Mammutprojekt GERD

Arbeiten am großen Staudamm

Viele Tausend Arbeiter sind in die Errichtung des größten Staudamms Afrikas eingebunden. Foto: By Jacey Fortin [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

 

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von | Jul 1, 2018 | Äthiopien Wiki

Seit 2011 arbeiten etwa 10.000 Menschen Tag und Nacht auf einer Großbaustelle. Unweit der Grenze zum Sudan baut Äthiopien den größten Staudamm Afrikas – den Grand Ethiopian Renaissance Dam, abgekürzt GERD.

Das Talsperrenprojekt – zwischenzeitlich auch als Millennium-Talsperre betitelt – soll den Blauen Nil auf etwa zwei Kilometern mit einer rund 150 Meter hohen Mauer stauen und über das angeschlossene Wasserkraftwerk etwa 6.000 Megawatt Strom pro Jahr liefern. Abgelegen in der westäthiopischen Region Benishangul-Gumuz möchte die äthiopische Regierung mit dem größten Hydroenergieprojekt Afrikas den Energiebedarf des mit etwa 100 Millionen Menschen nach Nigeria bevölkerungsreichsten sowie wirtschaftlich aufstrebenden Staates decken. Die “Große Talsperre der äthiopischen Wiedergeburt”, wie das Bauprojekt auch genannt wird, wird nach Fertigstellung in etwa so viel Energie liefern wie fünf Atomkraftwerke. Geschätzte Baukosten: rund fünf Milliarden Dollar. Für 74 Milliarden Kubikmeter Wasser ist der Stausee am Blauen Nil angelegt, ein etwa 250 Kilometer langer See, ein Wasserspeicher dreimal so groß wie der Bodensee.

Äthiopiens Motivation für solch ein Mammutprojekt ist die schlechte Stromversorgung. Derzeit verfügt lediglich rund ein Viertel der Bevölkerung über Zugang zu Strom. Neben einer besseren Stromversorgung der eigenen Bevölkerung möchte die Regierung die überschüssige Energie in die umliegenden Länder exportieren. Beide Maßnahmen sollen helfen, die Wirtschaft Äthiopiens anzukurbeln und Wohlstand für die Bevölkerung zu generieren.

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GERD ist auch als Souveränitätssymbol zu verstehen. Äthiopien ist das einzige Land Afrikas, das nie kolonialisiert wurde  – von einer sechs Jahre andauernden Besetzung durch Italien (1935 – 1941) abgesehen. Mit dem Staudammprojekt möchte Äthiopien nun auch unabhängig von Mitteln externer Geldgeber werden – sich quasi von einem Hilfsempfänger zu einem Unterstützer mausern. Getreu dieser Devise finanziert das ostafrikanische Land sein „Wunder vom Blauen Nil“, wie die taz den Damm benennt, aus eigenen Mitteln. Nicht ganz freiwillig jedoch, denn internationale Kredite gestalten sich aufgrund des politischen Streits um das Nilwasser schwierig. Ursprünglich sollte der Bau 2017 abgeschlossen sein, nach heutiger Einschätzung wird GERD nicht vor 2019 fertiggestellt sein.

Zur Recherche dieses Artikels haben wir folgende Quellen herangezogen.

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1 Kommentar

  1. Swantje Strieder

    Mr Karl wäre begeistert über euren Äthiopienblog: eine gute Ergänzung zur reinen Projektberichterstattung, die ja auch immer auch Landeskunde vermitteln wollte. Nur bitte etwas flotter: traut euch auch mal ein eigenes Urteil zu, ein bisschen mehr politische Anschauung und Recherche darf sein! Ihr seid doch “an der Quelle”? Z.B. Das Staudammprojekt GERD. Mussten denn da Bauern umgesiedelt werden. Wie sind die Wasserrechte tatsächlich mit Ägypten geregelt? Wie sind die ökologischen Auswirkungen eines solchen Großprojektes? ( schlecht, wie man von vielen Vorgängerprojekten weltweit weiß. Wer sind die Baufirmen? Chinesen? Was haben die für Eigeninteressen, vielleicht ähnliche wie beim Thema “land grabbing”? Also traut euch m,al was! Karlheinz Böhm hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Mit besten Grüßen Swantje Strieder

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