Harari-Händlerin Fatuma webt einen bunten Korb.

Im Schutz der Mauern: Harars antike Altstadt

20
März 2026

Aktuelles

Harar im Osten Äthiopiens ist ein heiliger Ort: Mehr als 80 Moscheen und rund 100 Schreine muslimischer Heiliger verteilen sich über die Altstadt, Jegol genannt. „Das religiöse Herz“, sagt Worko Solomon. Er ist einer der Touristenführer, die Besucher durch die engen Gassen führen, vorbei an historischen Häusern, entlang der mehr als drei Kilometer langen antiken Stadtmauer. Sie entstand im 16. Jahrhundert. „Als Schutzwall“, erklärt Worko.

 

Gegründet und geprägt von Einwanderern von der arabischen Halbinsel, wurde Harar später Hauptstadt des unabhängigen Emirats Harar. Die Stadt musste sich gegen christliche Einflüsse aus dem Umland behaupten und sie musste schützen, was sie ausmachte: Ihren Handel. Harar war zentraler Umschlagplatz für die Handelsroute zwischen dem Roten Meer und dem äthiopischen Hochland. „Hier wimmelte es von Kaffee, Gewürzen, Textilien und Vieh“, sagt Worko.

Die Händler waren traditionell vor allem Angehörige der Harari-Ethnie. Viele von ihnen leben und arbeiten auch heute noch in Jegol. So wie Fatuma Sefer Ahmed. In einem rosafarbenen Gewand sitzt die Anfang Siebzigjährige auf einer Matratze im Hinterzimmer ihres kleinen Ladens. Bis unter die Decke ist er mit Souvenirs gefüllt: Ledertaschen, Holzskulpturen, Schmuck. Dazwischen stapeln sich geflochtene Körbe und Korbteller in allen Größen – typisches Kunsthandwerk der Harari.

„Darauf servieren wir Injera oder Brot“, sagt Fatuma. „Und zu Hochzeiten verschenken wir sie.“ Hergestellt werden die Körbe aus Grashalmen und Gerstenstängeln. An einigen Exemplaren baumeln kleine weiße Muscheln. Ursprünglich wurden diese an der Küste Eritreas gesammelt. „Heute sind es meist künstliche Muscheln aus China“, bedauert Fatuma. Sie ist in Jegol geboren und aufgewachsen. Schon ihre Großmutter und Mutter stellten die traditionellen Teller her und verkauften sie auf dem Wochenmarkt. „Mit mir ist das Angebot größer geworden“, sagt sie. Vieles kauft sie inzwischen zu, auch aus anderen Regionen Äthiopiens. Selbst kann sie kaum noch Körbe flechten, da sie nicht  mehr gut sieht.“ Das mache sie traurig. Und doch freue sie sich, dass es in ihrem Laden inzwischen auch die Kunst anderer Ethnien zu kaufen gibt. „Hier kommen wir alle zusammen“, sagt sie. „An einem Ort, zu dem man gern reist und ein Andenken mitnimmt.“

In den vergangenen Jahren seien es vor allem einheimische Touristen gewesen, die Harar besuchten, erzählt Worko. Die Stadt, die seit 2006 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, profitiert dabei auch von Social Media: Instagramer zwängen sich durch die Gassen, Tiktoker probieren Streetfood, YouTuber drehen Videos. Worko Solomon stört das nicht. „Hauptsache, es kommen noch mehr Menschen“, sagt er. „Um unsere besondere Stadt und ihre Bewohner kennenzulernen.“

Harars zentraler Platz. Man sieht bunte Autos und zwei Schüler.
Der zentrale Platz: Von hier führen Straßen zu den fünf antiken Stadttoren.
Eine Gruppe von Mädchen steht vor einer Moschee.
Jegol ist islamisch geprägt.

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