Die elektrische Tram ist in Afrika südlich der Sahara ein Novum. Mit ihr versucht Äthiopien zu bekämpfen, woran viele der rasant wachsenden Metropolen des Kontinentes leiden: verstopfte Straßen, verpestete Luft.
Im Herbst 2015 wurden zwei Bahnlinien eingeweiht. Auf 33 Kilometern verbinden die Trassen den Norden mit dem Süden, den Osten mit dem Westen der Stadt. Im Zentrum kreuzen sich die Linien. Durchschnittlich 130.000 Menschen nutzen die Tram am Tag – voll wird es zu den Stoßzeiten am frühen Morgen und zum Feierabend. „Wir planen, noch deutlich häufiger zu fahren. Dann können wir 400.000 Menschen am Tag befördern“, erklärt Akililu Hibiso, Direktor des Transportmanagements des staatlichen Bahnunternehmens.
Der Bau der Gleise und Stationen hat umgerechnet 425 Millionen Euro gekostet, zu 85 Prozent wurde er finanziert durch Kredite aus China. Zunächst hatten die Chinesen den Betrieb koordiniert und Äthiopierinnen und Äthiopier angelernt. Mittlerweile übernehmen lokale Mitarbeitende alle Aufgaben. Das größte Problem für den Bahnbetrieb ist die unsichere Stromversorgung, die auch in Addis Abeba zu Ausfällen führt. Mit der Fertigstellung des großen Renaissance-Staudamms am Blauen Nil soll das der Vergangenheit angehören. Um möglichst viele Menschen von der Straße in die Bahn zu locken, sind die Tickets sehr günstig. Schon für knapp zwanzig Cent können Passagiere das ganze Netz nutzen.