Abdurahim Argaw (l.) und Sayo Jemaz (r.) präsentieren eine Schaltanlage in der Energiebehörde

„Wir wollen unsere Heimatstadt mit Solarstrom versorgen“.

07
Jan. 2026

Aktuelles

Immer wieder versinkt Harar im Dunkeln. In der Stadt ganz im Osten Äthiopiens kommt es häufig zu Blackouts. Von einem auf den anderen Moment gehen für die mehr als 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner die Lichter aus, Computerbildschirme werden schwarz, wichtige Geräte im Krankenhaus versagen ihren Dienst und springen erst mithilfe von Generatoren wieder an.

 

„Mit unseren Solaranlagen haben wir das Problem nicht mehr“, sagt die 30-jährige Sayo Jemaz. Zusammen mit ihrem Kollegen, Abdurahim Argaw, führt sie ihr eigenes kleines Solarunternehmen. „Wir verbinden die Panels mit Batterien, die die Energie speichern und bei Stromausfall automatisch einspringen – auch in der Nacht.“

Beide haben Elektrik und Elektrotechnik am Agro Technical and Technology College (ATTC) studiert, das Menschen für Menschen vor mehr als 30 Jahren in Harar gründete und bis heute betreibt. Nach dem Studium fanden sie zwar eine Anstellung in der regionalen Energiebehörde, doch ihr gemeinsamer Traum ließ sie nicht los: Was wäre, wenn ihre Heimatstadt sich selbst mit Solarstrom versorgen könnte? „Wir trugen die Idee schon eine Weile mit uns herum“, erzählt Abdurahim.

Start-up Workshops als Sprungbrett

Klar also, dass sie sich für den ersten Start-up-Workshop anmeldeten, der vor mehr als zwei Jahren am damals neu gegründeten Innovations- und Gründerzentrum am ATTC stattfand.

Mit diesen Workshops bereitet Menschen für Menschen im Rahmen des EU-finanzierten Förderprogramms „Business Incubation Communities (BIC) Ethiopia“ angehende Gründerinnen und Gründer auf die Selbstständigkeit vor. Das von der EU kofinanzierte Projekt richtet sich gezielt an Bewerberinnen und Bewerber aus den Bereichen Agrarwirtschaft und Technologie – und will Chancen schaffen in einem Land, in dem fast die Hälfte der Hochschulabsolventinnen und -absolventen ohne Beschäftigung bleibt. Knapp 330 Teilnehmende haben das fünftägige Training bislang absolviert. Sie entwickelten ihre Geschäftsideen weiter, analysierten Absatzmärkte und Zielgruppen, arbeiteten an Schwächen im Konzept und formulierten konkrete Erfolgsziele. Wer den Kurs erfolgreich abschließt, kann sich um ein Startkapital von 1.000 Euro beim BIC bewerben – oder aus eigenen Mitteln starten.

Von der Theorie in den Praxisalltag

So wie Sayo und Abdurahim. Sie legten ihr Erspartes zusammen und gründeten ein Unternehmen. Seitdem installierten sie Solarpanels auf den Dächern einiger Regierungsgebäude und zweier Schulen im Umland. Für die Dauer der Aufträge stellten sie mehrere Hilfsarbeiter ein und erwirtschafteten rund 800 Euro.

„Unsere Arbeit beschränkte sich auf Montage und Wartung“, sagt Sayo. „Das wollten wir erweitern.“ Deshalb belegte das Team am Gründungszentrum einen weiterführenden Wachstumskurs. „Er richtet sich an unsere Gründerinnen und Gründer, aber auch an länger bestehende Kleinstunternehmen, die sich weiterentwickeln wollen“, erklärt Trainer Daniel.

Nach Abschluss des Kurses können sich die Betriebe beim BIC um eine Anschubfinanzierung von bis zu 4.000 Euro bewerben. Sayo und Abdurahim erhielten sie. „Damit wollen wir Lagerfläche anmieten, eigene Panels anschaffen und zusätzliche Werkzeuge“, sagt Sayo. „So können wir unseren Kunden künftig das Komplettpaket anbieten.“ Außerdem sollen sie auf solarbetriebene Wasserpumpen setzen. Viele Bewohner Harars haben auf ihren Grundstücken tiefe Brunnen für die Bewässerung ihrer Gärten und die Trinkwasserversorgung gegraben und pumpen das Wasser mit Dieselgeneratoren an die Oberfläche. „Hier liegt ein riesiger Markt für uns“, sagt Sayo.

Mehr spannende Geschichten aus unserem Äthiopien-Blog