Mit Wasser und Seife gegen Krankheiten: In der Dorfschule von Abu Dorani gehören praktische Hygieneschulungen zum Lehrplan.

Gesundheit macht Schule

Schmutziges Wasser, mangelnde Hygiene und schlechte medizinische Versorgung führen zur Verbreitung zahlreicher Krankheiten in Äthiopien. Vor allem Kinder sind betroffen. Um sie zu schützen, bietet Menschen für Menschen an Schulen Gesundheitsvorsorge und Hygiene-Trainings an.

Einmal im Monat steht Gesundheitsprävention auf dem Stundenplan in der Schule von Abu Dorani, nicht theoretisch, sondern ganz praktisch. So auch an diesem Freitag: Rund 500 Mädchen und Jungen stehen auf dem staubigen Schulhof aufgereiht wie Perlen an einer Kette. Auf Tischen haben Lehrer sowie Mitarbeiter von Menschen für Menschen und der lokalen Gesundheitsbehörde die wirkungsvollsten Mittel gegen Krankheitserreger vorbereitet: Schüsseln mit sauberem Wasser und duftende Seifenstücke. Auf Zuruf treten die ersten Kinder vor, feuchten sich die Hände an, verteilen Seife darin und beginnen, sich die Gesichter gründlich einzuschäumen. Anschließend spülen sie die Seife mit Wasser ab und machen Platz für die nächsten Schüler. Eine knappe Stunde wird vergehen, bis alle sich gewaschen haben.

„Natürlich kennen die Kinder Wasser und Seife“, sagt Belay Chebud. Er ist Krankenpfleger bei Menschen für Menschen im Projektgebiet Dano, in dem die Stiftung seit 2013 aktiv ist. „Doch in vielen Familien spielt Hygiene keine große Rolle.“ Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Wer mehr als eine Stunde zum nächsten Brunnen laufen muss, für den ist jeder Wassertropfen wertvoll. Dann geht Durst löschen vor Hände waschen. Hinzu kommt, dass viele Familien sehr arm sind. Für sie ist Seife ein Luxusprodukt, auf das man eher verzichten kann, als etwa auf Getreide. Erst trinken und essen, waschen kann warten: Das ist nachvollziehbar – und gefährlich zugleich. Denn wo tägliche Hygiene-Rituale fehlen, haben Krankheitserreger leichtes Spiel. Wie etwa die Bakterien, die Trachom auslösen, eine in Äthiopien verbreitete, gefährliche Augenentzündung. Die Krankheitserreger werden durch direkten Kontakt, gemeinsam benutzte Gegenstände oder Fliegen übertragen. Die Entzündung, die sie am inneren Augenlid auslösen, ist von einem starken Juckreiz begleitet, schädigt die Hornhaut des Auges und kann unbehandelt zur Erblindung führen. „In dieser Gegend fehlt es an Brunnen und Quellfassungen“, sagt Belay. „Deshalb ist das Trachom weitverbreitet.“

Ein Kind nach dem anderen darf sich hier mit frischem Wasser und Seife waschen.

Aufgereiht wie Perlen an einer Kette stehen die Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof.

Schulen bauen, Lernbedingungen verbessern

Der Junge Yohanes leidet unter einem Trachom.

Mit einem Blick stellt Belay Chebud bei dem Jungen Yohanes ein aktives Trachom fest. In diesem Stadium der Krankheit kann eine Salbe helfen.

Belay hat einen Blick für die ersten Symptome der Krankheit entwickelt. Jetzt ruft er einen Jungen in einem schmutzigen T-Shirt aus der Runde zu sich. „Wie heißt du?“, fragt er. „Yohanes“, flüstert der Junge. Sein Auge ist leicht gerötet. Belay bittet ihn, auf einem Stuhl Platz zu nehmen und den Kopf ein wenig in den Nacken zu legen. Dann hebt er mit dem Finger vorsichtig erst ein Augenlid des Jungen, dann das nächste. Ein kurzer Blick auf die Innenseiten der Lider bestätigt den Verdacht: Der Junge leidet unter einem aktiven Trachom. „In diesem Stadium kann man die Krankheit noch mit einer antibiotischen Salbe behandeln“, sagt Belay. Wenn sie voranschreitet, bleibt nur ein chirurgischer Eingriff. Belay notiert sich den Namen des Jungen. Er wird ihn und alle weiteren Kinder, die bereits infiziert sind, behandeln.

