Gesundheit für alle
Für die ländliche Bevölkerung Äthiopiens gehören Durchfallerkrankungen, Malaria, Parasiten und Infektionen zu den größten Gesundheitsproblemen. Die Lebenserwartung liegt bei nur 60 Jahren und jedes 12. Kind stirbt noch vor seinem fünften Geburtstag.

Dr. Asnake, Sie sind Arzt und verantworten bei Menschen für Menschen die Maßnahmen im Gesundheitsbereich. Warum arbeiten Sie nicht in einem Krankenhaus?

Bei der Äthiopienhilfe kann ich viel mehr bewegen als in einem Hospital. Wir helfen nicht einzelnen Patienten, sondern ganzen Dörfern und Regionen. Prävention ist ebenso wichtig wie Heilung: Dieses Prinzip trifft besonders in einem armen Land wie Äthiopien zu, wo es kaum Mittel für teure Medizin und Geräte gibt. Mit Projekten zur öffentlichen Gesundheit können die meisten Krankheiten, die Millionen Menschen das Leben kosten, vermieden werden.

Sie beugen also Krankheiten lediglich vor?

Prävention und Behandlung gehen Hand in Hand. Aber wir legen einen besonderen Wert auf Vorsorge.

Können Sie ein Beispiel geben?

Auf dem Land haben viele Menschen Darmparasiten. Vor allem die Kinder sind betroffen. Wir gehen in die Schulen und geben allen Schülerinnen und Schülern Medizin, um sie zu entwurmen. Aber wir müssen sie und ihre Eltern in vielen Gesprächen und Versammlungen auch aufklären, wie sie die Würmer künftig vermeiden. Etwa, indem sie auf den Höfen Latrinen bauen. In Äthiopien wird nicht mit Besteck, sondern mit der rechten Hand gegessen – umso wichtiger ist es, dass die Mütter ihren kleinen Kindern vor dem Essen die Hände waschen. Und dass sie das Trinkwasser abkochen, wenn es nicht aus einer sicheren Quelle stammt.

Entwurmungsaktion

Gesundheits-Experten von Menschen für Menschen führen in der Grundschule im Dorf Harbu Guba eine Entwurmungsaktion durch.

Die Parasiten schwächen die Kinder. Aber an Malaria sterben sie. Was tun Sie dagegen?

Wir helfen den Behörden, die Krankheit einzudämmen, die durch Mückenstiche übertragen wird. Oft fehlt es den offiziellen Stellen an Transportmöglichkeiten. Wir helfen, Moskitonetze und Malariatabletten in die hintersten Winkel der Projektgebiete zu bringen. Und wir erklären den Bauern, dass sie nach Regenfällen Pfützen trockenlegen müssen – eine ganz wichtige Präventionsmaßnahme, weil sich dort Larven zu Mücken entwickeln.

Wer Wissen hat, wird weniger krank?

Ja. Wir sagen den Bauern beispielsweise auch, dass sie die Moskitonetze nicht zum Transport von Stroh benutzen dürfen. Die Netze sind mit Insektenschutzmitteln imprägniert und wenn man sie derart zweckentfremdet, verlieren sie diesen Schutz. Im Fall einer Epidemie sorgen wir aber auch für Medikamente. Bekommen wir keine Präparate von den Behörden, besorgen wir sie kurzfristig selbst.

Haben Sie Erfolg?

Das Projektgebiet Dano ist ein schlimmes Malariagebiet. Nach unserer Untersuchung im Jahr 2012 war dort fast jeder Dritte von der Krankheit betroffen. 2013 war es bereits nur noch einer von vier Menschen. Dieser Rückgang nach nur einem Jahr unserer Projektarbeit ist ein großer Erfolg. Jetzt dürfen wir nicht nachlassen, um die Rate weiter nach unten zu drücken.

Solarenergie betriebener Kühlschrank

Krankenschwester Workwha Kassaw nimmt die Impfstoffe aus einem mit Solarenergie betriebenen Kühlschrank in der Impfstation in Wogdi.

Sie führen auch Impfkampagnen durch. Ist das nicht Aufgabe der Behörden?

Wir füllen Lücken. Auf dem Land sind Stromausfälle häufig. Die Impfstoffe verlieren aber ihre Wirkung, wenn sie nicht ohne Unterbrechung gekühlt werden. Auch deshalb sterben trotz Impfungen noch viele Kinder an Krankheiten wie den Masern. Also stellen wir solarbetriebene Kühlschränke bereit. Wir helfen auch mit Geländewagen aus, damit das Gesundheitspersonal überhaupt hinaus in die entlegenen Winkel zu den Kindern kommt. So haben wir allein 2013 dafür gesorgt, dass 23.690 Kinder Impfschutz erhielten.

