollte. Außerdem erhielt er ein Starterset aus zwei Kilo Würmern. „Zu Beginn war ich sehr skeptisch“, gibt Soresa zu. Auf einem kleinen Teil seines Maisfeldes probierte er den Wurm-Humus aus – und ist bis heute begeistert: „Die Stängel, Blätter und Körner sehen so gesund aus!“ Bald möchte Soresa komplett auf den Kunstdünger verzichten. Auch seine Kaffeesträucher und die Papaya- und Avocadobäume, die er von der Stiftung erhielt, wird er mit der Komposterde düngen. In Zukunft plant der Landwirt, einige seiner Ochsen und Kühe zu mästen und seinen Fruchtanbau zu vergrößern. Seine Frau wird zudem bald ihre eigene kleine Hühnerzucht starten. Soresa baut ihr den Stall, von Menschen für Menschen erhält sie einige Tiere. Vielleicht, so hofft Soresa, könnte auch seine älteste Tochter mit einsteigen. Ohne Einkommen und Jobaussichten war sie nach ihrem Schulabschluss nach Saudi-Arabien gegangen. „Ich vermisse sie sehr“, sagt er, „und möchte, dass sie hier zuhause endlich eine Perspektive hat.“