Neue Lebensquelle
Sauberes Wasser für das Dorf Oda Obo
Wenn Wasser krank macht
„Ich wusste, dass das verunreinigte Wasser der Grund war, warum es uns so schlecht ging. Aber wir hatten keine Wahl“, erinnert sich auch die 20-jährige Derartu Tesfaye. Mit ihrem Ehemann und der zweijährigen Tochter Hawi wohnt sie in der Nachbarschaft von Gete. „Als Hawi acht Monate alt war, wurde es besonders schlimm. Für Wochen hatte sie Durchfall, musste sich übergeben.“ Die nächste Krankenstation war zwei Stunden Fußmarsch entfernt in der Stadt Seyo. Immerhin bekamen sie dort Medikamente gegen die Beschwerden. „Auch mein Magen grummelte unentwegt. Das war mir immer sehr peinlich und ich traute mich oft nicht unter Leute“, sagt Derartu. Obwohl fast alle unter ähnlichen Symptomen litten, redete kaum jemand offen über die Beschwerden. Während der Regenzeit wurde der Gang zum Fluss eine Rutschpartie. Viele Frauen, die in Äthiopien traditionell für das Wasserholen zuständig sind, stürzten mit ihren schweren 20-Liter-Kanistern und verschütteten das mühsam geschöpfte Nass. Oft blieb nichts anderes übrig, als umzukehren und sich erneut anzustellen. Gerne hätte Derartu ihre Zeit in das Flechten von Tellern und Körben investiert, um sie auf dem Markt zu verkaufen. „Damit hätte ich mir ein wenig Geld dazu verdienen und etwas selbstständiger sein können. Doch bisher kam ich kaum dazu“, erzählt Derartu.
Der Mangel an sauberem Trinkwasser in erreichbarer Nähe hat in Äthiopien Einfluss auf viele Bereiche des dörflichen Lebens: sei es direkt durch die Krankheitserreger im Wasser, aber auch indirekt, etwa dadurch, dass Wasserholen für die Mädchen und Frauen einen immensen Zeitaufwand bedeutet, den sie besser für den Schulbesuch einsetzen könnten, oder um zusätzliches Einkommen zu verdienen. Im Projektgebiet Dano war die Lage besonders schlimm: Der Anteil der Menschen mit Zugang zu sauberem Wasser lag 2013, zu Beginn der Arbeit der Stiftung, bei nur 15 Prozent – 80.000 Menschen in der Region, mehrheitlich Kinder, lebten von verschmutztem Wasser. Durch den Bau von über 90 Quellfassungen und Handpumpbrunnen haben in Dano heute knapp dreimal so viele Menschen Zugang zu sauberem Wasser.
Gemeinsam anpacken!
„Wenn sie heute ihr Wasser am Brunnen holen, bedanken sich viele bei mir.“
Neue Hoffnung schöpfen
Auch für Tirengo und ihre beste Freundin Mimi hat sich durch den neuen Brunnen das Leben verändert. Die wenigen Minuten von ihrem Zuhause zur Wasserstelle gehen sie häufig gemeinsam, beim Einfüllen des Wassers in die Kanister sind sie mittlerweile ein eingespieltes Team. „Wenn wir anstehen müssen, sagen wir uns gegenseitig das Alphabet vor oder zählen“, sagt Tirengo lächelnd. „Und endlich bleibt genügend Zeit, um in die Schule zu gehen.“