Erreichen Sie alle Kinder in Ihren Projektgebieten?

Kinder werden nach Impfungen müde, manche bekommen Fieber – deshalb glauben viele Eltern, die Injektionen seien schädlich und zögern, ihre Kinder impfen zu lassen. Aber unsere Mitarbeiter informieren die Eltern unermüdlich, dass die Nebenwirkungen schnell abklingen. Nach einigen Jahren sind 90 bis 95 Prozent der Kinder gegen die gefährlichsten Krankheiten geimpft.

HIV/Aids gilt als großes Problem in ganz Afrika. Wie ist die Lage in den Projektgebieten?

Es ist schwer, verlässliche Zahlen zu nennen, aber ich kann sagen, dass unser ganzheitlicher Ansatz zur Prävention großen Erfolg hat. Ein Aspekt unserer Arbeit ist, dass wir hunderte Schüler und Erwachsene in Anti-Aids-Clubs organisiert haben. Sie warnen mit Tanz und Theater vor den Folgen der Krankheit und werben darum, Betroffene nicht auszugrenzen. Sie zeigen in ihren Spielszenen auch, wie man sich schützen kann und dass Aids eine Folge von Armut sein kann.

Erwerbstraining

Wondemu Weldemeskel, Kleinkredit-Experte von Menschen für Menschen, unterrichtet die Frauen der Stadt Seyo, wie sie mit Hilfe eines Kleinkredites das Einkommen der ganzen Familie steigern können.

Warum?

Wenn etwa eine alleinstehende Mutter für ihre Kinder kein Essen hat, wird sie aus Not leicht zur Gelegenheits-Prostituierten – und gerät in Gefahr, sich mit HIV anzustecken. Wir stellen aber nicht nur Kondome zur Verfügung. Die Äthiopienhilfe liefert Setzlinge und zeigt den Frauen, wie sie verschiedenste Gemüse anbauen. Dadurch haben die Kinder endlich eine ausreichende und gesunde Kost, und die Mutter muss sich nicht mehr prostituieren. Auch die Teilnahme an Kreditprogrammen stärkt das Einkommen von Frauen in Not.

Die Hilfsmaßnahmen unterstützen sich gegenseitig?

Richtig. Wenn wir einen Brunnen bauen, brauchen die Mädchen kein Wasser mehr aus großen Distanzen herbeizuschleppen. Die Kinder sind aber auch gesünder, weil ihr Trinkwasser jetzt sauber ist. Sie haben keine Durchfälle mehr, die sie so schwächen, dass jede weitere Erkrankung ihren Tod bedeuten kann. Wir können sagen: Durch unsere vielfältigen Anstrengungen retten wir viele Menschenleben.

Soviel wurde bisher erreicht

> Neu angelegte Hausgärten: 20.331

> Jugendliche Teilnehmer an Gesundheits-Kursen: 10.195

> Gesundheitsstationen (neu gebaut oder erweitert): 86

> Neue Brunnen und Quellfassungen: 2.284

> Millionen Teilnehmer an freiwilligen HIV/Aids-Beratungen und -Tests: 1,5

Dr. Asnake Worku

Zur Person

Dr. Asnake Worku ist seit elf Jahren bei Menschen für Menschen. Zunächst arbeitete er am Mettu-Karl-Hospital, das von der Äthiopienhilfe errichtet wurde. Dann wechselte er nach Addis Abeba ins Hauptbüro, um von dort aus alle Gesundheitsinitiativen der Stiftung zu koordinieren. Seit Juni 2014 ist er als Leiter der Programmkoordination hauptverantwortlich für das Zusammenspiel der vielfältigen Hilfsmaßnahmen in den Projektregionen tätig.

So einfach ist es, zu helfen

Hygienekurs

Mit 45 Euro

ermöglichen Sie Training in Hygiene und Latrinendeckel für drei Familien.

Verhütung

Mit 90 Euro

ermöglichen Sie ein Implanon-Implantat für 30 Frauen für ein Jahr.

 Training im Gesundheitsbereich

Mit 180 Euro

ermöglichen Sie ein Training für zwei Mitarbeiter im Gesundheitsbereich.

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