Yilma Taye spricht mit den jungen Menschen in Grünen Innovationszentrum in Dano

"Vom Reichtum vor der Haustür profitieren."

Das Grüne Innovationszentrum in Dano entwickelt Wertschöpfungsketten auf dem Land und schafft so Arbeit für junge Frauen und Männer. Im Interview sprechen der Direktor Projektimplementierung, Yilma Taye, und seine Stellvertreterin, Bahritu Seyoum, über Chancen und Herausforderungen dieser neuen Art von Projekten.
Yilma Taye, Direktor Projektimplementierung

„Die Leute müssen satt werden, sonst greifen alle anderen Maßnahmen nicht.“ Yilma Taye

Die Stiftung Menschen für Menschen ist seit 1981 in Äthiopien aktiv. Inwiefern unterscheidet sich die neue Initiative von der bisherigen Arbeit?
YILMA TAYE: Unser oberstes Ziel war und ist die integrierte ländliche Entwicklung. Dazu haben wir in unseren Projektgebieten in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Maßnahmen parallel vorangetrieben. Wir haben die Wasser- und Gesundheitsversorgung ausgebaut, Bildungsangebote gestärkt und die Einkommensmöglichkeiten von Frauen gefördert. Das alles macht aber nur Sinn, wenn wir es schaffen, auch die Produktivität der Landwirtschaft zu erhöhen. Die Leute müssen satt werden, sonst greifen alle anderen Maßnahmen nicht.

Das alles gilt noch immer, und zugleich stehen wir vielerorts vor neuen Herausforderungen infolge des hohen Bevölkerungswachstums. Viele junge Frauen und Männer sind nach der Schule oder Universität arbeitslos. Sie kehren nach Hause zurück, doch dort kann niemand für sie sorgen. Die meisten Kleinbauern bewirtschaften maximal zwei Hektar Land. Davon kann eine Familie leben, aber was ist, wenn auf einmal drei oder vier Familien davon leben müssen? In der Projektregion Dano, vor allem in dem rasant wachsenden ländlichen Städtchen Seyo, haben wir diese Situation vorgefunden. Wir haben uns gesagt: Lasst uns das ändern!

Wie geht man das an?
BAHRITU SEYOUM: Zunächst haben wir das Potenzial der Region untersucht. Denn es ist zwar richtig, dass in Dano viele Menschen arm sind. Aber wenn man genau hinsieht, ist die Region reich. Mais, Sojabohnen und Ölsaat gedeihen bestens. Die Vegetation ist üppig und vielfältig, also sind die Bienen produktiv. Auch Viehzucht ist weit verbreitet. Wenn wir es schaffen, dieses Potenzial zu heben, kann man Wohlstand schaffen. Dafür braucht es zweierlei: Eine effizientere Landwirtschaft und – das ist der Ansatz der Grünen Innovationszentren – Wertschöpfung vor Ort. Bislang werden die Ernten einfach abtransportiert und die Gewinne machen dann die großen Verarbeitungsbetriebe. Wir hingegen wollen die Menschen, die hier leben, in Arbeit bringen und zu Unternehmern machen, damit sie von dem Reichtum vor ihrer Haustür profitieren.

Bahritu Seyoum, stellvertretende Leitung Projektimplementierung

Sie haben das Grüne Innovationszentrum in Dano auf den Weg gebracht: Yilma Taye, Leiter Projekt-
implementierung (oben) und seine Stellvertreterin Bahritu Seyoum.

Wie kann eine solche Wertschöpfung aussehen?
YILMA TAYE: Ölsaat zum Beispiel wurde früher von Händlern eingesammelt und von einer großen Ölmühle verarbeitet. Wir haben nun verschiedene Kooperativen von jungen Frauen und Männern ins Leben gerufen, die das Saatgut reinigen, Öl herstellen und den Vertrieb organisieren.

BAHRITU SEYOUM: Ein weiteres Beispiel ist die Produktion von Viehfutter. Wir haben eine Gruppe, die Ernteabfälle und verschiedene andere Bestandteile kauft, häckselt und zu nahrhaftem Futter mischt. Das verkauft sie dann an Bauern und eine Gruppe bis dahin arbeitsloser Jugendlicher, die Tiermast betreibt. Von solchen Projekten profitieren also alle: Bauern, die ihre Ernteabfälle verkaufen, Kooperativen, die sie verarbeiten und verkaufen – und natürlich die Tiermäster. Während ihre Tiere vorher oft nur das karge Land abgegrast haben, bringen sie jetzt dank des Futters mehr auf die Waage. Wie gesagt: Der Reichtum ist bereits da, wir müssen ihn nur ausschöpfen.

