Das Gold der Bienen
Im Garten hinter Shuguti Shalamas Hütte summt es. Unzählige Bienen schwirren um elf Bienenkästen, sie landen auf sattgelben Blüten und fliegen zum nahe gelegenen Fluss, um zu trinken und Wasser zum Kühlen ihres Stocks zu sammeln.
Start-ups und Wertschöpfungsketten
In dieser Gegend gedeihen Nigersamen, Mais, Sojabohnen besonders gut, doch bislang wurden diese Rohstoffe von den hier lebenden Bauern kaum weiterverarbeitet. Großhändler kauften sie zu einem sehr günstigen Preis an und transportierten sie ab. Das Zentrum dient dazu, diese Abschöpfung von Gewinnen zu verhindern: Ziel ist es stattdessen, Wertschöpfungsketten vor Ort aufzubauen und Einkommen vor allem für die vielen arbeitslosen jungen Menschen zu schaffen.
Äthiopien ist ein Land, das in die Zukunft blickt: Rund 60 Prozent der Menschen sind unter 25 Jahre alt. Fehlen den Jungen jedoch Chancen, vor allem auf dem Arbeitsmarkt, steigt ihre Frustration. Sie wandern aus oder lehnen sich gegen die Regierung auf – im schlimmsten Fall mit Gewalt. Im Projektgebiet Dano haben wir deswegen in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ein „Grünes Innovationszentrum“ geschaffen, das landwirtschaftliche Produktions- und Vertriebsgemeinschaften fördert. So wollen wir auf dem Land lokale Wertschöpfungsketten schaffen und vor allem jungen Frauen und Männern Zukunftsperspektiven bieten.
Über 400 Frauen und Männer haben sich bislang in Start-ups organisiert. In der Gründungsphase erhielten sie ein Startkapital und Maschinen. In Trainings lernten sie, wie sie Honig weiterverarbeiten, Tierfutter herstellen und aus den Nigersamen wertvolles Öl produzieren können. Mittlerweile arbeiten die Kooperativen selbstständig. “Wir wollen jetzt noch mehr Menschen eine Perspektive bieten und die Produktion von Honig und Tierfutter weiter ausbauen”, beschreibt Tesfalidet Gebrekidan, stellvertretender Leiter des Projektgebiets Dano, das Ziel der bis 2021 angesetzten zweiten Projektphase, mit der 800 Frauen und arbeitslose Jugendliche erreicht werden sollen.
Imkerei – ein kostbarer Wirtschaftszweig
Noch wertvoller als der Honig ist dabei das Bienenwachs. Pro Kilo bezahlen seine Abnehmer am Grünen Innovationzentrum umgerechnet knapp 5,50 Euro. An einem Kilo Honig verdient der Jungimker etwa 4 Euro. „Früher habe ich das Wachs einfach weggeworfen. Ich wusste nicht, wie viel es wert ist“, sagt Shuguti. Mit dem Erlös der ersten 18 Kilo hat er sich zwei Schafe gekauft. „Wenn ich etwas Geld gespart habe, kaufe ich mir einen Ochsen“, sagt Shuguti.
Nach der dritten Klasse brach er die Schule ab, um seiner Familie auf dem Feld zu helfen. Dass er als Analphabet in dem Training von Menschen für Menschen einen Beruf erlernen konnte, macht ihn stolz: „Früher habe ich irgendwie versucht, Honig zu gewinnen, heute bin ich professioneller Imker“, sagt Shuguti grinsend. Er hat einen zweijährigen Sohn. „Elias soll lesen, schreiben und rechnen lernen und später studieren“, sagt er. „Für seine Zukunft werde ich hart arbeiten.“ Die Bienen werden ihm dabei helfen.