Hoffnung für Dano
Halea Tadschi wandert ins Dorf Ajeru. Dort kauft sie mit ihrem mühsam ersparten Geld 25 Kilogramm Mais. Die junge Frau bindet sich den Mais sack mit einem Tuch auf den gebeugten Rücken und marschiert in die acht Kilometer entfernte Stadt Ijaji.
„Ich habe keine andere Möglichkeit, etwas zu verdienen“, sagt die junge Frau auf dem Gehöft der Familie im Dorf Oborsa. An ihrer Schulter schläft Adjibu, eineinhalb Jahre alt, der Kleinste. Der vierjährige Umar und der sieben Jahre alte Elmadin fragen ständig nach Essen. Die Familie baut Mais an, aber das Feld ist zu klein. In den Monaten vor der Ernte müssen die letzten Vorräte rationiert werden. Die Eltern lassen häufig eine Mahlzeit aus, damit die Kinder mehr essen können: „Das ist hart, weil wir schwer arbeiten müssen.“ Wenn es ganz knapp wird, müssen auch die Kinder mit leerem Magen einschlafen: „Manchmal essen wir nur einmal am Tag.“
Toleschi Turi, 15, aus dem Dorf Waji im Projektgebiet Dano
Geschwächte Gesundheit
Vor Beginn des Entwicklungsprojekts befragten unsere äthiopischen Mitarbeitenden 292 Familien über ihre Lebensumstände. 69 der Familien hatten in den vergangenen zwölf Monaten Nachwuchs bekommen. Sieben der Säuglinge waren im ersten Lebensjahr gestorben – jeder zehnte. Die Todesursachen sind bei Babys ähnlich wie bei der Gesamtbevölkerung: Die Menschen sterben vor allem an Malaria.
„Mehrmals am Tag gehe ich eine halbe Stunde, um einen großen Kanister zu füllen.“ Sie weiß, dass sie das Wasser abkochen müsste. „Aber ich habe einfach keine Zeit und Kraft, soviel Brennmaterial herbeizuschaffen.“ Es gibt kaum noch Wald, schon jetzt betreibt sie ihr offenes Kochfeuer mit trockenen Maisstängeln. Der dichte Qualm beißt in den Augen, verursacht Husten. Neben der Feuerstelle steht das aus Bambus zusammengebundene Bett der Eheleute. Die größeren Kinder schlafen im Vorderraum der Hütte auf einem Strohsack. Dort hat auch das Vieh seinen Platz. „Unsere einzige Kuh mussten wir verkaufen, um Saatgut und Kunstdünger zu kaufen“, sagt Halea Tadschi.
Das Potenzial ist riesig
Erfolg ist ansteckend
Ein paar Hundert Meter vom Gehöft von Halea Tadschis Familie entfernt liegt der Hof von Modellbauer Elias Kadir.
Die Menschen sind fleißig
Von Elias Kadirs Erfolg hat auch Halea Tadschi gehört. „Ich gebe zu: Wir hatten unsere Zweifel, als die fremden Experten zu uns kamen“, sagt sie auf der Schwelle ihres Hauses. „Sie sagten, sie wollten uns helfen. Aber wir fragten uns, ob sie nicht ihren eigenen Vorteil suchten. Nun aber denke ich, wir sollten uns auf ihre Ideen einlassen.“
Einige davon zeigt Projektleiter Esrael Asfaw auf: „Halea Tadschi kann an unserem Kleinkreditprogramm teilnehmen.“ Ihr Gehöft liegt verkehrsgünstig an einer Schotterstraße, es kommen viele Fußgänger auf ihrem Marsch in die Stadt daran vorbei. „Mein Traum war es schon immer, einen kleinen Laden aufzumachen, aber bislang fehlte mir immer das Startkapital für den Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs“, sagt sie. Oder sie könnte mit dem Kredit Vieh kaufen, mästen und mit gutem Verdienst veräußern. „Die Menschen sind fleißig. Aber ihnen fehlten bislang die Bedingungen, etwas aus ihrem Fleiß zu machen“, erklärt Projektleiter Esrael Asfaw. „Wir zeigen ihnen Wege auf, sich selbst aus der Armut herauszukämpfen.“