Die Verantwortung tragen neu gegründete Kooperativen. Arbeiten die jungen Firmen verlässlich?
BAHRITU SEYOUM: Die jungen Leute, die wir für die Kooperativen gewinnen konnten, sind unglaublich motiviert. Man muss sich nur in ihre Lage versetzen: Nach Schule und Studium waren sie ohne Arbeit, ohne Perspektive. Wenn wir ihnen jetzt zum Beispiel anbieten, dass sie Imker werden können, ist das für sie erst einmal eine Rettung. Natürlich müssen wir sie dennoch in der Anfangsphase stark unterstützen, bis sie berufliche Erfahrung gesammelt haben. Wir organisieren Trainings und begleiten sie eng bei der täglichen Arbeit. Wir stellen Räumlichkeiten und Maschinen und kümmern uns um Genehmigungen der Behörden. Unser Ziel ist es aber, dass die Kooperativen irgendwann selbstständig arbeiten und ihre Probleme selbst lösen.

Mitarbeiter der Kooperative Nigersaatöl

GRÜNES INNOVATIONSZENTRUM DANO IN ZAHLEN
• 31 Kooperativen
• Wertschöpfungsketten in fünf landwirtschaftlichen Bereichen (Honig und Wachs, Tierfutter, Saatgutvermehrung, Nigersaatöl, Gemüse und Obst)
• Arbeit für 423 junge Erwachsene
• Indirekt profitieren viermal so viele Menschen

Welches sind die Herausforderungen beim Aufbau solcher Start-ups auf dem Land?
YILMA TAYE: Die Stromversorgung ist immer ein Problem. Eine Gruppe junger Männer zum Beispiel betreibt eine mobile Dreschmaschine. Sie bringen sie zu den Bauern und helfen ihnen gegen ein kleines Entgelt, ihren Mais zu dreschen. Die Maschine erledigt in Minuten, was sonst mit Holzstangen per Hand Stunden dauert. In den Dörfern gibt es aber keinen Strom, also müssen die Männer immer auch einen Generator mitschleppen. Und beide Geräte bei Bedarf reparieren lassen. Das Ziel ist, dass die Leute mit ihren Aufgaben wachsen.

BAHRITU SEYOUM: Ein weiteres Problem sind schwankende Marktpreise. Eine Kooperative zum Beispiel kauft Imkerhonig und reinigt ihn, bevor sie ihn an die nächste Kooperative weitergibt. Doch eines Tages wollte ihnen plötzlich niemand mehr Honig verkaufen. Der Preis war gestiegen, andere Händler zahlten mehr, also mussten sie ihre Preise anpassen. Wer auf dem freien Markt bestehen will, muss all diese Dinge lernen. Das ist in vielerlei Hinsicht eine Schule.

Welches sind die nächsten Schritte des Grünen Innovationszentrums?
YILMA TAYE: Wir blicken jetzt auf zweieinhalb Jahre zurück, in denen wir eine Menge bewegt haben. In Seyo haben wir auf einem Gelände, das die Regierung uns zur Verfügung gestellt hat, einen kleinen Gewerbepark errichtet. Jetzt beginnt die zweite Projektphase: In den kommenden vier Jahren wollen wir das Grüne Innovationszentrum mit Unterstützung der GIZ weiter ausbauen und die Wertschöpfungsketten in zwei landwirtschaftlichen Bereichen, Tierfutter- und Honigproduktion, weiterentwickeln. Unser Ziel lautet nachhaltiges Wachstum.

BAHRITU SEYOUM: Eine große Herausforderung bleibt die Erschließung weiterer Märkte. Im Moment verkaufen die jungen Leute di Produkte nur in den Dörfern und Kleinstädten der Region. Unser langfristiges Ziel ist es aber, die Supermärkte, zum Beispiel in der Hauptstadt Addis Abeba, die etwa 230 Kilometer östlich von Dano liegt, zu beliefern. Das können wir aber nur, wenn wir uns weiter modernisieren und professionalisieren. Die Qualität der Produkte ist schon jetzt hervorragend. Aber Lebensmittel, die in Supermärkten verkauft werden, müssen regelmäßig in Labors geprüft werden. Zudem sind die regulatorischen Anforderungen an Produktion, Abfüllung und Versiegelung hoch. So weit sind wir einfach noch nicht, aber wir arbeiten daran. Wenn die Kunden in Addis Abeba einmal den Honig aus Dano probiert haben, werden sie nichts anderes mehr wollen!

Mardia und ihr glückliches Leben

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