Vintage Addis Abeba

1991 schaute sich Bob Geldof gemeinsam mit Karlheinz Böhm die Projekte von Menschen für Menschen in Äthiopien an.

Karlheinz Böhm gemeinsam mit dem irischen Rockmusiker Bob Geldof. Foto: Schumann

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von | Mai 22, 2019 | Äthiopien Wiki

Sie interessieren sich für Äthiopien, haben aber keine Lust, sich durch einschlägige Online-Enzyklopädien zu wühlen? Sie finden eher Gefallen an persönlichen Geschichten und Begebenheiten als an Zahlenkolonnen und Abhandlungen zum Bevölkerungswachstum, den äthiopischen Sprachen oder dem Wahlsystem? Dann haben wir mit „Vintage Addis Ababa“ genau das Richtige für Sie gefunden – einen etwas anderen Zugang zum Leben im Land am Horn von Afrika.

Haben Zahlen, Daten und Fakten meist nur einen geringen persönlichen Bezug, so vermitteln viele der mittlerweile über 2.000 Fotos, die Wongele Abebe, Philipp Schütz und Nafkot Gebeyehu bis heute zusammengetragen und auf der Plattform „vintageaddis.com“ veröffentlicht haben, einen sehr persönlichen Eindruck vom Alltag der Einwohner der äthiopischen Hauptstadt. Fernab vom allseits bekannten Bild Äthiopiens als Land von Hunger und Konflikten dokumentieren die „alten“ schwarz-weiß Aufnahmen Kinder, Frauen und Männer in ihrem gewohnten Umfeld, Familienporträts, Aufnahmen von Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten, aber auch historische Aufnahmen von Kaiser Haile Selassie, der einem Mädchen das Abschluss-Diplom überreicht. „Stories of everyday people“, so beschreiben die Herausgeber ihr dokumentarisches Crowdsourcing-Projekt, das fragile Schätze für die Nachwelt bewahren möchte.

Mit der Veröffentlichung sei die Hoffnung verbunden, so die Künstler, dass junge Äthiopier nicht nur mehr über die Vergangenheit ihrer Heimat und ihres Volkes erfahren, sondern dieses Erbe gleichermaßen schätzen und in Ehren halten mögen.

Etwa die Geschichte von Genet Bekele und ihrem Ehemann Aynalem. Die rebellische junge Frau engagierte sich 1978 im Widerstand gegen das sozialistische Derg-Regime und wurde schließlich für drei Monate eingesperrt. Ihr damaliger Freund Aynalem arbeitete ausgerechnet für die Regierung, sodass ihre Beziehung strengstens geheim bleiben musste. Wenig später dann konnten die beiden doch noch in einer kleinen Stadt außerhalb von Addis Abeba heiraten. Ihre Hochzeitsfotos, die sich in der Sammlung „Vintage Addis Ababa“ finden, dokumentieren eindrücklich, dass auch das damalige Terrorregime ihrer großen Liebe nichts anhaben konnte.

Aufgrund des großen Zuspruchs haben die Autoren ihr 2017 zunächst online veröffentlichtes Kunstprojekt im vergangenen Jahr auch in einem gedruckten Fotoband herausgebracht. 242 Fotos und die begleitenden Geschichten – die Fotografin Wongele Abebe und ihre Mitstreiter Philipp Schütz und Nafkot Gebeyehu teils über soziale Medien, teils auch durch persönliche Kontakte in der äthiopischen Hauptstadt  zugänglich machen konnten – bieten einen intimen Einblick in unterschiedlichste Aspekte des Lebens in Addis Abeba.

Hier zeigen wir Ihnen einige Eindrücke aus der mittlerweile mehr als 37-jährigen Geschichte der von Karlheinz Böhm gegründeten Hilfsorganisation.

1983: Bild eines Tukuls (typisch afrikanisches Haus)
1983: Karlheinz Böhm mit einem äthiopischem Mädchen auf dem Arm
1985: Karlheinz Böhm trifft Mutter Theresa in Äthiopien.
1985: Ein Portait einer äthiopischen Familie aus dem Dorf Nagaya.
1989: Karlheinz Böhm mit Berhanu Negussie im Erer-Tal. Berhanu ist heute Landesrepräsentant der Stiftung Menschen für Menschen.
1990: Karlheinz Böhm mit der kleinen Lemlem

Karlheinz Böhm gründete Menschen für Menschen am 16.Mai 1981 nach der legendären Wette in der TV-Sendung “Wetten, dass…?”. Sein Ziel: nachhaltige Hilfe zur Selbstentwicklung in Äthiopien und Zusammenarbeit mit der Bevölkerung des ostafrikanischen Landes auf Augenhöhe. Zum Austausch seiner Vision traf Böhm u.a. mit Mutter Theresa und Bob Geldof zusammen. Fotos mit Mutter Theresa & äthiopische Familie: Jürgen Escher

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