Terrassen für die Zukunft
Stabile Böden, reiche Ernte
Kraft der Gemeinschaft
Bisher hat der hagere 65-Jährige auf dem ein Hektar großen Feld vor allem Mais, Teff und weiße Bohnen angebaut – gerade genug, um seine Familie zu ernähren. Um Überschüssiges auf dem Markt anzubieten, reicht die Ernte nicht aus. Nur mit dem Verkauf von Eiern und der Milch ihrer Kühe verdient sich die Familie etwas hinzu. „Wir kommen gerade über die Runden“, sagt Baromo. „Zumindest so lange nichts Unvorhergesehenes passiert.“
Wird eines der Kinder krank oder fällt die Ernte mager aus, muss er reagieren – und eines seiner Tiere verkaufen. Auch für teures Düngemittel. Zwei bis drei Zicklein pro Saison sind es etwa, rechnet Baromo vor. Eine große Investition, doch ohne den Dünger wachsen die Feldfrüchte auf dem ausgelaugten Boden nur spärlich. „Ich verteile ihn und bete, dass er wirkt“, sagt er. „Und der nächste Regen ihn mir nicht gleich wieder nimmt.“
Den Teufelskreis brechen
„Dieser Teufelskreis muss ein Ende haben“, sagt Aweke Akalu. Der 32-Jährige arbeitet als landwirtschaftlicher Entwicklungsberater für die lokale Regierung und leitet an diesem Montagmorgen die Arbeiten auf Baromos Feld. „Noch einen Schritt zurück“, ruft er einem der Männer zu, während sie mithilfe eines Fadens den Abstand zur nächsten Terrasse abmessen. Alle zehn Meter werden sie angelegt.
Das Prinzip ist einfach und wirkungsvoll: Die Terrassen bremsen den Regen, halten ihn zurück und geben ihm Zeit, langsam im Boden zu versickern. So wird nicht nur die Erosion gestoppt und das Risiko für Schlammlawinen und Erdrutsche minimiert. Langfristig kann sich auch der Grundwasserspiegel erholen, versiegte Wasserstellen füllen sich wieder.
Gräser für Terrassen
„Wir ziehen die Wurzelableger in unserer Baumschule heran und verteilen sie an die Landwirte“, erklärt Tesfalidet Gebrekidan, Leiter des Projektgebiets Boreda, in dem Bongota liegt. Mitarbeiter der Stiftung und Entwicklungsberater wie Aweke zeigen anschließend, wie die Gräser gepflanzt werden müssen, damit sie ausreichend Licht und Nährstoffe bekommen. „Wenn sie groß genug sind, können die Bauern einen Teil zurückschneiden und an ihre Tiere verteilen“, sagt Tesfalidet. Damit die Terrassen dauerhaft geschützt bleiben, wird die Fläche für weidende Tiere jedoch gesperrt.
„Wir unterstützen die Menschen in Bongato auch über diese Maßnahmen hinaus“, sagt Tesfalidet. Sie erhalten Gemüsesaatgut, dazu Kaffeesträucher und Obstbaumsetzlinge. In Kochkursen erfahren vor allem die Frauen, wie sich aus den neuen Zutaten nahrhafte Gerichte zubereiten lassen. Zusätzlich fördert die Stiftung sogenannte „grüne Öfen“. Sie erzeugen deutlich weniger Rauch als offene Feuer und benötigen weniger Holz. Das schont die Gesundheit der Frauen, erspart ihnen das mühsame Sammeln von Brennholz, und die Stiftung bekämpft gleichzeitig die Ursachen der Bodenerosion und der Klimakrise: die weitreichende Abholzung.
In Bogato ist es Mittag geworden. Baromo richtet sich auf, wischt sich über die Stirn und schaut über sein Feld. Zu sehen, wie alle für ihn, seine Ernte und die Zukunft ihres Dorfes zusammenarbeiten, gibt ihm Hoffnung. „Ich bin mir sicher, es wird sich lohnen“, sagt er. „Für mich und noch viel mehr für meine Kinder und Enkelkinder.“