„Wer die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig verändern will, muss verschiedene Bereiche gleichzeitig anpacken“, sagt Demere Anno, Projektmanager in Dano. Beispiel Bildung: Noch in diesem Jahr will Menschen für Menschen mit dem Bau einer neuen Schule in Abu Dorani beginnen. Die dunklen, von Termiten und Sandflöhen befallenen Lehmhütten werden hellen, modernen Gebäuden aus Stein weichen. „Bessere Lernbedingungen verbessern das Bildungsniveau“ sagt Demere. Doch eine neue Schule allein nützt wenig, wenn die Kinder nicht lernen können, weil sie für die Familie Wasser holen oder krank im Bett liegen. Deshalb müssen parallel Brunnen gebaut und eine medizinische Versorgung organisiert werden.

Szenenwechsel. Rund 300 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Abu Dorani, im Projektgebiet Wogdi, baut Tegene Fentaw von Menschen für Menschen seine provisorische Ambulanz im Schatten eines Schulgebäudes auf. Sie besteht aus einem großen Kanister und zwei Kartons. Ein paar Meter weiter haben sich rund 30 Mädchen und Jungen versammelt und beobachten jeden Handgriff von Tegene genau. Sie wissen längst, was jetzt passiert, schließlich kommt Tegene bereits seit drei Jahren alle sechs Monate hierher, in die Dorfschule von Abye Gurba. Sein Besuch ist dennoch immer wieder ein Spektakel. Tegene streift sich den
weißen Kittel über, reißt den ersten Karton auf und zieht eine Schachtel hervor. Dann geht es los. Ein Kind nach dem anderen tritt vor, öffnet den Mund, schluckt zwei Tabletten, spült mit Wasser aus dem Kanister nach und schon ist die Prozedur vorbei. Wurmprophylaxe am Fließband, nur so kann Tegene alle versorgen. Die Dorfschule von Abye Gurba im Projektgebiet Wogdi zählt rund 1.200 Schülerinnen und Schüler. Sie alle sollen in den kommenden Tagen die Tabletten erhalten.

Wurmprophylaxe im Projetgebiet Wogdi

Wurmprophylaxe am Fließband: Tegene Fentaw in der Dorfschule von Abye Gurba.

Weniger Fehlzeiten dank Wurmtabletten

„Früher waren Wurmparasiten hier weitverbreitet“, erinnert sich Tegene. Vor allem der Spulwurm plagte die Menschen. Er gelangt über verunreinigte Lebensmittel und schmutziges Wasser in den Körper und nistet sich im Darm ein, wo seine Weibchen bis zu 200.000 Eier am Tag legen. Die Larven wandern über Leber, Herz, Lunge und Kehlkopf zurück in den Darm. Die Folgen reichen von Mangelerscheinungen und Müdigkeit bis hin zu Darmlähmungen und Koliken. „Die Parasiten waren dafür verantwortlich, dass viele Kinder nicht zur Schule gehen konnten“, sagt Tegene. „Das ist vorbei, seit wir die Wurmprophylaxe durchführen.“ Das Ergebnis ist eindeutig: Die Schüler fehlen seltener, lernen mehr und schaffen ihren Schulabschluss. „Die Kosten für diesen Erfolg liegen bei rund
vierzehn Eurocent für Wurmtabletten pro Kind und Jahr.“, sagt Tegene und rechnet vor: „Die 1.200 Kinder von Abye Gurba vor Würmern zu schützen, kostet 170 Euro im Jahr.“

Mardia und ihr glückliches Leben

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So einfach ist es, zu helfen

Trachom-Operation

Mit 50 Euro

ermöglichen Sie Trichiasis-Operationen für fünf Personen.

Schulungen im Gesundheitsbereich

Mit 90 Euro

finanzieren Sie ein 15-tägiges Training im Gesundheitsbereich.

Impfung

Mit 105 Euro

können 30 Kinder gegen zehn Krankheiten geimpft werden.

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