Landschaftsbild eines grünen Waldes.

Aktuelle Lage in Äthiopien

Aktuelle Lage in Äthiopien
02.10.2026
Die Sicherheitslage im Norden Äthiopiens hat sich seit Ende September 2026 erneut verschärft. Wir beobachten die Entwicklungen aufmerksam und stehen in engem Austausch mit unseren Kolleginnen und Kollegen sowie Partnerorganisationen vor Ort.

Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden, Projektpartner und der Menschen, mit denen wir arbeiten, hat für uns höchste Priorität. Nach aktuellem Stand gibt es keine direkten Auswirkungen auf unsere Projektarbeit. Unsere Projekte und Aktivitäten laufen weiter.

Erneute Kämpfe im Norden

Was aktuell passiert
Nach monatelangen Spannungen kommt es seit dem 22. September im Norden Äthiopiens wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Betroffen sind insbesondere die Regionen Tigray, Amhara und Afar.

Die erneuten Kämpfe setzen das Friedensabkommen von Pretoria von 2022 unter Druck, mit dem der Krieg in Tigray beendet worden war. Viele Menschen in der Region haben die Folgen des damaligen Konflikts noch nicht überwunden.

Parallel dazu haben sich sieben Gruppen aus verschiedenen Teilen Äthiopiens zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Zu den beteiligten Gruppen gehören unter anderem die Tigray People’s Liberation Front (TPLF), Fano aus Amhara und die Oromo Liberation Army (OLA). Teilweise standen sich diese Gruppen in der Vergangenheit selbst als Gegner gegenüber. Gemeinsam richten sie sich nun gegen die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed.

Welche Seite die jüngsten Kämpfe begonnen hat, wird von den Konfliktparteien unterschiedlich dargestellt. Die TPLF erklärt, auf eine Offensive der Bundesregierung reagiert zu haben. Die äthiopische Regierung wiederum beschuldigt Tigray-Kräfte, mit den Kampfhandlungen begonnen zu haben. Die Vorgänge vor Ort lassen sich derzeit teilweise nur schwer unabhängig überprüfen.

Auch Addis Abeba betroffen?
In der Nacht zum 1. Oktober wurden in Addis Abeba mehrere Explosionen gemeldet. Nach Angaben von Anwohnern und diplomatischen Quellen waren unter anderem Bereiche im Westen nahe dem Militärhauptquartier sowie ein Gebiet im Süden der Hauptstadt betroffen.

Die Explosionen ereigneten sich wenige Stunden nachdem die äthiopischen Sicherheitsbehörden ein unbefristetes Verbot von Drohnenflügen über Addis Abeba und den umliegenden Gebieten verhängt hatten. Die Behörde begründete dies mit dem Schutz von Regierungsvertretern, kritischer Infrastruktur und größeren öffentlichen Veranstaltungen.

Eine mit dem Oppositionsbündnis verbundene Quelle sagte Reuters, das Bündnis habe mehrere Drohnenangriffe in Addis Abeba durchgeführt, darunter auch auf militärische Einrichtungen. Diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden. Auch zu möglichen Schäden oder Verletzten gab es keine offiziellen Informationen. In den lokalen Medien lagen zu dem Zeitpunkt keine bestätigten Berichte über die Ursache der Explosionen vor.

Nach aktuellem Stand ist die Lage in Addis Abeba ruhig. Ein Kollege aus München, der sich derzeit vor Ort befindet, berichtete am 02.10., dass das tägliche Leben in der Hauptstadt regulär seinen Lauf nimmt.

Verschärfte Spannungen mit Eritrea
Die jüngsten Entwicklungen haben auch die Beziehungen zwischen Äthiopien und dem Nachbarland Eritrea weiter verschärft. Die äthiopische Regierung wirft Eritrea vor, bewaffnete Oppositionsgruppen zu unterstützen. Eritrea weist diese Vorwürfe zurück.

Am 1. Oktober teilte Äthiopien mit, seine Botschaft in Eritreas Hauptstadt Asmara zu schließen und zehn eritreische Diplomaten auszuweisen. Eritrea reagierte darauf mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien. Die Afrikanische Union rief die beteiligten Staaten inzwischen zu Zurückhaltung und zur Lösung ihrer Differenzen über diplomatische Kanäle und durch friedlichen Dialog auf.

Die Hintergründe der Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea sind komplex. Eine wichtige Rolle spielt unter anderem die Frage des Zugangs Äthiopiens zum Roten Meer. Beide Länder haben zudem unterschiedliche Interessen hinsichtlich der Entwicklung in Tigray.

