Traditionelle Mundhygiene

Ethiopia aus Harar

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von | Aug 21, 2018 | Land und Leute

Seit 15 Jahren verkauft Ethiopia in der Altstadt von Harar hölzerne Stäbchen zur Zahnreinigung. In einem Land ohne flächendeckende zahnärztliche Versorgung ein ebenbürtiger Ersatz für Zahnbürsten und Zahnpasta.

Tagsüber gleicht die Altstadt von Harar einem Wimmelbild des Bilderbuchautors Ali Mitgutsch: Bunte Verkaufsstände säumen die Gassen, Männer schleppen Säcke oder balancieren Türme aus Kartons vor sich her. Andere treiben schwer beladene Esel an. Frauen tragen die Einkäufe heim. Vereinzelt bahnt sich ein Auto im Schritttempo den Weg durch die Menschenmenge. Seit mehr als 1.500 Jahren ist die Hauptstadt der Region Harar eines der wichtigsten Handelszentren Ostäthiopiens. 2006 hat die UNESCO ihren, von einer Mauer eingefassten, historischen Stadtkern zum Weltkulturerbe erklärt.

Etwas abseits des Getümmels sitzt Ethiopia Sisay in einem schmalen Durchgang auf dem Pflaster, den Rücken an eine Hauswand gelehnt. Vor ihr steht ein flacher Karton voller Holzstäbchen im Bleistiftformat. „Nicht der beste Ort für einen Stand, aber meine Stammkunden wissen, wo ich bin“, sagt die 65-Jährige, die sich das traditionelle Kopftuch in Piratenmanier umgebunden hat. Da ist zum Beispiel die ältere Dame im weißen Gewand, die zielstrebig auf die Händlerin zugeht. Sie greift eines der Hölzchen, parkt es zwischen den Backenzähnen und drückt Ethiopia zwei Birr, umgerechnet etwa acht Cent, in die Hand. Wortlos lässt diese die Scheine irgendwo unter ihrem Kleid verschwinden.

Mit einem Messer schnitzt Ethiopia Verzierungen in die Rinde einiger Hölzer.

Mit einem Messer schnitzt Ethiopia Verzierungen in die Rinde einiger Hölzer. Foto: Stiftung Menschen für Menschen

Seit 15 Jahren verkauft Ethiopia in der Altstadt von Harar hölzerne Stäbchen zur Zahnreinigung. „Miswak“ nennen sie die meist aus der Wurzel oder den Zweigen des Arakbaumes geschnitzten, handlichen Stäbe. Seit Jahrtausenden säubern sich die Menschen von Nordafrika bis Indien mit solchen Hölzchen die Zähne.

Dazu kauen sie auf einem Ende herum, bis es zu einer Art Bürste ausfranst, mit der sich Beläge und Essensreste zwischen den Zähnen entfernen lassen. Die weichen Fasern eignen sich auch zur Zahnfleischmassage. „Zahnbürsten und Zahnpasta können sich viele Menschen in Äthiopien nicht leisten“, erklärt Ethiopia. Wozu auch: Die Hölzchen enthalten zahlreiche Wirkstoffe wie Fluoride zur Stärkung der Zähne oder entzündungshemmende Tannine.

Ihr positiver Effekt auf Zähne und Zahnfleisch ist enorm wichtig in einem Land, das über keine flächendeckende zahnärztliche Versorgung verfügt.

Ethiopias kritischer Blick
Miswak-Stäbchen zur Zahnreinigung

Kritischer Blick: Ethiopia Sisay prüft ein Wurzelstück des Arak-Baumes. Wie viele Zahnhölzer sich wohl daraus schnitzen lassen?

An einem normalen Tag setzt Ethiopia etwa 50 Birr, umgerechnet zwei Euro um. Während des Ramadan kann es das Vierfache sein: Die „Miswak“-Hölzchen werden zwar nicht im Koran erwähnt, doch der Überlieferung nach soll schon der Prophet Mohammed sie benutzt haben.

Sie selbst habe in ihrem Leben noch nie etwas anderes als die „Miswak“ verwendet, um sich die Zähne zu reinigen, sagt Ethiopia Sisay und ihr Lächeln gibt den Blick auf zwei ebenmäßige Zahnreihen frei. Ihre Zähne sind vielleicht nicht so strahlend weiß wie die in der Zahnpasta-Werbung. Aber sie sind gesund. „Habt ihr noch Zweifel an der Wirkung der Miswak?“

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