Weibliche Genitalverstümmelung: Warum der 6. Februar ein so besonderer Tag ist
„Dort fand ich sie mit zusammengebundenen Beinen und stark blutend vor“, schildert Böhm später. „Sie war beschnitten worden und lag im Sterben. Das Schicksal dieses kleinen Mädchens war meine unmittelbare Motivation, gegen die Beschneidung zu kämpfen.“
Es ist eine grausame Praxis, die weltweit nach wie vor Millionen von Mädchen über sich ergehen lassen müssen: die Beschneidung der weiblichen Genitalien, meist schon im Kindesalter. Trotz Verboten ist die Tradition der Genitalverstümmelung in 28 afrikanischen Ländern und auch in Teilen Asiens auch heute noch mehr oder weniger stark verbreitet. Selbst in Deutschland sind laut der Menschenrechtsorganisation „Terre des femmes“ rund 70.000 Mädchen und Frauen betroffen, mehr als 17.000 weitere gefährdet.
Beschneidungen mit Rasierklingen und ohne Betäubung
Die Frauen leiden in der Regel ihr ganzes Leben unter den psychischen und physischen Folgen, viele überleben den Eingriff selbst nicht, andere später nicht die Geburt ihres eigenen Kindes. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass bis zu 25 Prozent der Betroffenen an den unmittelbaren und langfristigen Folgen sterben.
Weibliche Genitalverstümmelung tief in der Gesellschaft verwurzelt
Laut der Erhebung „Ethiopian Demographic Health Survey” (EDHS) aus dem Jahr 2016 haben 68 Prozent der Frauen in ländlichen Gegenden Genitalverstümmelung erfahren, in Städten liegt der Anteil bei 54 Prozent. Immerhin sank der Anteil von beschnittenen Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren von 74 Prozent im Jahr 2005 auf 68 Prozent elf Jahre später. In anderen Ländern wie Ägypten oder Sudan liegt dieser noch höher.
Das Mädchen, dessen Schicksal Karlheinz Böhm so nachhaltig berührte, hieß Safia. Sie wurde der Name und das Gesicht der Aufklärungskampagne, mit der Menschen für Menschen schon bald nach Böhms Begegnung mit dem Mädchen begann, gegen Genitalverstümmelung und andere schädliche Traditionen wie Zwangsverheiratung im Mädchenalter zu kämpfen.
Geistliche betonen: Weibliche Genitalverstümmelung nicht vorgeschrieben
- Sofortiger Stopp der Beschneidung
- Einrichtung von Anti-Beschneidungs-Arbeitsgruppen zur Aufklärung an Schulen
- Staatliche Alphabetisierungskampagnen und der Bau eines Mädchenwohnheims durch Menschen für Menschen
- MfM-Aufklärungskampagne gegen andere negative Bräuche
- Einrichtung eines Komitees, das für die Umsetzung der Resolution zuständig ist und das eng mit der Stiftung zusammenarbeitet.
Anschuldigungen lösen das Problem nicht – Aufklärung schon
Daher haben die Vereinten Nationen den 6. Februar als Internationalen Tag der Nulltoleranz für weibliche Genitalverstümmelung festgelegt. Das erklärte Ziel: Bis 2030 soll die grausame Praxis weltweit und für immer beendet sein.
Auch Menschen für Menschen leistet nach wie vor Aufklärungsarbeit in den ländlichen Projektgebieten. Gemeinsam mit den Woredas (Gemeinden) organisieren wir Workshops und Aufklärungsveranstaltungen mit den Wortführern und religiösen Oberhäuptern der Dörfer. Zudem werden ehemalige Beschneiderinnen umgeschult, damit sie nicht mehr auf das Einkommen aus den Beschneidungen angewiesen sind.