Gebärmuttersenkung
Wie wir helfen
„Hauptursachen sind andauernde schwere körperliche Arbeit sowie viele unbegleitete Hausgeburten“, erklärt Mulugeta Tadesse Lema. Er ist Gynäkologe und einer der Ärzte, die im Projektgebiet Kawo Koysha viele der Eingriffe durchgeführt haben. „Dass die Krankheit ein solches Tabu ist, über das keiner spricht, ist ein Problem. So leiden viele Frauen lange, bevor wir ihnen helfen können.“
Workinesh ist in Marea aufgewachsen. „Damals gab es hier kein Wasser, keinen Strom, nicht einmal eine Straße“, erinnert sie sich. Immer wieder kam es in der Gegend zu Erdrutschen, die das Bestellen der Felder erschwerten. Schon als kleines Mädchen half Workinesh den Eltern. Sie schleppte Feuerholz, kümmerte sich um die Tiere, sogar den Acker pflügte sie. Eine Schule besuchte sie nie. Mit 19 Jahren bekam Workinesh ihr erstes Kind, über die nächsten zwanzig Jahre folgten sechs weitere. Alle gebar sie zuhause. „Nur die traditionellen Hebammen im Dorf halfen“, sagt Workinesh. War ihr Leben bis dahin schon nicht einfach, wurde es vor vier Jahren noch beschwerlicher. „Ich erntete gerade Süßkartoffeln, als ich plötzlich starke Schmerzen und ein komisches Gefühl im Unterleib hatte“, sagt Workinesh. Später, beim Umziehen, sah sie was passiert war. Und schwieg.
Unsichtbares Leid: ein Tabu im Dorf
Erst als eine Sozialarbeiterin von Menschen für Menschen in Marea über die Erkrankung aufklärte und von der rettenden Operation berichtete, vertraute sie sich ihr an. Die Stiftung organisierte den OP-Termin und kam für den Transport ins Krankenhaus auf. Zurück daheim musste sich Workinesh die ersten vier Wochen noch schonen. Auch weiterhin sollte sie darauf achten, nicht zu schwer zu heben. Doch sie kann heute wieder mit Freude in den Gottesdienst gehen, leichte Arbeiten auf dem Feld verrichten, Wasser holen und ohne Schmerzen mit ihren Enkelkindern spielen. „Darüber freue ich mich am meisten.“