Was bedeutet die Entwicklung für die Bevölkerung?
Die erneuten Kämpfe erschweren das Leben der Menschen in den betroffenen Regionen weiter. Verkehrsverbindungen und Kommunikationsmöglichkeiten sind teilweise unterbrochen, und die Versorgung mit wichtigen Gütern wird schwieriger. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Menschen erneut ihre Häuser verlassen müssen.

Besonders betroffen ist Tigray: Nach Angaben der UN waren dort bereits vor der aktuellen Eskalation hunderttausende Menschen infolge des früheren Krieges innerhalb der Region vertrieben. Die erneuten Kämpfe treffen damit eine Bevölkerung, die vielerorts noch mit den Folgen des vergangenen Konflikts und einer schwierigen humanitären Situation zu kämpfen hat. Zudem drohen nun auch noch Ernteausfälle durch Dürre.

Aktuell keine Auswirkungen auf unsere Projektarbeit

Nach aktuellem Stand gibt es auch in unseren Projektgebieten keine direkten Auswirkungen durch die jüngsten Entwicklungen. Unsere Mitarbeitenden sind vor Ort im Einsatz und unsere Projekte und Aktivitäten laufen weiter.

Wir stehen in engem Austausch mit unseren lokalen Teams und Partnern und beobachten die Sicherheitslage aufmerksam. Insbesondere in Gebieten, die geografisch näher an Tigray liegen, werden die Entwicklungen eng verfolgt. Sollte sich die Situation verändern oder Auswirkungen auf unsere Projektarbeit ergeben, werden wir unsere Aktivitäten entsprechend anpassen.

Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden, Projektpartner und der Menschen, mit denen wir arbeiten, hat für Menschen für Menschen höchste Priorität. Wir stehen auch in schwierigen Situationen an der Seite der Menschen in Äthiopien.

Die aktuelle Lage in Äthiopien erklärt

Was ist aktuell in Äthiopien los?
Seit Ende September 2026 kommt es im Norden Äthiopiens erneut zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Betroffen sind insbesondere die Regionen Tigray, Amhara und Afar.
Sieben Gruppen aus verschiedenen Teilen des Landes haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das sich gegen die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed richtet. Zu den beteiligten Gruppen gehören unter anderem die TPLF aus Tigray, Fano aus Amhara und die Oromo Liberation Army (OLA). Teilweise standen sich diese Gruppen in der Vergangenheit selbst als Gegner gegenüber. Die aktuellen Entwicklungen setzen das Friedensabkommen von 2022 unter Druck, mit dem der damalige Krieg in Tigray beendet wurde.
Warum wird jetzt wieder gekämpft?
Das im November 2022 geschlossene Pretoria-Friedensabkommen beendete die großflächigen Kämpfe, viele Konfliktfragen blieben jedoch ungelöst.
Was war der Tigray-Krieg?
Der Tigray-Krieg begann im November 2020 zwischen der äthiopischen Bundesregierung und der TPLF (Tigray People’s Liberation Front). In den Krieg waren auch weitere Akteure involviert, darunter Eritrea und Kräfte aus der Region Amhara.
Der Konflikt dauerte rund zwei Jahre und hatte verheerende Folgen für die Bevölkerung. Rund 600.000 Menschen starben infolge von Gewalt, Hunger und dem Zusammenbruch grundlegender Versorgungssysteme; Millionen Menschen wurden vertrieben. Im November 2022 wurde mit dem sogenannten Pretoria-Abkommen ein Friedensabkommen geschlossen. Es beendete die großflächigen Kämpfe, löste jedoch nicht alle politischen und territorialen Konflikte.
Was ist das Pretoria-Abkommen?
Das Pretoria-Abkommen wurde im November 2022 unter Vermittlung der Afrikanischen Union geschlossen. Es beendete den großflächigen Krieg zwischen der äthiopischen Bundesregierung und der TPLF. Das Abkommen sah unter anderem die Einstellung der Feindseligkeiten und die Entwaffnung der Tigray-Kräfte vor. Einige zentrale Streitfragen – etwa die Zukunft umstrittener Gebiete und die Rückkehr von Vertriebenen – blieben jedoch ungelöst. Die aktuelle Eskalation setzt die Umsetzung des Abkommens erneut unter Druck. Die Afrikanische Union hat deshalb zu Zurückhaltung und einer Rückkehr zum Dialog aufgerufen.
Wer sind TPLF, Fano und OLA?
TPLF – Tigray People’s Liberation Front:
Die TPLF ist eine politische und militärische Organisation aus Tigray. Sie war über Jahrzehnte eine der einflussreichsten politischen Kräfte Äthiopiens und spielte eine zentrale Rolle im Tigray-Krieg.

