Ihr Mann verkaufte Eier. „Es reichte uns gerade zum Überleben“, erinnert sich Almaz. Erst recht, als sie nach ihrem Schulabschluss ihren ersten Sohn bekam. „Ich träumte immer schon von einem eigenen Restaurant“, sagt Almaz. Doch ihr fehlte das Startkapital. Genau für solche Fälle hat Menschen für Menschen vor rund zehn Jahren in Billy ein Mikrokreditprogramm ins Leben gerufen. Als Almaz davon hörte, war sie begeistert. In einem fünftägigen Training lernte sie, wie sie Geld spart, einen Businessplan schreibt, Geschäftsideen entwickelt. Zunächst lieh sich Almaz 4.000 Birr. Davon kaufte sie Gläser und Utensilien zur Produktion des Araki und begann, ihn von zuhause aus zu verkaufen. Ihr wöchentliches Einkommen steigerte sich so um einige Euro. Nachdem sie ihre ersten Schulden zurückgezahlt hatte, nahm sie einen doppelt so hohen Kredit auf. Vier weitere folgten. Der letzte umfasste 100.000 Birr, umgerechnet mehr als 1.600 Euro. Almaz erweiterte über die Jahre ihr Getränke- und Essensangebot, kaufte einen Kühlschrank und Regale. Sie ließ das große Haus errichten, in dem sie ihr Restaurant betreibt, und im Hinterhof zwei Wohnungen. In einer lebt Almaz heute mit ihrer Familie, die andere vermietet sie. Sorgen, ihre Schulden nicht zurückzahlen zu können, hat sie nicht.