Sinnlich, meditativ und sozial: Die äthiopische Kaffeezeremonie
Land & Leute
Die wichtigsten Güter auf den Landmärkten Äthiopiens sind Getreide, Hülsenfrüchte – und Kaffee. In der Kleinstadt Katchisi beispielsweise werden die grünen, von der Schale befreiten Bohnen zum zehnfachen Preis von Weizen und Mais gehandelt. Ein Kilogramm Kaffee kostet umgerechnet rund fünf Euro. Weil kaum jemand so viel Geld auf einmal hat, werden die Bohnen mit Hilfe von Schnapsgläsern portioniert. Diese kleine Menge reicht für die tägliche Kaffeezeremonie aus.
Instantkaffee, Filterkaffee oder Espresso? In Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffees, ist das für die Landbevölkerung keine Frage: Dort wird der schwarze Sud seit Jahrhunderten auf die gleiche, ritualisierte Art gebraut.
Kaffeezeremonie mit festem Ablauf
Wenn die Bohnen perfekt geröstet sind, geht die Gastgeberin mit der Pfanne herum, alle Besucher fächeln sich den Duft zu – und loben die Qualität der Bohnen mit einem Nicken des Kopfes. Dann zerstampft die Kaffeeköchin sie mit einem Stößel in einem Mörser.
Eine Jabana, eine Kanne aus Ton, wird auf die Holzkohle gestellt. Wenn das Wasser darin kocht, gibt die Köchin das relativ grobe Kaffeepulver durch den langen Kannenhals. Auch streut sie einige Körnchen Weihrauch auf die Holzkohle: Dieser spezielle Duft nach Kohle, Kaffee und Weihrauch verbindet wohl jeder Äthiopien-Reisende sein Leben lang mit dem Land.
Es gehört sich, drei Tassen zu trinken
Serviert wird der Kaffee in kleinen, henkellosen Mokkatassen. Geschickt schenkt die Köchin das Gebräu aus einer Höhe von zwanzig bis dreißig Zentimetern in einem Guss in die nebeneinanderstehenden Tässchen. Es gehört sich, drei Tassen zu trinken. Die erste Tasse soll Gesundheit und Genuss dienen. Während der zweiten Tasse ist die Zeit gekommen, um Konflikte und Probleme zu besprechen. Die dritte Tasse schließlich soll Segen bringen.