Fano:
Fano bezeichnet bewaffnete Amhara-Gruppen. Teile der Fano kämpften im Tigray-Krieg an der Seite der äthiopischen Bundesregierung. Inzwischen stehen Teile der Fano in Konflikt mit der Regierung und sind Teil des neuen Bündnisses gegen sie.

OLA – Oromo Liberation Army:
Die OLA ist eine bewaffnete Organisation mit Wurzeln in der Oromo-Bevölkerung. Sie kämpft seit Jahren gegen die äthiopische Bundesregierung und ist ebenfalls Teil des neuen Bündnisses. Dass diese Gruppen nun gemeinsam auftreten, ist bemerkenswert, da sie unterschiedliche politische Ziele und teilweise eine konfliktreiche gemeinsame Vergangenheit haben.

Welche Rolle spielt die Allianz mehrerer bewaffneter Gruppen?
Das neue Bündnis vereint sieben Gruppen aus verschiedenen Regionen Äthiopiens. Gemeinsames Ziel ist nach eigenen Angaben, die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed abzulösen. Die Gruppen verfolgen jedoch nicht in allen Fragen dieselben Interessen. Deshalb ist derzeit offen, wie dauerhaft und belastbar das Bündnis sein wird.
Welche Rolle spielt Eritrea?
Eritreas Verhältnis zu Äthiopien ist von einer langen und konfliktreichen Geschichte geprägt. Im Mittelpunkt stehen heute vor allem Sicherheitsinteressen, die Entwicklung in der angrenzenden Region Tigray und die Frage des Zugangs zum Roten Meer. Eritrea ist ein wichtiger Akteur in der Region. Eritreische Truppen unterstützten während des Tigray-Krieges die äthiopische Bundesregierung. Eritrea war jedoch nicht Teil des Pretoria-Friedensabkommens. Inzwischen sind die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea erneut stark angespannt. Die äthiopische Regierung wirft Eritrea vor, bewaffnete Oppositionsgruppen zu unterstützen. Eritrea weist diese Vorwürfe zurück. Anfang Oktober 2026 eskalierte der diplomatische Konflikt: Äthiopien schloss seine Botschaft in Eritrea und wies eritreische Diplomaten aus. Eritrea kündigte daraufhin an, die diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien abzubrechen.
Droht ein neuer großer Krieg?
Die Lage ist dynamisch und schwer vorherzusagen. Von einem erneuten landesweiten Bürgerkrieg zu sprechen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt jedoch verfrüht. Entscheidend wird sein, ob die Konfliktparteien die Kämpfe eindämmen und zu politischen Verhandlungen zurückkehren können. Die Afrikanische Union und die regionale Organisation IGAD haben zu einem Ende der Gewalt und zur Wiederaufnahme des Dialogs aufgerufen.
Was bedeutet die aktuelle Situation für die Menschen in den betroffenen Regionen?
Für die Bevölkerung bedeutet die erneute Gewalt vor allem Unsicherheit. Kämpfe können Menschen zur Flucht zwingen, den Zugang zu medizinischer Versorgung erschweren und die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern beeinträchtigen. Besonders schwierig ist die Situation für Menschen in Tigray, die bereits durch den Krieg von 2020 bis 2022 vertrieben wurden oder deren Lebensgrundlagen zerstört wurden.
Was macht Menschen für Menschen in Äthiopien?
Wir führen unsere Projekte nach aktuellem Stand weiter und stehen weiterhin in engem Austausch mit unseren Kolleg:innen und Partner:innen vor Ort.
Gleichzeitig beobachten wir die Sicherheitslage aufmerksam. Sollte sich die Situation verändern, werden wir unsere Arbeit entsprechend anpassen.
Als Organisation, die seit 45 Jahren in Äthiopien verwurzelt ist, bleiben wir auch in schwierigen Zeiten verlässlich an der Seite der Menschen.
Menschen für Menschen arbeitet seit 45 Jahren mit Menschen in Äthiopien und setzt auf langfristige Zusammenarbeit. Wenn sich die Sicherheitslage verändert, prüfen wir die Situation und den humanitären Bedarf in den betroffenen Gebieten.
Bereits 2023 haben wir in Tigray Nothilfe geleistet, um Menschen nach dem Krieg zu unterstützen. Die aktuelle Entwicklung erinnert daran, wie fragil die Lebenssituation vieler Menschen in der Region weiterhin ist.

Unser Fokus liegt auf der Unterstützung der Menschen vor Ort – unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder politischer Position.

Wie bleibe ich auf dem Laufenden?
Wir informieren unsere Spender über unsere üblichen Kanäle, insbesondere über unsere Website und Social-Media-Kanäle, sobald es relevante Veränderungen für unsere Projektarbeit gibt.