Voller Kraft voraus
Schule als Fundament
Das verdankt sie auch der Namensgeberin der Bildungseinrichtung, die rund 250 Kilometer südlich von Addis Abeba, in der Gemeinde Dega Kedida steht: Roman Tesfaye. Die Frau des späteren äthiopischen Premierministers Hailemariam Desalegn überzeugte bei einem Treffen vor knapp zwei Jahrzehnten den Stiftungsgründer Karlheinz Böhm, die veralteten Gebäude zu erneuern. 2008 stellte Menschen für Menschen den Neubau der Roman Dega Kedida Schule fertig: 16 helle Klassenräume für die Neunt- bis Zwölftklässler, eine Bibliothek und Toiletten wurden eingeweiht. Roman Tesfaye selbst kam in den Folgejahren immer wieder zu Besuch, spendete Schulmaterialien, sprach mit Schülerinnen. Vor allem ihnen wünschte die ehemalige First Lady endlich eine Chance auf gute Bildung.
Frauenförderung groß geschrieben
Beschwerlicher Start
Zu stark reizten der Staub und Dreck in seiner damaligen Grundschule seine Augen. Vor allem das Linke juckte und tränte nach jedem Unterricht stark, und mit der Zeit sah Mola zunehmend schlechter. Dass er abends im Bett im Dämmerlicht einer kleinen Petroleum-Leuchte lernte, verschlimmerte seine Symptome zusätzlich. Immer wieder brachten Molas Eltern den Jungen ins Gesundheitszentrum.
Nach einigen Tagen Behandlung mit Salben oder Augentropfen schickten sie ihn zurück in die staubige Schule, wo die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder auftauchten. Irgendwann blieb Mola ganz zuhause. „Die Zeit war schrecklich“, erinnert sich der heute 18-Jährige. „Zu sehen, wie meine Freunde weiterlernten, war kaum auszuhalten.“ Nach drei Jahren versuchte er erneut sein Schulglück. Und begann ein zweites Mal mit der ersten Klasse. „Ich hatte zu viel vergessen“, sagt Mola.
„Umso bemerkenswerter, dass er heute Klassensprecher ist, und ein so aktiver Schüler“, lobt ihn Lehrer Adane Esayas. Seit neun Jahren unterrichtet er an der Schule Englisch, wurde direkt nach dem Studium von der regionalen Bildungsbehörde hierhergeschickt. „Ich weiß, in welch schlechtem Zustand viele andere Schulgebäude sind“, sagt Adane. „Da hatte ich wirklich großes Glück.“ Seine Dankbarkeit versucht der 34-jährige Pädagoge an seine Schülerinnen und Schüler weiterzugeben – im regulären Unterricht und in seinen Tutorien. Er setzt dabei vor allem auf viele praktische Übungen. „Ich möchte, dass sie am Ende der Schulzeit keine Angst mehr haben, einen Text auf Englisch vorzutragen oder sich frei zu unterhalten“, sagt Adane. „Fremdsprachen können ihnen neue Türen öffnen.“
Zukunftsperspektiven, die viele in der Region nicht haben. So auch die meisten von Molas Brüdern. Er ist der Zweitjüngste von insgesamt sieben Jungs. Nur einer von ihnen studierte. Er arbeitet heute als Lehrer. Die anderen verdingen sich als Tagelöhner oder sind komplett von den Eltern abhängig. „Meinen ältesten Bruder belastet das sehr. Er trinkt daher oft zu viel“, gibt Mola zu. „So soll es bei mir auf keinen Fall enden!“ Mola ist stolz, dass er es zurück an die Schule geschafft hat. „Meine Brüder setzen all ihre Hoffnung in mich“, sagt er. Wenn es die nächsten Jahre so gut für ihn weiterläuft und er die Unizulassung bekommt, möchte Mola Medizin studieren und als Arzt Kindern helfen, die, so wie er früher, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben.